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Hilferuf am Fenster

Hilferuf eines Krankenhauses in Tokyo sorgt für internationales Aufsehen

In Japan ist die Zahl der Corona-Infizierten wieder so hoch, wie vor einigen Monaten. Krankenhäuser sind an ihrer Belastungsgrenze. Trotzdem sollen die Olympischen Spiele stattfinden. Ein Krankenhaus in Tokyo hat dagegen protestiert und für internationales Aufsehen gesorgt.

Das Tachikawa Sogo Hospital hat zurzeit keine Zeit über die Spiele nachzudenken, da sie sich um zahlreiche Covid-19-Patienten kümmern müssen. Als sie davon erfuhren, dass das Olympische Organisationskomitee nach Ärzten und Krankenschwestern sucht, die freiwillig bei den Spielen helfen, reichte es dem Krankenhaus.

Olympischen Spiele sind ein zu hohes Risiko

Der Leiter Masaya Takahashi begann mit Zetteln eine Nachricht an die Fenster zu kleben. Von der Straße aus ist seit dem 30. April zu lesen: „Die medizinische Kapazität ist an ihren Grenzen. Stoppt die Olympischen Spiele! Gib uns eine Pause. Die Olympischen Spiele sind unmöglich!“

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Ein Foto von dem Hilferuf verbreitete sich schnell auf Twitter und die Menschen zeigten sich schockiert davon, dass die Lage in Japan so schlimm zu sein scheint. Viele stimmten zu, dass die Spiele nicht auf den Rücken der medizinischen Einrichtungen ausgetragen werden sollten.

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In einem Interview erklärte Takahashi, dass er als Krankenhausleiter einfach eine Nachricht vermitteln musste. Es würde ihn schmerzen, wenn er an die Sportler sowie an das olympische Personal denkt, die all die Anstrengungen auf sich nehmen und hart arbeiten.

Er sieht aber aufgrund der derzeitigen Lage trotzdem keine andere Möglichkeit, als sich gegen die Spiele zu stellen, da die Spiele das Virus noch mehr verbreiten könnten. Sollte sich die Situation wirklich verschlechtern, könnte das Gesundheitssystem kollabieren.

Menschen unterstützen Takahashi

Takahashi erklärt weiter, dass die Krankenschwestern enorme Belastungen auf sich nehmen, um Risiken zu vermeiden. Mittlerweile hat jede Station nur noch ein Minimum an Personal, da viele gekündigt haben, was laut Takahashi im ganzen Gesundheitssystem einen gefährlichen Dominoeffekt auslösen kann.

Umso mehr freute sich der Krankenhausleiter, dass viele Menschen nach viral gehen seiner Nachricht sich beim Krankenhaus meldeten und versuchten ihnen Mut zu machen. All die Unterstützung hilft am Ende aber nicht viel, wenn die Regierung sich weiterhin taub stellt. Denn nicht nur das Krankenhaus ist wütend, auch medizinisches Personal aus ganz Japan protestiert gegen die absurden Forderungen.

Krankenhaus ist ausgelastet

In dem Tachikawa Sogo Hospital gibt es insgesamt 287 Betten und 90 Ärzte. Seit April 2020 werden Corona-Infizierte angenommen und behandelt, wobei sie eine ihrer fünf Stationen extra umrüsten mussten. Die Zahl der Betten musste dabei von 47 auf 26 reduziert werden. Für die Intensivstation (ICU) und
Intensivpflegesstation (HCU) gibt es eigentlich drei Betten für Covid-19-Patienten.

Da die dritte Welle nun jedoch noch schlimmer als die vorherige ist, müssen sie seit dem 7. Mai alle 16 Betten auf der HCU nutzen. Reguläre Patienten, die sich unter anderen von Operationen erholen, werden nun auf die reguläre Station verlegt, wo Menschen mit Demenz und anderen Krankheiten sind.

Die Aufnahme von neuen Patienten ist deswegen schwierig. Zwischen Januar und März sank die Zahl der angenommenen Krankenwagen um 55 Prozent. Im Vorjahr sank die Zahl sogar auf über 80 Prozent.

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