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Hiroshima Friedensmuseum nun mit Ausstellung über ausländische Opfer

Die Atombombenabwürfe auf die japanischen Städte Hiroshima und Nagasaki sind noch immer ein wichtiges Thema. Sie forderten viele Opfer – darunter nicht nur Japaner. Ein neuer Abschnitt im neu renovierten Hauptgebäude des Hiroshima Peace Memorial Museums widmet sich nun den ausländischen Bombenopfern.

Die Schätzungen darüber, wie viele Ausländer durch die Bombenanschläge starben, gehen auseinander und liegen zwischen mehreren Tausend bis mehreren Zehntausend. Sicher ist aber, dass der Großteil der ausländischen Opfer Koreaner waren. Die Halbinsel stand damals unter japanischer Herrschaft. In der Nähe des Museums befindet sich auch ein Denkmal für die koreanischen Opfer, auf dem von über 20.000 koreanischen Opfern gesprochen wird.

Viele Opfer wollten lange nicht über die Bombenanschläge von Hiroshima sprechen

Eines der Opfer ist Lee Jong Keun, der heute viel Aufklärungsarbeit über die Atombombenabwürfe leistet. Doch das war nicht immer so. Lange Zeit hielt er sowohl seine Nationalität als auch die Tatsache, dass er von dem Bombenabwurf betroffen war, geheim. Grund dafür waren rassistische Beleidigungen in seiner Kindheit. Er wurde 1928 in der Präfektur Shimane geboren und musste seinen Namen 1939 in Masaichi Egawa ändern, da alle Koreaner japanische Namen annehmen mussten. Dass er eigentlich Koreaner war, verriet er danach niemandem mehr.

Hiroshima Denkmal
Das Denkmal für die ausländischen Opfer der Atombombenanschläge auf Hiroshima. Bild: kyodo

Am Tag des Atombombenabwurfs war der damals 16-Jährige auf dem Weg zur Arbeit, als er plötzlich „in ein gelbes Licht gehüllt“ wurde. Er überlebte mit schweren Verbrennungen, doch hatte jahrelang „Angst vor dem Tod“. Und auch darüber sprechen wollte er nicht, genauso wenig wie er seine wahre Identität preisgeben wollte.

Doch 2012 nahm er an einer von einer Organisation für Opfer des Atombombenabwurfs organisierten Weltreise teil. Dabei wurde ihm klar, dass auch er der Welt von den Schrecken der Atombomben erzählen wollte. Seitdem hält er Vorträge über die Atombombenabwürfe und erzählt seine Geschichte Schülern, die Hiroshima besuchen. Er ist sehr froh, dass sich nun auch das Museum mit ausländischen Bombenopfern beschäftigt. „Ich bin froh, dass das renovierte Museum den Bereich mit dem Schwerpunkt auf ausländische Opfer eingerichtet hat, da die Öffentlichkeit von ihrer Existenz noch weitgehend nichts weiß“, sagte er.

Zehntausende Ausländer waren zum Zeitpunkt des Abwurfs in Hiroshima

Dem Museum zufolge lebten zum Zeitpunkt des Abwurfs Zehntausende Koreaner, Chinesen und Taiwanesen in Hiroshima. Diese waren eingezogen oder aus ihren Heimatländern rekrutiert worden, um für die japanische Armee zu kämpfen. Aber auch andere Ausländer wie Studenten oder Kriegsgefangene befanden sich in der Stadt. Drei Opfer stellt das Museum besonders in den Fokus: Kwaak Kwi Hoon, ein 94-jähriger Südkoreaner, gehört ebenso dazu wie ein Student aus Malaysia und ein deutscher Priester.

Hiroshima Museum
Besucher schauen sich die neue Abteilung über die ausländischen Opfer im Friedensmuseum in Hiroshima an. Bild: kyodo

Kwaak wurde von Japan eingezogen und durch ein bahnbrechendes Urteil bekannt: Er klagte gegen die japanische Zentralregierung und bekam Recht. Nun muss die Regierung ihm im Rahmen von Maßnahmen zur Unterstützung der Überlebenden der Bombardierung eine medizinische Versorgung zahlen. Es wurde 2002 endgültig und verbindlich und die Regierung begann im folgenden Jahr, Zahlungen an ihn zu leisten. Das hatte Vorbild-Charakter für viele andere Ausländer. Insgesamt gab es 2018 laut Gesundheitsministerium 3.123 Inhaber von Gesundheitskarten im Ausland, davon 2.241 in Südkorea, 667 in den USA, 95 in Brasilien, 31 in Kanada und 17 in Taiwan.

Es fehlen noch viele Dokumente über ausländische Opfer

Ein Grund für die neue Ausstellung über ausländische Atombombenopfer ist die steigende Zahl an ausländischen Besuchern im Hiroshima Peace Memorial Museum. Bis März dieses Jahres hat es einen Rekord erzielt: 430.000 Ausländer besuchten das Museum, ein starker Anstieg, obwohl die Gesamtzahl der Besucher auf 1,52 Millionen sank. Das größte Problem für das Museum sei das Fehlen von Materialien, Dokumenten und Informationen. Diese werden nun intensiv gesucht.

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