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Stromversorgung zu unsicher

Hitzewelle in Japan lässt Rufe nach Atomkraft lauter werden

Die Hitzewelle in Japan und die daraus resultierende Stromknappheit lassen die Rufe nach einem raschen Ausbau der Kernenergie sowohl in der Politik als auch in der Bevölkerung wieder lauter werden.

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Seit Tagen forderte die japanische Regierung sowie einige Stadt- und Präfekturverwaltungen die Menschen dazu auf, Strom zu sparen. Diese Aufrufe führen dazu, dass sich immer mehr Menschen nicht trauen, ihre Klimaanlage durchlaufen zu lassen. Und das, obwohl die Temperaturen am Mittwoch noch einmal deutlich angestiegen sind.

Hitzewelle mit Temperaturen von über 40 Grad

In Großraum Tokyo brachte die Hitzewelle, die schlimmste in einem Juni seit 1875, Temperaturen von über 40 Grad. Laut der JMA werden die Temperaturen in Tokyo selbst erst am 5. Juli wieder auf ca. 30 Grad sinken.

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Die Warnung, dass man Strom sparen muss, damit die Versorgung nicht zusammenbricht, bleibt daher noch einige Zeit bestehen.

Nach Angaben der nationalen Netzaufsichtsbehörde OCCTO wurde bei der geplanten Stromversorgung bereits alles berücksichtigt, was ab Mittwoch als zusätzliche Maßnahmen möglich ist.

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Eine OCCTO-Schätzung zeigte, dass die Reservequote der Stromerzeugungskapazitäten für den Großraum Tokyo am Mittwoch zwischen 16.30 und 17.00 Uhr auf bis zu 2,6 Prozent sinken könnte. Also unter die Mindestschwelle von 3 Prozent, die zur Gewährleistung einer stabilen Versorgung als notwendig erachtet wird.

Japans Premierminister Fumio Kishida, der sich in Europa aufhält, erklärte unterdessen auf einer Pressekonferenz im Anschluss an den Gipfeltreffen der G7, er werde alles tun, um eine ausreichende Stromversorgung in Japan zu gewährleisten, solange die Sicherheit gewährleistet sei.

Damit spricht er direkt den Einsatz von Atomenergie an. Die meisten japanischen Kernkraftwerke sind seit dem Tsunami vom 11. März 2011, der den Reaktorunfall in Fukushima auslöste, abgeschaltet.

Man hat allerdings versäumt, andere Stromquellen auszubauen, so wurden zum Beispiel viele Wärmekraftwerke abgeschaltet, da sie veraltet waren.

Mehr Atomkraft für eine stabile Stromversorgung

Inzwischen arbeiten die Energieversorger in Japan daran, die stillgelegten Wärmekraftwerke wieder in den Betrieb zu nehmen. Die Rufe nach alternativen Energiequellen wird lauter, darunter auch Rufe, nach Atomkraft.

In Tokyo schlug Gouverneurin Yuriko Koike auf der Aktionärsversammlung der Tokyo Electric Power Company Holdings vor, einen Artikel in die Satzung aufzunehmen, der eine stabile Stromversorgung gewährleistet.

„Die Verbraucher aufzufordern, den Energieverbrauch zu reduzieren, um die Stromkrise zu überstehen, ist nicht die Art und Weise, wie ein Versorgungsunternehmen geführt werden sollte“, so die Gouverneurin Koike.

Der Antrag wurde zwar abgelehnt, aber andere Aktionäre äußerten bei der Erörterung anderer Themen ihre Besorgnis über eine mögliche Stromabschaltung.

Einige Aktionäre forderten die baldige Wiederinbetriebnahme von Kernkraftwerken, da sie überzeugt sind, dass diese Anlagen eine stabile Stromversorgung gewährleisten und die Gewinne der Stromversorgungsunternehmen verbessern.

Dies ist nur ein Beispiel dafür, dass eine Reaktivierung der Atomkraftwerke gefordert wird. Auch andere Stromversorger in Japan sehen sich dieser Forderung ausgesetzt.

Allerdings ist eine Reaktivierung gar nicht so einfach, denn nach der Katastrophe in Fukushima hat die Atomaufsichtsbehörde die Sicherheitsmaßnahmen verschärft und bereits den Neustart einiger Kraftwerke untersagt.

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