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Auch Japaner haben genug von gewaltsamen Übergriffen durch Polizisten

Hunderte protestieren in Tokyo gegen Polizeigewalt

Zurzeit schaut die ganze Welt nach Amerika, wo die Proteste gegen Polizeigewalt ein ungeahntes Ausmaß annehmen. Grund dafür ist die Ermordung des Afroamerikaners George Floyd. Es geht dabei jedoch komplett unter, dass auch in Japan Proteste aufflammen, nachdem es ebenfalls zu einem Fall von Polizeigewalt gekommen ist.

Im Internet tauchte kürzlich ein Video auf, das die Festhaltung eines ausländischen Mannes durch Polizisten in Shibuya vom 22. Mai zeigt. Bei dem Mann handelt es sich um einen 33 Jahre alten Kurden, der aus der Türkei nach Japan kam, seit 15 Jahren ein permanentes Bleiberecht hat und in einem Restaurant arbeitet.

Polizisten würgten und verletzten den Mann

In dem Video gehen die zwei Polizisten gewalttätig gegen den Mann vor, der sichtlich verzweifelt zu sein scheint. Wiederholt ruft er umstehenden Menschen zu, dass er nichts getan habe. Beim Versuch die Situation zu erklären, wurde er aufgefordert die Klappe zu halten. In mehreren Aufnahmen ist weiter zu hören, wie die Beamten den verängstigten Mann grundlos anschreien, während er wiederholt sagt, dass sie ihm weh tun und sie ihm doch zuhören sollen.

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Später erklärte der Mann gegenüber Reportern, dass er nur an der Polizei vorbeigefahren war und sie ihn plötzlich zum Anhalten bewegte. Die Beamten fragten anschließend, ob sie sein Auto durchsuchen könnten. Als er das verneinte, weil er einen Zahnarzttermin hatte, packten ihn die Polizisten gewaltsam an den Armen und hielten ihn fest.

Die Polizisten fasten ihn ebenfalls an Hals, um ihn auf die Straße zu drücken. Der Griff war laut dem Mann so fest, dass er nicht richtig atmen konnte und er bat den Beamten aufzuhören. Trotzdem griff der Polizist erneut zu und würgte ihn wiederholt.

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Erst als die Polizisten bemerkten, dass sie gefilmt wurden, ließen sie los. Aufgrund der Misshandlungen erlitt der Mann Verletzungen am Hals, den Beinen und der Hüfte, die vermutlich mehr als ein Monat benötigen, um zu heilen. Um die 30 Polizisten kamen im Verlauf des Vorfalls hinzu, obwohl der Mann in keiner Weise Widerstand leistete oder anderweitig Probleme machte.

Sein Auto durchsuchte die Polizei trotzdem ohne Begründung und Erlaubnis, was nach japanischen Gesetz illegal ist. Es wurde dabei ein Karton zerstört und die persönlichen Sachen durchsucht. Nachdem nichts gefunden wurde, ließen ihn die Beamten frei. Der Mann hat nach eigenen Angaben schon am 27. Mai gegen die Polizisten eine Klage eingereicht. Er habe weder versucht sich zu wehren noch wollte er weglaufen. Trotzdem wurde er brutal behandelt und die Beamten hörten erst auf ihn zu würgen, als sie die Kamera sahen, wie er erklärte.

Beamte versuchen Videos zu löschen

Der Vorfall wurde einem Freund aufgenommen, der im Auto war und den die Beamten ebenfalls angegriffen. Als die Polizei bemerkte, dass sie gefilmt werden nahm sie ihm das Handy weg. Anschließend hielten sie es vor sein Gesicht, um es per Face-ID ungefragt zu entsperren. Sämtliche Videos, die den Vorfall zeigen, wurden anschließend von den Beamten gelöscht, wobei das veröffentlichte vermutlich übersehen wurde. Mindestens zwei weitere veröffentlichte Aufnahmen stammen hingegen von anderen Personen, die den Übergriff ebenfalls sahen.

Die Aufnahmen und Berichte von dem Vorfall sorgten online für massive Empörung. Um die 200 Menschen protestierten als Reaktion am 30. Mai in Tokyo gegen Polizeigewalt und forderten Ermittlungen gegen die Beamten. Als große Gruppe liefen sie mit Plakaten und Megaphonen vom Shibuya Square bis zu der Polizeistation in Shibuya, wo sie lautstark Konsequenzen forderten.

Demonstration gegen Polizeigewalt
In Shibuya kamen um die 200 Menschen zur Demonstration gegen Polizeigewalt. Bild: Gregor Wakounig

Unter anderem nahm der Aktivist Ishikawa Taiga an der Demonstration teil und erklärte, dass Japaner nicht bei solchen Vorfällen schweigen sollen. Bei den Protesten vor der Polizeistation kam es zu gewaltsamen Übergriffen durch die Polizisten und mindestens eine Person wurde festgenommen.

Polizisten reagieren bei Demonstration aggressiv
Demonstranten liefen bis zur Polizeistation von Shibuya, wo es zu Auseinandersetzungen mit Beamten kam. Bild: Gregor Wakounig

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BlackLivesMatter

Gleichzeitig wurde im Rahmen der Demonstration auch gegen die Polizeigewalt in den USA protestiert, die sich besonders gegen die dunkelhäutige Bevölkerung richtet. Mit dem Slogan BlackLivesMatter zeigten zahlreiche Teilnehmer ihre Unterstützung für die Proteste in Amerika. Weitere Proteste in Japan gegen Polizeigewalt sind wohl laut einigen Personen bereits geplant und sollen demnächst stattfinden. Die Polizei und auch die Regierung reagierten bis jetzt nicht auf den Vorfall und die Forderungen der Demonstranten.

Demonstration gegen Polizeigewalt in Japan
Zahlreiche Menschen machten deutlich, dass sie wütend auf die Polizisten sind. Bild: Gregor Wakounig

Polizeigewalt in Japan
Mit Plakaten in Japanisch und Englisch machten die Menschen ihren Ärger Luft. Bild: Gregor Wakounig

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Japans Geschichte an Gewalt gegenüber Ausländern ist lang

Leider ist es jedoch kein Einzelfall und Japan hat zahlreiche gewalttätige Vorfälle gegenüber Ausländern vorzuweisen. In Einwanderungszentren kommt es immer wieder zu Todesfällen und unmenschlichen Behandlungen. Personen werden oft zu lange und ohne wirkliche Begründung festgehalten. An medizinischer Behandlung jeder Art fehlt es und sie sind häufig der Willkür des Personals ausgesetzt. Die UN selbst ermahnte Japan mehrmals wegen der Zustände und der steigenden Zahl an Rechtsverletzungen.

Ausländer, die in Japan leben, werden hingegen willkürlich auf den Straßen von Polizisten kontrolliert und wer seinen Status nicht bestätigen kann, wird oft einfach mitgenommen und festgehalten. Auch Berichte von plötzlich gestrichenen Visa und sofortigen Festnahmen ohne Erklärung sorgten für Aufsehen.

Polizeigewalt gegen Japaner

In den Medien gibt es hingegen immer wieder rassistische Vorfälle gegenüber Menschen mit dunkler Haut, die selbst vor den Tennisstar Naomi Osaka nicht halt machen. Während die Regierung und Behörden jedoch weiter besonders bei den Zuständen in den Einwanderungszentren wegschauen, steigt das öffentliche Bewusstsein sein. Vor allem in den Medien kommt es häufig zu Protesten nach rassistischen Darstellung und auch die antifaschistische Bewegung scheint in Japan zu wachsen.

Aber nicht nur gegen Ausländer richtet sich Polizeigewalt. Bei einer Wahlkampfveranstaltung letzten Juli wurden zwei Personen, die dazwischen riefen, gewaltsam von der Polizei entfernt, was im Nachhinein für Proteste sorgte. Anfang des Jahres starb ein Mann bei der Festnahme durch die Polizei, was nicht der erste Vorfall dieser Art ist. Dazu kommen die Vorwürfe, dass Polizisten weiterhin sexuelle Übergriffe, Stalking und Misshandlung nicht ernst nehmen und besonders weiblichen Opfern nicht helfen.

MS, Twitter, Gregor Wakounig

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