Stats

Anzeige
Home News In Japan kämpfen Politiker mit Behinderung gegen die Unsichbarkeit

In Japan kämpfen Politiker mit Behinderung gegen die Unsichbarkeit

Kampf für ein besseres Leben

In Japan wurden bei der letzten Wahl Menschen mit einer Behinderung in das Oberhaus gewählt. Nun kämpfen sie gegen die Unsichtbarkeit von behinderten Menschen in Japan.

Der Politiker Yasuhiko Funago leidet an einer neurologischen Erkrankung, die bedeutet, dass er nicht sprechen kann und er nutzt ein Computersystem, dass er mit dem Mund bedient.

Kampf für ein besseres Leben für Menschen mit Behinderung in Japan

Aber er fordert Gehör, denn er kämpft darum, das Leben von Menschen mit Behinderungen in Japan zu verbessern, wo sich viele darüber beschweren, dass sie sich unsichtbar fühlen.

„Ich war ein Soldat, bevor ich an amyotropher Lateralsklerose erkrankte und kaum Gelegenheit hatte, mit Menschen mit Behinderungen in Kontakt zu treten“, so Funago im November vor einem Komitee. „Ich hatte keine Ahnung, wie Menschen mit Behinderungen oder Krankheiten leben.“

Mehr zum Thema: 
Prozess gegen Amokläufer zeigt die tiefe Ablehnung gegen behinderte Menschen in Japan

Solche Ignoranz führt zu Vorurteilen und Diskriminierung, warnte der 62-Jährige.

Die Politikerin Eiko Kimura (54) ist nach einer Verletzung im Kindesalter bis auf eine Hand vom Nacken abwärts gelähmt.

Nachdem sie letztes Jahr in das Oberhaus gewählt worden war, drängt sie auf eine stärkere Integration von Menschen mit Behinderungen, getrieben von der Erinnerung an eine Kindheit in einem Pflegeheim – wo sie manchmal das Gefühl hatte, zu einer anderen Welt zu gehören.

„Mein Bild von Menschen ohne Behinderung war, dass sie die Menschen sind, die im Fernsehen sind“, sagte sie in einem Interview.

Gesellschaft versteckt Menschen mit Behinderung

Sie glaubt, dass eine Gesellschaft, die behinderten Menschen nicht hilft, sie effektiv versteckt.

„Zur Schule zu gehen oder zu arbeiten ist sehr wichtig, wenn man an der Gesellschaft teilhaben will“, sagte Kimura. „Es ist der Grund, warum wir in der Gesellschaft unsichtbar sind.“

Beide Politiker, die zu der Reiwa Shinsengumi Partei gehören, sind auf die Unterstützung von Betreuern angewiesen.

Ihre Wahl hat eine Gesetzeslücke aufgedeckt, die es behinderten Menschen schwer macht, in Japan zu arbeiten: Der Staat zahlt für Pflegekräfte nur, wenn die behinderte Person nicht angestellt ist oder keine Schule besucht.

Das kann bedeuten, dass behinderte Menschen es sich einfach nicht leisten können, zu arbeiten, da die Kosten für private Hilfe ihre Gehälter übersteigen würden.

Das Oberhaus zahlt für die Assistenten von Kimura und Funago, aber die neuen Politiker wollen, dass die Regeln geändert werden, um den 11.500 anderen schwerbehinderten Menschen zu helfen, die auf öffentliche Fürsorge angewiesen sind.

Umbau des Parlamentsgebäude für die beiden behinderten Politiker

Das Parlamentsgebäude wurde seit 1977 das erste Mal umgebaut, als die erste Politikerin des Landes, Eita Yashiro, die Treppe hinaufgetragen werden musste. Aber die Wahlen von Kimura und Funago haben die Grenzen dieses Umbaus aufgezeigt.

Beide Gesetzgeber verwenden spezielle Stühle, die in der Kammer eingestellt werden müssen.

Ihr Vertrauen in die Kommunikation mit den Helfern erforderte auch eine Änderung der Regeln, sodass ihre Betreuer ihnen durch Drücken von Abstimmungsschaltflächen oder Lesen von Aussagen helfen konnten.

Das Paar wurde kritisiert und in den sozialen Medien wurde ihre Anwesenheit als lästig bezeichnet. Dieser Tweet erhielt 49.000 Likes und 23.000 Retweets.

Aber die beiden Politiker traten zu einer Zeit dem Landtag bei, in der Japan vor den Paralympischen Spielen daran arbeitet, für Menschen mit Behinderungen bessere Bedingungen zu schaffen.

Nach Angaben der Regierung gibt es im Land 9,63 Millionen Menschen mit körperlichen oder geistigen Behinderungen, auf die mehr als 7 Prozent der Gesamtbevölkerung entfallen.

Fortschritte wurden erzielt, indem die Zugänglichkeit in Tokyo verbessert wurde und die Quoten für die Einstellung von Menschen mit Behinderungen in der Regierung festlegt wurde.

Japan muss noch viel tun

Aber Menschenrechtsaktivisten sagen, das mehr getan werden muss: Die Regierung war früher gezwungen, sich dafür zu entschuldigen, nachdem sie regelmäßig ihre eigenen Quoten nicht eingehalten hatte.

Funago möchte, dass Japan den Menschen ein besseres Verständnis für das Leben von Menschen mit Behinderungen gibt und sich für eine integrative Bildung einsetzten, bei der Kinder unabhängig von Behinderungen gemeinsam lernen.

Und die neuen Politiker haben, trotz großer Kritik, viel Unterstützung erhalten, insbesondere aus einer Gemeinschaft, die sich oft ausgegrenzt fühlt.

„Es ist wichtig, dass wir Menschen mit Behinderungen sichtbar werden und unsere Stimmen erheben“, sagte Shinya Ando, der nach einem Motorradunfall in seiner Jugend von der Brust abwärts gelähmt ist.

Ando leitet die Personal Assistant Machida, eine Firma, die rund 250 Helfer an behinderte Menschen entsendet.

Er beschäftigt auch 15 Menschen mit Behinderungen, darunter einige in Führungspositionen, indem die Firma ihnen bei der Arbeit Helfer zur Verfügung stellt.

Er möchte nicht nur die Akzeptanz von Menschen mit Behinderungen, sondern auch die Inklusion sehen und sagte, die Wahl von Funago und Kimura sei eine Überraschung, aber eine positive.

MA, Kyodo TJT

Anzeige
Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren:

Rolling Sushi - der Japan-Podcast

Rolling Sushi - Japan für die Ohren

Kommentieren Sie den Artikel

Please enter your comment!
Please enter your name here