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Der Japaner lernte im hohen Alter noch Englisch, sodass möglichst viele Menschen seine Geschichte hören

International bekannter Überlebender des Atombombenabwurfs in Nagasaki verstorben

Der Japaner Yoshiro Yamawaki war eine der international viel gehörten Stimmen der Überlebenden des Atombombenabwurfs in Nagasaki, weil er selbst im hohen Alter noch Englisch lernte, damit möglichst viele Menschen seine Botschaft verstehen. Yamawaki ist jetzt im Alter von 88 Jahren verstorben.

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Gemäß Angaben seiner Familie verstarb der Japaner bereits Mitte September an Gallengang- und Leberzellkrebs, der nicht mehr therapierbar war. Der Überlebende des Atombombenabwurfs auf Nagasaki am 9. August 1945 war einer der Aktivsten, wenn es darum ging, die Vergangenheit in Erinnerung zu halten. Der Japaner beschloss extra, Englisch zu lernen, sodass er seine Erfahrungen mit seinen eigenen Worten dem Rest der Welt mitteilen konnte.

Freunde und Familie beschrieben Yamawaki als ruhigen Menschen, der mit großer Leidenschaft die Erinnerung an die Schrecken des Atomkriegs am Leben erhielt. Er selbst war 11 Jahre alt, als die Atombombe über der Millionenstadt Nagasaki im Süden Japans detonierte. Der Japaner erinnerte sich bis an sein Lebensende daran, wie er seinen Vater nach der Detonation suchte und nur verkohlte Überreste fand. Als die Familie später versuchte, die Leiche zu verbrennen, blieben Teilen des Körpers erhalten. So auch der Schädel.

Erinnerungen an Atombomben-Katastrophe soll erhalten bleiben

Schon früh war Yamawaki klar, dass er seine Erinnerungen mit anderen teilen möchte. Gleichzeitig ging es dem Japaner darum, dies auf sachlicher Ebene zu tun, obwohl seine eigenen Erfahrungen so herzzerreißend waren. Seine Zuhörer waren immer wieder von seinem neutralen Tonfall imponiert, wenn er über den Abwurf und seine Folgen sprach. Dem älteren Mann war immer wichtig, dass es um die Sache und nicht um ihn selbst ging.

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1994 trat der Mann aus Nagasaki vermehrt in die Öffentlichkeit, nachdem er eine größere Zeitung zu einer seiner Kundgebungen eingeladen hatte, in denen er über seine Erfahrungen sprach. Damals fiel es ihm noch schwer, seine viele Emotionen richtig mitzuteilen. Mit seinen Aktionen erregte der Japaner immer mehr Aufmerksamkeit, bis sich auch die Nagasaki Foundation for the Promotion of Peace für ihn interessierte.

Lange Zeit hatte der Japaner mit seinen Emotionen zu kämpfen, wenn er sich an die vergangenen Ereignisse erinnerte. Das Erlebnis mit seinem Vater hat ihn zeitlebens sehr berührt. Später änderte Yamawaki seinen Stil, um auch sprachlich mehr Abstand zu bekommen. Für ihn wäre es zu aufdringlich, wenn er seine eigenen Emotionen in seinen Bericht einfließen lässt.

Erinnerung an Atombombe auf Nagasaki soll erhalten werden
Yoshiro Yamawaki bei Gedenkfeier für Atombombenabwurf in Nagasaki Bild: AS

Yamawaki macht trotz schwerer Krankheit weiter

Nachdem er seine Erzählungen im japanischen perfekt rüberbringen konnte, entschied der Japaner in hohem Alter, noch eine neue Sprache zu lernen. Weil er nicht auf die Leistung von Dolmetschern angewiesen sein wollte, begann er, Englisch zu studieren. 2010 wurde Yamawaki vom Außenministerium zum Sonderbotschafter für eine Welt ohne Atomwaffen ernannt und reiste durch die ganze Welt, um seine Erfahrungen mit den Menschen zu teilen. Außerdem nahm er an monatlichen Studiensitzungen teil, in denen er seine Erinnerungen ins Englische übertrug. Er brachte immer eine Reihe von Notizbüchern mit, die er dann übersetzte.

In seinen Berichten geht es Yamawaki auch darum, die sozialen Hintergründe der damaligen Zeit zu erklären. Lange Zeit bot der Japaner auch Führungen durch Nagasaki für Schüler an, die während der Pandemie aber nicht mehr stattfinden konnten. Deswegen verlegte er seine Aktivitäten auf Online-Formate, um wiederum Zuhörer aus aller Welt anzusprechen. Im März 2022 ereilte den Mann die Mitteilung, dass er nicht mehr lange zu leben habe. Yamawaki wollte aber weiterhin und so lange wie möglich seine Vorträge halten. Bis Ende Juni nahm er in verschiedenen Schulen an Veranstaltungen teil, auch wenn dies für ihn große körperliche Anstrengungen bedeutete. In seinem Haus hinterließ er eine umfassende Bibliothek mit 200 Lehrbüchern über die englische Sprache und viel Material über die Atombombenabwürfe.

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