Interview mit den Buchautoren von Liebe auf Japanisch

Kerstin und Andreas Fels beschreiben die vielen, kuriosen wie ernsten Seiten des japanischen Liebeslebens

Liebe auf Japanisch, Buch
Bild: Conbook Verlag

Liebe auf Japanisch – was stellt ihr euch vor, wenn ihr das hört? Schüchterne Anime-Pärchen, männliche Hosts, Geisha in Kyoto oder die traurige Statistik, was die Kindergeburt in Japan angeht? Liebe ist etwas, wonach sich jeder Mensch sehnt, doch sie ist oftmals schwer zu erfassen und zu erklären.

Kerstin und Andreas Fels haben das Thema genau unter die Lupe genommen und ein humorvolles Guidebook über die faszinierende Welt der japanischen Liebe erschaffen.

Das Team von Sumikai konnte dem Paar einige Fragen zu diesem Thema stellen.

Was ist eurer Meinung nach der größte Unterschied zwischen dem, wie Japaner und Deutsche das Dating angehen?

Na ja, nicht leicht zu sagen. Hier wie dort gibt es natürlich unterschiedlichste Typen, die sich nicht mit „Japaner“ und „Deutsche“ generalisierend zusammenfassen lassen. Hier wie dort gibt es Leute, denen es leichtfällt, mit möglichen Partnern ins Gespräch zu kommen und andere, die so große Angst vor einem „Korb“ haben, dass sie es lieber gar nicht erst probieren, eine Person, die sie anziehend finden, anzusprechen.

Das dürfte einer der Gründe dafür sein, warum Dating-Apps bei uns so populär sind: Hier weiß ich schon vor der ersten Kontaktaufnahme, ob die andere Person auch auf der Suche nach einer Beziehung oder an etwas anderem interessiert ist. In Japan gibt es natürlich auch Dating-Apps – es gibt aber auch „kokuhaku“, die sogenannte Liebeserklärung noch vor dem ersten Date. Klingt erst mal ein bisschen verfrüht, aber letztendlich gibt es einfach keine gute Übersetzung dafür.

Beim „kokuhaku“ versichert einer dem anderen im Vorfeld, dass er/sie ihn oder sie mag und grundsätzlich an einer Beziehung interessiert ist. Und eigentlich ist das ja ganz praktisch, wenn man das direkt am Anfang eines Dates schon weiß.

Liebe auf Japanisch
Kerstin und Andreas Fels, Buchautoren von „Liebe auf Japanisch“

Im Kapitel über die Beziehungen zwischen Japanern und Ausländern erwähnt ihr, dass die Japaner nicht besonders offen gegenüber Ausländern sind, weil sie zwischen soto (außen) und uchi (innen/eigenes) eine starke Abgrenzung haben. Aber eigentlich gibt es auch in anderen Kulturen den Unterschied zwischen “eigenem” und “fremdem”. Was, meint ihr, ist der Grund, wieso es für Japaner besonders schwer ist, den Kontakt zu Ausländern aufzubauen?

Ja, aber diese Unterscheidung zwischen dem inneren und äußeren Beziehungskreis ist unserer Erfahrung nach in Japan stärker ausgeprägt als andernorts und zudem noch deutlich differenzierter. Das dürfte zu einem großen Teil daran liegen, dass Japan nicht nur ein Inselreich ist, sondern auch über Jahrhunderte hinweg von allen externen Einflüssen abgeschottet war, bis sich die Amerikaner mit Kriegsschiffen Japan als Wirtschaftszone „erschlossen“ haben. Das prägt eine Weltsicht, die zwischen „wir“ und „die anderen“ im sozialen Umgang und sprachlich unterscheidet.

Im Buch werden verschiedene spezielle japanische Cafés erwähnt, wie Maid-Cafés. Aber Katzencafés gibt es mittlerweile auch in Europa. Glaubt ihr, dass auch ein anderes spezielles Café einen Durchbruch bei uns machen könnte? Und wenn ja, was würde es dann anbieten?

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Wir glauben, dass es solche Angebote in Deutschland wesentlich schwerer haben. Viele, gerade ältere Leute, würden bei verkleideten Bedienungen den Kopf schütteln und es albern finden – so wie bei Cosplay. Auch wenn das längst kein Nischenphänomen mehr ist, sehen viele Menschen hier eine Berechtigung für Verkleidungen eher in der Karnevalszeit oder – wenn es mal etwas kinky sein darf – im Schlafzimmer.

Ähnlich dürfte es vielen bei Katzen- und anderen Tiercafés gehen: Was soll ich denn da? Wenn ich eine Katze streicheln möchte, kaufe ich mir eine oder gehe zu Freunden, die eine haben. Vielleicht gibt es sogar Leute, die Bedenken hinsichtlich des Tierschutzes haben, da die vierbeinigen Bewohner von Streichelcafés nicht unbedingt ein artgerechtes Leben führen können.

Cosplay Maid
Twitter / @ymnnkn_okura

Wieso habt ihr euch entschieden, nicht nur bei dem Thema Liebe zu bleiben, sondern auch ernste Sachen wie Beerdigung und Altwerden in dem Buch vorzustellen?

Wir wollten nicht nur vom Verlieben, verliebt sein und Sex erzählen, sondern auch von dem, wie sich diese Liebe weiterentwickeln kann. Bei manchen resultiert daraus eine Familie und damit viele neue Verästelungen dieses zwischenmenschlichen Gewächses. Über die Jahre verändert sich das Ganze natürlich und die ehemals frisch Verliebten sind 40 Jahre und mehr verheiratet.

Bei manchen ist nur noch die Routine der Klebstoff, der die Beziehung zusammenhält. Nicht umsonst lassen sich in Japan viele Paare scheiden, wenn der Partner in die Rente geht. Viele lernen sich erst dann richtig kennen und merken, dass sie sich eigentlich gar nichts mehr zu sagen haben. Bei anderen funktioniert die Liebe auch noch im Alter und bis zum Tod.

Aus diesem Grund kommen auch solche ernsteren Themen im Buch vor, da Liebe eben auch zum Altern und Sterben dazugehört. Und wenn wir uns nur auf Themen wie Schulmädchen, Sexpuppen und Idols konzentriert hätten, wäre uns das Buch auch zu einseitig und klischeehaft geworden.

Ihr habt sehr viele Informationen von Geschehnissen, die erst neulich in Japan stattfanden, in das Buch integriert. Hattet ihr das schon bei der ersten Version oder habt ihr das später hinzugefügt?

Es war natürlich unsere Absicht, dass das Buch möglichst das aktuelle Leben und Lieben in Japan zeigt. Das, was sich während des Schreibens ereignete und zur Geschichte und dem Thema des Buchs passte, haben wir daher gerne mit aufgenommen. Und manche Kapitel haben wir tatsächlich noch kurz vor Schluss umgeschrieben oder ergänzt.

In dem Interview mit animePro erwähnt ihr, dass ihr, um Informationen für dieses Buch zu sammeln, auch Fragebögen in eurem japanischen Freundeskreis verteilt habt. Gab es bei den Antworten etwas, was euch überrascht hat?

Am meisten hat uns überrascht, dass die Antworten gar nicht so sehr verschieden waren von Antworten, die wir auch in Deutschland hätten bekommen können. Klar, in vielen Details unterscheidet sich das (Liebes-)Leben in Japan schon, aber letzten Endes sehnt man sich doch ganz einfach danach, jemanden zu finden, den man mag und mit dem man sein Leben teilen möchte.

Gab es ein Thema in dem Buch, zu dem es besonders schwer war, Informationen zu finden?

Na ja, zu manchen Themen gab es eher zu viele Informationen. Zum Beispiel beim Kapitel „Sex mit einem Roboter“ hätte es noch viele weitere Informationen gegeben. Wir haben einiges davon bewusst weggelassen, weil wir dem Kapitel nicht so ein starkes Übergewicht gegenüber anderen geben wollten. Und gerade bei diesem Thema gibt es schon eine Fülle an Privatsender-Dokus, sodass wir uns bemüht haben, möglichst wenig reißerisch und wertend zu beschreiben.

Dass junge Japaner immer weniger Interesse an Sex haben, was auch zu demografischen Problemen führt, wird zurzeit in den Medien heiß diskutiert. Glaubt ihr, die werden noch eine Lösung dafür finden?

Schwer zu sagen. Es wird ja auch in den japanischen Medien thematisiert und pragmatisch nach Lösungen gesucht. Bei vielen ist ein Bewusstsein dafür vorhanden, dass die japanische Bevölkerung rapide schrumpft. Hilfreich sind daher wohl die Ansätze, bei denen man versucht, Menschen im Dating-Alter unverkrampft zusammenzubringen. Zum gemeinsamen Kochen, Basteln oder über Hobbys. Hauptsache, die Leute verbringen Zeit miteinander und schaffen so die wichtigste Voraussetzung dafür, sich kennenlernen und vielleicht auch verlieben zu können.

Da ihr schon mehrmals in Japan wart, was wäre der schönste Ort für ein Date? Bzw. was würdet ihr bei einem Date in Japan auf jeden Fall besichtigen und machen wollen?

Och, da gibt es genau so viele schöne Orte wie Geschmäcker. Für den einen ist es ein Highlight, auf Odaiba in Tokyo im Riesenrad eine Runde zu drehen, während ein anderer am liebsten seinem Liebling auf der Besucherplattform des Tokyo Skytree in einem knappen halben Kilometer Höhe seine Liebe gestehen möchte. Unser Tipp: In den Fuji-Hakone Nationalpark fahren und ein gutes Restaurant suchen. Mit etwas Glück streift der Fuji sein dichtes Wolkengewand ab und sorgt so für ein erinnerungswürdiges Date. Und wenn nicht, hat man wenigstens ein gutes Essen miteinander geteilt.

Vielen Dank für das Interview!

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