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Ein Rückblick auf die Medienlandschaft 2020 in Japan und bei uns

Jahresrückblick: Coronavirus-Pandemie und Rücktritt von Shinzo Abe bestimmen die Berichterstattung 2020

2020 ist ein Jahr, das viele Menschen am liebsten streichen würden, die Coronavirus-Pandemie war das dominierende Thema in der Medienlandschaft weltweit. So auch in Japan und damit bei uns.

Neben der Pandemie war eines der größten Themen allerdings der Rücktritt von Shinzo Abe und die Wahl von Yoshihide Suga zum neuen Premierminister Japan. Ein Rückblick auf ein bewegtes Jahr.

1. Die Coronavirus-Pandemie

Die Pandemie hat 2020 die Welt in Atem gehalten und vorbei ist sie noch lange nicht. Die Hoffnungen stützen sich zurzeit auf Impfstoffe, die nach und nach weltweit zugelassen werden.

Seit Beginn der Pandemie bestimmt das Virus nicht nur das Leben der Menschen, sondern auch die Berichterstattung.

Mehr zum Thema:  "3Cs" ist das Wort des Jahres 2020 in Japan

Japans Premierminister sah sich sogar gezwungen einen Ausnahmezustand zu erklären. Zuerst für Tokyo, Osaka und fünf weitere Präfekturen, kurze Zeit später dann für ganz Japan.

Allerdings anders als zum Beispiel in Deutschland bedeutet der Ausnahmezustand in Japan nicht automatisch einen Lockdown, denn dafür hat die japanische Regierung keine rechtlichen Möglichkeiten.

Auch in Japan dominierte die Coronavirus-Pandemie die Berichterstattungen in den japanischen Medien
Auch in Japan dominierte die Coronavirus-Pandemie die Berichterstattungen in den japanischen Medien. Bild: Kyodo

Zwar schaffte es Japan, die Infektionszahlen gering zu halten, allerdings als der Ausnahmezustand am 25. Mai aufgehoben wurde, stiegen die Infektionszahlen zwischen Juli und August wieder an.

Der Anstieg war allerdings nicht so stark wie in anderen Ländern und so überschlugen sich auch in Deutschland viele Medien mit Aussagen wie: „Wir sollten uns etwas von Japan abschauen!“ Eine Aussage, die sich spätestens seit Ende Oktober als keine so gute Idee herausstellte, denn die Infektionszahlen begannen in dem Monat drastisch zu steigen.

Die Situation sieht zurzeit in Japan so aus, dass jeden Tag deutlich mehr Infektionen als am Vortrag gemeldet werden und auch die Zahl der Todesfälle immer weiter ansteigt. Da es auch immer mehr Menschen gibt, die stationär in Krankenhäusern behandelt werden müssen, wird mittlerweile vor einem Zusammenbuch des Gesundheitssystems gewarnt.

2. Die Olympischen Spiele

2020 sollte ein Olympia-Jahr für Tokyo werden, denn die Olympischen Spiele hätten eigentlich in diesem Jahr stattfinden sollen. Dank der Coronavirus-Pandemie wurde aber nichts draus und die Spiele wurden auf 2021 verschoben, man könnte sagen auf den letzten Drücker.

Mittlerweile explodieren die Kosten für die Spiele, da Infektionsschutzmaßnahmen umgesetzt werden müssen.

Ein Punkt, den viele Menschen in Japan kritisieren und die Forderung nach einer weiteren Verschiebung oder einer kompletten Absage der Spiele werden immer lauter. Trotzdem sollen die Spiele auf jeden Fall stattfinden.

3. Japans Premierminister Shinzo Abe tritt zurück

Japans Premierminister Shinzo Abe kündigte am 28. August seinen Rücktritt an und begründete diese Entscheidung mit seiner chronischen Darmerkrankung.

Japans Premierminister Shinzo Abe kündigte dieses Jahr überraschend seinen Rücktritt an
Japans Premierminister Shinzo Abe kündigte dieses Jahr überraschend seinen Rücktritt an. Bild: Kyodo

Er ist mit 3.188 Tagen der dienstälteste Regierungschef Japans und hat einige Erfolge zu verbuchen. Allen voran die „Abenomics„, mit der er es schaffte, Japan erfolgreich aus der Rezession zu holen.

Auf der anderen Seite scheiterte er allerdings auch an einigen Vorhaben, darunter die Änderung der pazifistischen Verfassung Japans.

Für viele kam der Rücktritt Abes überraschend, auf der anderen Seite fiel durch einige Skandale die Zustimmung in der Bevölkerung, was Kritiker als eigentlichen Grund für die Abdankung ansehen. Als einen weiteren Grund wird der Sakura-Skandal angesehen, dazu in Punkt 9 mehr.

4. Yoshihide Suga wird neuer Premierminister

Nach Abes Rücktritt wurde seine rechte Hand und Kabinettschef Yoshihide Suga zum neuen Premierminister gewählt. Keine wirkliche Überraschung, denn bei der Wahl zeigte sich, wie viel Einfluss die Politik auf die Berichterstattung der japanischen Medien nimmt.

Yoshihide Suga wurde 2020 zum neuen Premierminister Japans gewählt
Yoshihide Suga wurde 2020 zum neuen Premierminister Japans gewählt. Bild: Kyodo

Und so war es kein Wunder, dass Suga auch sehr viel Rückhalt aus der Bevölkerung bekam, denn die japanischen Medien überschlugen sich förmlich mit einer positiven Berichterstattung. Seine Gegner schauten sprichwörtlich „in die Röhre“, denn entweder wurde gar nichts berichtet, oder die Berichte waren alles andere als positiv.

Suga ist mittlerweile allerdings unter starke Kritik geraten, da seine Reaktionen und Maßnahmen auf die Ausbreitung des Coronavirus mittlerweile als falsch angesehen werden.

5. Die Reisesubvention „Go To Travel“

Die Reisesubvention „Go To Travel“ bestimmte noch vor ihrer Einführung die Berichterstattung.

Bei „Go To Travel“ handelt es sich um ein Programm, mit denen bis zur Hälfte der Reisekosten für Inlandsreisen von der Regierung durch Gutscheine usw. übernommen wurden.

Das Programm sorgte bei seiner Einführung für einige Kritik, da befürchtet wurde, dass sich so die Pandemie schneller in Japan ausbreiten wird. Eine Befürchtung, die sich bewahrheitet hat.

Die Reisesubvention wird am 28. Dezember bis Anfang Januar ausgesetzt, um die Coronavirus-Pandemie zu bekämpfen. Allerdings hielt die japanische Regierung sehr lange und trotz immer lauter werdender Kritik an ihr fest und stoppte sie dann überraschend.

6. Sintflutartige Regenfälle, Taifun und Sommerhitze

Leider vergeht kein Jahr, in dem wir nicht über eine Naturkatastrophe in Japan berichten müssen. In diesem Jahr waren es sintflutartige Regenfälle, die im Juli die Region Kyushu traf. Der Regen verursachte Überschwemmungen und insgesamt 84 Menschen starben.

Sintflutartige Regenfälle verursachten schwere Überschwemmungen und kosteten 84 Menschen das Leben
Sintflutartige Regenfälle verursachten schwere Überschwemmungen und kosteten 84 Menschen das Leben. Bild: Kyodo

Auch die Sommerhitze nahm in diesem Jahr wieder zu. Die Temperaturen stiegen am 17. August in Hamamatsu sogar auf 41,1 Grad, der höchste jemals in Japan gemessene Wert.

Der Taifun Haishen suchte Japan im September heim und hinterließ zwei Tote, vier Vermisste und mehr als 100 Verletzte.

7. Abenomask

In der Kategorie „Dinge, die man vielleicht besser geplant hätte“ stach in diesem Jahr die „Abenomask“ heraus.

Dabei handelt es sich um Stoffmasken, die die japanische Regierung an alle 126 Millionen Einwohner des Landes verteilen wollte, um so durch die Coronavirus-Pandemie zu helfen.

Eigentlich waren die Abenomask eine gute Idee, aber die schlechte Qualität und Kontamination kamen nicht so gut an
Eigentlich waren die Abenomask eine gute Idee, aber die schlechte Qualität und Kontamination kamen nicht so gut an. Bild: Kyodo

Eigentlich gar keine so schlechte Idee, allerdings sollte es nur zwei pro Haushalt geben, was bei vielen Menschen die Frage auslöste, was man macht, wenn man in einem größeren Haushalt lebt und die Tatsache, dass die Masken eine derart schlechte Qualität hatten und mit Schimmel und Käfern kontaminiert waren, half auch nicht dabei, dass die Maßnahme positiv aufgenommen wurde.

Viele Menschen sahen in den Abenomask eher eine Steuerverschwendung als eine Hilfe. Als dann noch die Meldung kam, dass viele Masken kontaminiert sind, war es endgültig vorbei.

8. Suga lehnt 6 Wissenschaftler ab

Noch nicht lange im Amt, zog Japans neuer Premierminister direkt Kritik auf sich, indem er sechs Wissenschaftler als Kandidaten für den Wissenschaftsrat Japans ablehnte.

Im Prinzip nicht so schlimm, immerhin gab es insgesamt 105 Nominierte, allerdings haben sich diese sechs ab und zu kritisch zur Politik von Shinzo Abe geäußert.

Der Forderung, dass Suga die Ablehnung bitte genau erklären sollte, kam Japans Premierminister bis heute nicht nach, was dazu führte, dass seine Umfragewerte das erste Mal in den Keller rauschten.

9. Der Sakura-Skandal

Abe sorgte nicht nur mit seinem Rücktritt für viele Artikel in der Medienlandschaft, der Sakura-Skandal beschäftigt die japanischen Medien immer noch und damit natürlich auch uns.

Abe sorgte kurz vor seinem Rücktritt noch einmal für einen großen Skandal
Abe sorgte kurz vor seinem Rücktritt noch einmal für einen großen Skandal. Bild: Kyodo

Bei dem Skandal handelt es sich um eine jährliche Party im Shinjuku Gyoen National Garden, die der ehemalige japanische Premierminister dafür nutzte, Menschen für ihre Leistung auszuzeichnen.

Eigentlich kein Skandal, denn man ist bisher davon ausgegangen, dass die Teilnehmer Geld bezahlt haben, um an einer Party im Vorfeld teilzunehmen. Haben sie auch, allerdings stellte sich heraus, dass es viel zu wenig war.

Da es sich dabei auch um eine Party für Unterstützer von Abe handelte, gab es große Kritik, denn damit verstieß Abe gegen einige Gesetze.

Japans Ex-Premierminister wurde mittlerweile von der Staatsanwaltschaft befragt, allerdings wurde entschieden, dass er nicht angeklagt werden wird, was verständlicherweise für großen Unmut in der Bevölkerung sorgte. Angesichts der Tatsache, dass Abe im Parlament über 118 Falschaussagen zum Skandal machte, ist das aber auch kein großes Wunder.

10. Der Wahlkampfskandal

Der ehemalige Justizminister Katsuyuki Kawai und seine Frau sorgten in diesem Jahr auch für einen Skandal
Der ehemalige Justizminister Katsuyuki Kawai und seine Frau sorgten in diesem Jahr auch für einen Skandal. Bild: Kyodo

Abseits von großer Politik sorgt die japanische Politiklandschaft immer wieder für Skandale und daher wurden am 18. Juni der ehemalige Justizminister Katsuyuki Kawai und seine Frau, die Politikerin Anri Kawai, von der Staatsanwaltschaft verhaftet.

Die beiden hatten regionalen Politikern Bargeld als Belohnung für die Bemühungen, Stimmen für sie bei der Oberhaus-Wahl im vergangenen Jahr zu sammeln, gegeben.

Beide plädierten bei ihrem Prozess auf nicht schuldig.

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