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Japan – Eine Mutter im Kampf gegen den Tod durch Überarbeitung

2 Jahre sind vergangen, seitdem sich Yukimi Takahashi’s Tochter in Folge von Überarbeitung am Arbeitsplatz das Leben nahm. Seither kämpft die Mutter gegen Japans größte Werbeagentur und gegen die von exzessiven Überstunden geprägte Unternehmenskultur des Landes.

Matsuri Takahashi hatte sich Weihnachten 2015 im Firmenwohnheim das Leben genommen, nachdem sie jeden Monat rund 100 Überstunden machte und nur noch zwei Stunden täglich schlief. In einem Tweet kurz vor ihrem Tod schrieb die Angestellte von Dentsu Inc., Japans größter Werbeagentur, dass sie jegliche Emotionen verloren habe und nur noch den Wunsch verspüre zu schlafen.

Werbegigant Dentsu Inc. wurde in einem öffentlichkeitswirksamen Prozess zu einer Geldstrafe von 500.000 Yen (umgerechnet etwa 3.700 Euro) verurteilt und Chef Tadashi Ishii ist ein Jahr nach dem Suizid zurückgetreten. Auch verpflichtete sich die Werbeagentur, künftig um 22 Uhr das Licht in den Büros auszuschalten und versprach, die Arbeitsbedingungen für ihre Angestellten zu verbessern.

Mit der vergleichsweise geringen Geldstrafe kam Dentsu Inc. allerdings glimpflich davon, denn der Bruch von Regelungen zur Arbeitszeit wird in Japan nur milde bestraft. Fallengelassen wurde auch die Anklage gegen Takahashi’s direkten Vorgesetzten, weil persönliche Anordnungen zur Mehrarbeit nicht nachgewiesen werden konnten.

Das soll sich nun ändern, denn Yukimi Takahashi hat dagegen bei der Staatsanwaltschaft Einspruch erhoben. Es sei „ungerechtfertigt“, dass der Supervisor ihrer Tochter nicht für sein Handeln zur Verantwortung gezogen wurde. Gemeinsam mit ihrem Anwalt Hiroshi Kawahito gab Takahashi am 25. Januar eine Pressekonferenz, in der sie mitteilte, dass ihr Einspruch aus dem letzten Jahr nun akzeptiert und untersucht wird. „Sollte das Handeln eines Vorgesetzten einfach vergeben werden, nur weil illegale Arbeitsüberlastung ein Teil der japanischen Unternehmenskultur ist? Ich möchte diese Frage an die ganze Nation richten“, so die Frau.

Auch wirft sie Japans größtem Werbegiganten vor, sich nicht an getroffene Vereinbarungen vom Januar 2017 zu halten. Demnach habe sich das Unternehmen bei Matsuri Takahashi’s Familie entschuldigt und versprochen Maßnahmen einzuleiten, um eine übermäßige Arbeitsbelastung von Mitarbeitern zu vermeiden. Doch laut Takahashi’s Mutter hat ihr eine Dentsu-Bewerberin verraten, ihr sei bei dem Bewerbungsgespräch gesagt worden, dass „einige Details in den Medienberichten über den Suizid der 24-Jährigen nicht unbedingt wahr seien.“ Nach Angaben von Takahashi’s Anwalt verstoße Dentsu damit gegen getroffene Vereinbarungen. „Was das Unternehmen in der Vereinbarung einräumte und was die Mitarbeiter im Bewerbungsgespräch sagten, ist widersprüchlich“, so der Anwalt.

Dentsu Inc., die einflussreichste und größte Werbeagentur Japans, ist für harte Arbeitsbedingungen bekannt. 2016 wurde das Unternehmen sogar mit dem sogenannten Black Company Award für das “teuflischste” Unternehmen (Most Evil Corporation) Japans ausgezeichnet. Der Preis wird in der Regel an Firmen verliehen, die für exzessive Überstunden, Diskriminierung und Schikane am Arbeitsplatz bekannt sind.

Karoshi – Der Tod durch Überarbeitung

Japan ist das einzige Land auf der Welt, in dem es für Tod durch Überarbeitung ein eigenes Wort gibt: Karoshi. Dieses traurige Phänomen ist ein Thema, das im japanischen Arbeitsalltag längst zur Normalität gehört und dem im Ausland viele mit Fassungslosigkeit begegnen. „Sich zu Tode arbeiten“ ist hierzulande allenfalls eine Redewendung, in Japan jedoch ein bekanntes Problem, dem offiziellen Zahlen zufolge mehrere Hundert Menschen jährlich zum Opfer fallen. Die betroffenen Menschen sterben in der Regel an Herzinfarkten, Schlaganfällen, Gehirnblutungen oder stress- und depressionsbedingten Suiziden.

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