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Institute werfen Regierung vor Druck zu machen

Japan gibt Universitäten mit wenig Präsenzunterricht namentlich bekannt

In Japan sind die Coronazahlen weiterhin relativ hoch und Sicherheitsmaßnahmen werden deswegen weiterhin streng durchgesetzt. Auch viele Universitäten versuchen möglichst viel Schutz zu bieten und setzen auf Online-Kurse. Umso verwunderter sind nun viele Einrichtungen, dass das Bildungsministerium Universitäten namentlich nennt, die nur wenig Unterricht vor Ort anbieten.

Bereits am 16. Oktober hatte Bildungsminister Koichi Haguida die Maßnahme bei einer Pressekonferenz vorgestellt. Hagiuda erklärte dazu, dass es zurzeit eine kritische Situation für Studenten sei. Sie waren selbst nach der Einschreibung teilweise noch nie auf dem Campus und finden keine Freunde. Das habe dazu geführt, dass einige sich von ihnen Urlaub nehmen oder das Studium abbrechen.

Universitäten wurden bereits einmal zum Onlineangebot befragt

Weiter gab Hagiuda an, dass er sich eine Mischung aus digitalem und Unterricht vor Ort wünscht. Er betonte dabei, dass er die Online-Kurse nicht verbieten will. Das Ministerium selbst wiederholte ebenfalls, dass sie sich nicht gegen Online-Kurse stellen wollen.

Als Teil der Maßnahme sollen 376 Universitäten, Junior Colleges und Berufsschulen befragt werden. Das Ministerium möchte von ihnen dabei wissen, ob Studenten einen großen Anteil von Fernkursen akzeptieren. Die Ergebnisse sollen dann später zusammen mit den Namen der Einrichtungen veröffentlicht werden.

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Es handelt sich bei den Institutionen um die gleichen, die bereits zwischen August und September befragt wurden und angaben, dass Präsenzunterricht 30 Prozent aller Klassen ausmacht oder bis Ende des zweiten Semesters fast nur Fernunterricht anbieten. In der Umfrage selbst hatten 80 Prozent aller Befragten angegeben, dass sie eine Mischung der Unterrichtsmethoden planen.

Neue Reglung kommt gar nicht gut an

Institute und Dozenten sind von der Regelung überhaupt nicht erfreut und protestieren dagegen, dass sie Druck gegen die Online-Kurse aufbaut. Die Faculty and Staff Union of Japanese Universities reichte bei dem Ministerium am 20. Oktober eine Anfrage ein mit der Forderung die Namen nicht zu veröffentlichen.

Gewerkschaftsvertreter und Professor der Shizuoka-Universität, Yoichi Torihata gab dazu an, dass Fakultäten und ihre Mitarbeiter die besten Methoden für den Unterricht suchen, die der aktuellen Realität entsprechen. Es sei deswegen nicht gut Vorurteile gegen Online-Kurse zu fördern.

Auch der Secretariat Head der Association of Private Universities of Japan, Hidebumi Koide, steht dem Verfahren sehr kritisch gegenüber. Die Nennung der Namen bei der Veröffentlichung der Umfrageergebnisse würde einen negativen Eindruck verursachen. Allgemein stellt Koide die Absichten des Ministeriums in Bezug auf die Befragung infrage.

Die beste Methode für den Unterricht hängt vom Infektionsstatus der Region, der Größe des Instituts ab und der Art des Unterrichts ab, so Koide. Der Prozentsatz von 30 Prozent an direkten Vorlesungen ist deswegen wenig von Bedeutung. Koide möchte viel eher, dass untersucht wird, dass viele Studenten die Online-Kurse gut bewerten.

Online-Kurse wurden ursprünglich gefördert

Seit Beginn des Ausbruchs von Covid-19 in Japan, haben die meisten Universitäten versucht mit Online-Kursen und andere Fernvorlesungen den Lehrbetrieb am Laufen zu halten, was auch von dem Bildungsministerium unterstützt wurde.

Als dann im April der Ausnahmezustand kam, lockerte das Ministerium die Regulierungen für die Standards für die Einrichtung von Vorschriften der Universitäten zu den maximalen Punkten, die durch Online-Kurse erreicht werden können. Weiter wurde der Fernunterricht durch die Regierung gefördert, in dem sie in einem Verwaltungsrundschreiben gute Beispiele angaben.

Institute haben für Maßnahmen viel Geld ausgegeben

Aus diesem Grund gingen die Einrichtungen bisher davon aus, dass die Regierung den digitalen Unterricht befürwortet. Viele der Institute investierten in den Ausbau der virtuellen Kommunikationsinfrastruktur auf dem Campus und anderer Einrichtungen. Ebenfalls stellten sie Geld für die Studenten zur Verfügung, damit sie die benötigte Technik anschaffen konnten.

Aus den Fehlern und Problemen des ersten Semesters dieses Jahres wurde dazu gelernt und der Unterricht sollte sich nun verbessern. Es wird deswegen nicht verstanden, warum die Regierung plötzlich vom Online-Unterricht wieder weg will. Kurse vor Ort würden nur neue Maßnahmen mit weiteren Anschaffungen bedeuten, die erneut Geld und Zeit kosten.

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