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Menschen müssen zwischen Binden und Essen wählen

Japan kämpft gegen die Periodenarmut

In Japan ist das Thema Periode etwas, was man eigentlich hinter vorgehaltener Hand erwähnt. In den letzten Jahren hat sich allerdings das Bild gebessert. Promis sprechen offen darüber und der Manga „Ms. Period“ ist ein großer Erfolg. Bei all den Verbesserungen ist eine Sache aber gleichgeblieben, die Periodenarmut.

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Viele Menschen können sich nicht die Periodenartikel leisten, da sie teilweise horrende Preise haben. Am Ende sind Menstruierende aber dazu gezwungen, weswegen dann an anderen Stellen das Geld fehlt. Eine gemeinnützige Gruppe versucht das Problem zu beseitigen, da einige Menschen regelrecht verzweifelt sind.

Petition gegen teure Hygiene-Artikel

Auf der Petitionsseite Change.org läuft zurzeit eine Unterschriftenkampagne, welche eine Senkung des Steuersatzes für Menstruationsprodukte fordert. Zurzeit müssen Japaner zehn Prozent auf Hygieneprodukte zahlen. Bereits mehr als 45.000 Personen haben sich an der Aktion beteiligt.

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Die Petition ist Teil des Projektes „#menstruation für alle“, das von Ayumi Taniguchi ins Leben gerufen wurde. Sie wurde dazu inspiriert, nachdem sie an der International Christian University eine Abschlussarbeit über die Menstruation geschrieben hatte. Sie interviewte dabei mehrere Personen, wobei die Hälfte von ihnen angab, dass sie eine finanzielle Belastung erleiden.

Binden mögen zwar einen Stückpreis von wenigen Yen haben, verkauft werden sie aber grundsätzlich in großen Packung. Da Menstruierende sie alle paar Stunden wechseln müssen und das über mehrere Tage, kommt so eine hohe Summe zusammen.

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Die Petition geht davon aus, dass monatlich mindestens 1.000 Yen für die Produkte ausgeben werden. Mit Steuern kommt dann für die komplette Lebenszeit zusammengerechnet etwa ein Wert von etwa 500.000 Yen zusammen.

Brot oder Binden

Viele Menschen beschweren sich schon lange, dass die Produkte wie Luxusartikel behandelt werden. In der Petition heißt es dazu, dass die Produkte notwendig sind, um zu lernen, arbeiten und um seine Träume zu verfolgen. Viele Menschen stimmten dem zu und die Kommentare auf der Seite sind mit Menschen gefühlt, dass die Periode für sie eine finanzielle Belastung ist und sie nun mal auf die Produkte angewiesen sind.

Tanaguchi selbst erinnert sich an eine Geschichte ihrer Oma, die vor 60 Jahren zum ersten Mal nach Tokyo kam. Am Ende des Monats musste sie sich immer entscheiden, ob sie Brot zum Frühstück will oder Menstruationsprodukte kauft. Tanaguchi fand es dabei schockierende, dass nach all den Jahren sich die Lage für die Menschen nicht verändert hat.

Oktober 2020 hat Taniguchi angefangen Einzelhändler zu der finanziellen Belastung durch die Produkte zu befragen, mit Erfolg. Muji fing an zehn Binden für nur 399 Yen inklusive Steuern anzubieten. Aber auch das war für einige Personen noch zu viel, weswegen eine große Online-Umfrage gestartet wurde, die nach drei Tagen schon mehr als 200 Teilnehmer hatte.

Periodenarmut wird zum Gesundheitsrisiko

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Es stellte sich dabei heraus, dass viele ihre Binden nicht regelmäßig wechseln oder sie mit Toilettenpapier einwickeln, um Geld zu sparen. Einige verwendeten auch sogenannte Nacht-Pads, die mehr Flüssigkeit aufnehmen und so länger tragbar sind.

Das Resultat ist aber am Tag, dass sie beginnen zu stinken und anfangen zu jucken. Wenn die Produkte nicht regelmäßig gewechselt werden, kann es zu ernsthaften Gesundheitsschäden kommen. Viele sind aber bereit das Risiko einzugehen.

Aber auch das Umfeld ist ein Problem. So gaben einige Personen an, dass sie in der Schule Probleme hatten, weil sie sich selbst keine kaufen konnten, aber auch niemanden hatten, der für sie welche besorgt. Minori Fukui, Co-Vorsitzende Gruppe, dass es allgemein ein soziales Problem gibt. Das habe sich dazu aufgrund der Pandemie jetzt noch weiter verschärft.

Die Gruppe versucht deswegen auch mit Informationen auf YouTube und bei Online-Diskussionen mit Studenten zu helfen. Ihr großes Ziel ist dabei, dass die Sanitärprodukte steuerfrei werden und es Einrichtungen gibt, die sie kostenlos anbieten.

Andere Länder sind schon weiter

Das Thema von Periodenarmut ist dabei nicht nur auf Japan beschränkt. Weltweit gibt es mittlerweile Diskussionen. Schottland ist seit November 2020 das erste Land, das die Hygieneprodukte nun kostenlos an Schulen und öffentlichen Einrichtungen zur Verfügung stellt. In Großbritannien sind die Produkte hingegen seit Jahresbeginn steuerfrei und Kanada sowie Australien wollen dem Beispiel folgen.

Bis so was in Japan umgesetzt wird, wird es wohl noch lange dauern. Nicht nur das die Gesellschaft immer noch sehr verklemmt bei dem Thema ist, auch über die verbundene Armut will niemand sprechen. Das führt dazu, dass es wenig Aufklärung im Rahmen der Sexualerziehung gibt und die wichtigen Informationen die Betroffenen nicht erreichen. Tanaka sagt dazu, dass sich das Problem deswegen nur lösen lässt, wenn die Gesellschaft auch darüber redet.

Update: Die Euro-Preise wurden gegen Yen ausgetauscht.

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