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Digitale Signaturen werden immer wichtiger

Japan steht vor der Abschaffung der Hanko-Stempel

Da viele Menschen in Japan im Homeoffice arbeiten, allerdings die Mehrheit davon immer wieder ins Büro pendeln müssen, um Dokumente mit ihrem Hanko-Stempel zu unterzeichnen, wird die Forderung, diese Stempel abzuschaffen immer lauter.

Da die japanische Regierung Homeoffice fördert und es als Chance sieht, die Art zu arbeiten in Japan zu reformieren, stellen die Hanko-Stempel allerdings ein Problem dar.

Behörden und Unternehmen fordern die Abschaffung von Hanko-Stempel

Immer mehr Behörden und Unternehmen drängen gleichermaßen auf die Abschaffung der Stempel.

Die Situation hat sich seit April nach dem Anstieg der Coronavirusinfektionen drastisch verändert. Die IT-Firma GMO Internet Inc. kündigte am 17. April Pläne an, amtliche Stempel, die in Kundenverfahren verwendet werden, vollständig abzuschaffen und für Verträge nur noch elektronische Vereinbarungen zu verwenden.

Mehr zum Thema:  Von wegen Hightech-Land - In Japan fehlt es vielen an Mitteln fürs Homeoffice

Das Unternehmen traf diese Entscheidung als Reaktion auf die Tatsache, dass Arbeitnehmer inmitten der Entwicklung des Homeoffice in das Unternehmen kommen, um Dokumente zu stempeln.

Ein Pressesprecher von GMO Internet Inc. sagte, das Unternehmen erhalte von den Kunden überwiegend positive Reaktionen auf diese Umstellung: „Wenn auch nur ein Fall mit papierbasierten Verträgen auftritt, müssen die Verantwortlichen, die damit zu tun haben, am Arbeitsplatz erscheinen.“

Regierung prüft Änderung der Vorschriften

Während einer Kabinettssitzung zum Thema Wirtschafts- und Finanzpolitik am 27. April beauftragte Premierminister Shinzo Abe Seigo Kitamura, Staatsminister für Regulierungsreform, die Verwaltungsverfahren zu überprüfen, die derzeit in der Regel die Nutzung von Hanko-Stempeln auf schriftlichen Dokumenten vorsehen. Auch die Reform der Vorschriften für damit verbundene Verfahren wurde erörtert.

Hiroaki Nakanishi, Vorsitzender des japanischen Wirtschaftsverbands (Keidanren), bezeichnete die japanische Tradition Hanko-Stempel zu benutzen als Unsinn und als etwas, das als Kunstwerke erhalten werden sollte und durch eine elektronische Signatur ersetzt werden kann.

In einer Pressekonferenz sagte Nakanishi: „Die Kultur, sich auf Stempel als Identifikationssystem zu verlassen, entspricht nicht diesem digitalen Zeitalter“.

Der auf Gesellschaftsrecht spezialisierte Anwalt Satoshi Sekiguchi ist der Meinung, dass Hanko-Stempel als Unterschrift im Allgemeinen keine rechtliche Grundlage haben.

Warum also drückt man Stempel auf Dokumente? Der Anwalt erklärte: „Es ist ein Beweis für die Existenz der Absicht der beteiligten Partei, was darauf hinweist, dass diese Partei das Dokument selbst erstellt hat. Da Stempel in Japan als äußerst vertrauenswürdig gelten, ist es in Japan üblich geworden, Hanko-Stempel auf offizielle Dokumente anzubringen.

Werden Hanko-Stempel in Japan nun abgeschafft?

Rechtsanwalt Sekiguchi weist zwar auf die Wahrscheinlichkeit hin, dass elektronische Signaturen in Zukunft weitverbreitet sein werden, prognostiziert aber: „Für Branchen, von denen man annimmt, dass sie bei der Bestätigung der Absicht der Partei vorsichtig sind, ist es unwahrscheinlich, dass die Stempelkultur verschwindet. Zum Beispiel wird der Brauch der Stempel höchstwahrscheinlich noch eine Weile in der Immobilien- und Finanzbranche bestehen bleiben, die viele Transaktionen, auch für große Geldsummen, durchführen.“

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