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HomeNachrichten aus JapanPolitikJapan stellt Original-Dokumente zur Rückgabe Okinawas öffentlich aus

50 Jahre nach dem Ende der US-Amerikanischen Besatzung

Japan stellt Original-Dokumente zur Rückgabe Okinawas öffentlich aus

Am 15. Mai 1972 gaben die USA die Kontrolle über Okinawa an Japan zurück. Die Pazifik-Insel weit im Süden des Landes stand seit Ende des Zweiten Weltkriegs unter Besatzung. Die Original-Dokumente zur Rückgabe werden nun für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

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Anlass dafür ist der 50. Jahrestag der Rückgabe Okinawas an Japan. Bis zum 25. Mai können Interessierte das Schriftstück in Tokyos Minato-Bezirk ansehen. Dort wird es in den diplomatischen Archiven des japanischen Außenministeriums ausgestellt. Eintritt verlangen die Archive von den Besuchern nicht.

Wichtiges Dokument in den Beziehungen USA-Japan

Auf dem Dokument das am 17. Juni 1971 unterzeichnet wurde, finden sich die Unterschriften des damaligen japanischen Außenministers Kiichi Aichi und des Staatssekretärs William P. Rogers als Vertreter der beteiligten Staaten. Zusätzlich ausgestellt wird außerdem die Ratifizierungsurkunde mit der Unterschrift des US-Präsidenten Richard Nixon. Beide Dokumente zusammen führten ein Jahr später zur offiziellen Übergabe der Kontrolle über Okinawa an Japan.

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Die Veröffentlichung der Dokumente hätte eigentlich schon längst stattfinden sollen. In der Regel werden diplomatische Unterlagen nach dreißig Jahren durch das Außenministerium veröffentlicht. Der Prozess verzögert sich jedoch oft um Jahre. Gründe dafür sind Personalmangel, aber auch die umfangreichen Recherchen zu der Entscheidung, welche unterstützenden Dokumente ebenfalls veröffentlicht werden sollen.

Auch zur Okinawa-Vereinbarung gibt es weitere relevanten Unterlagen, von denen erwartet wird, dass das Ministerium sie noch im Laufe des Jahres ebenfalls für die Öffentlichkeit freigibt. Abzuwarten bleibt, ob die Veröffentlichungen sich auf den andauernden Diskurs um die Situation Okinawas auswirken.

Streit um US-Militärpräsenz überschattet das Okinawa-Jubiläum

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Denn auch wenn die Rückgabe an Japan von den Menschen auf Okinawa grundlegend positiv gesehen wird, schwelen einige Konflikte seit Jahrzehnten und führen zu anhaltender Unzufriedenheit. In der wirtschaftlichen Entwicklung hängt Okinawa hinter vielen Teilen Japans hinterher, die Armutsquote ist in der Präfektur mit beinahe 30 Prozent doppelt so hoch wie im Landesdurchschnitt.

Außerdem entzündet sich seit jeher Streit an den US-amerikanischen Militärbasen auf der Insel. Die sind den meisten auf der Insel ein Dorn im Auge und sollen nach dem Willen der Präfektur-Regierung verschwinden, um aus Okinawa eine wahre “Insel des Friedens” zu machen. Denn so lautete das Versprechen der japanischen Regierung zum Zeitpunkt der Rückgabe.

Darauf, dass die Regierung ihr fünfzig Jahre altes Versprechen einlöst, warten die Menschen seither vergeblich. Vielmehr hat sich die Militärpräsenz der USA auf der Insel seit der Rückgabe noch vergrößert, seit Jahren wird um eine Verlegung einer der wichtigsten und größten Basen auf Okinawa gestritten.

Neue Visionen für die Zukunft Okinawas

Der Streit steht in engem Zusammenhang mit den nun ausgestellten Dokumenten. Denn an der Vereinbarung war die damalige Regierung Okinawas nicht beteiligt. Die hatte 1971 eigene Vorschläge für den Abzug allen Militärs von der Insel und eine Rückkehr in das Staatsgefüge Japans formuliert. Kurz bevor diese an die Zentralregierung übergeben werden konnten, schloss man dort in aller Schnelle das Rückgabe-Abkommen mit den USA ab. Das sorgte für ein bis heute andauerndes Misstrauen Okinawas gegenüber der japanischen Regierung.

Gouverneur Denny Tamaki
Er kämpft für eine bessere Zukunft Okinawas: Gouverneur Denny Tamaki bei der Präsentation seiner Vorschläge. Bild: AS

Doch der amtierende Gouverneur Okinawas, Denny Tamaki, glaubt weiterhin an eine gemeinsame Lösung. Er möchte der japanischen Regierung die Augen öffnen für die Belastungen, unter denen Okinawa leidet und deutlich machen, dass das von allen Seiten formulierte Ziel eines friedlichen und wohlhabenden Okinawas nur ohne Militärpräsenz möglich ist. Er kämpft damit den Kampf der Regierung von vor 50 Jahren weiter und erhält dafür viel Zuspruch aus der Bevölkerung.

Die Forderungen, die der damalige Geschäftsführer der Insel-Regierung, Chobyo Yara, nicht mehr rechtzeitig nach Tokyo bringen konnte, hat Tamaki zur Basis seiner eigenen Ausführungen gemacht. Wenige Tage vor dem Jubiläum der Rückgabe hat er die japanische Regierung und das Parlament besucht und Vorschläge für die Weiterentwicklung Okinawas überreicht.

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