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Kommentar: Japan und die Touristen – eine schwierige Beziehung

Viele Touristen in Japan verhalten sich oft daneben oder reisen völlig unvorbereitet in das Land. Sorgt bitte dafür, dass ihr es nicht auch so tut. Ein Kommentar von Azathoth.

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Hand aufs Herz – fast jeder, der Sumikai liest, wollte schon immer einmal nach Japan fliegen oder war sogar schon dort. Spätestens vor Ort merken die meisten jedoch sehr schnell, dass man in Japan viel falsch machen kann. Vor allem Touristen stellen sich oft bemerkenswert blöd an, weil sich viele nicht richtig informieren, bevor sie den langen Flug ans andere Ende der Welt antreten. Oder weil ihnen ihr Verhalten schlichtweg egal ist. Frei nach dem Motto: „Mich kennt ja eh keiner.“

Dieser Kommentar beruht auf persönlichen Erfahrungen und ist der Beginn einer Serie an Berichten, die euch mit dem Verhalten von einigen – natürlich längst nicht allen! – Ausländern in Japan konfrontieren sollen. Und euch dabei helfen soll, nicht selbst als einer der typischen „Durchschnittstouris“ zu enden, die auch bei vielen Japanern nicht unbedingt die beliebtesten Japan-Reisenden sind.

Guter VS schlechter Tourist

Klar, Japan ist das Ursprungsland von Manga und Anime. Es hat eine Kultur, die der unseren zwar ähnelt, aber trotzdem ganz anders ist – und viele Leute fühlen sich genau deswegen dorthin gezogen. Sie wollen sehen, woher ihre liebsten Serien und Spiele kommen, die Sprache und auch die Kultur kennen lernen und erfahren. Dies sind die “guten Touristen“. Sie sind offen für neues, informieren sich zuvor über Bräuche und Regeln im täglichen Miteinander und verhalten sich auch sonst „normal“. Auf gut deutsch gesagt: Sie gehen niemandem auf die Nerven und sind angenehme Gesprächspartner, die ehrliches Interesse am Land hegen. Die Sorte von Touristen eben, die auch von Japanern gerne gesehen wird.
Dann gibt es den gemeinen „Durchschnittstouristen“. Und wenn ihr euch jetzt in diesem Absatz angesprochen fühlen solltet, würde ich mir an eurer Stelle schwer überlegen, ob ich wirklich nach Japan fahren sollte. Wer ist also so ein Durchschnittstouri? Kurz zusammengefasst: Ein Japan-Reisender, der sich nicht für Japan an sich, sondern nur für einen sehr geringen Teil des Landes interessiert. Und dieser Teil beschränkt sich meistens auf Tokyo, oder noch enger, auf Akihabara.

Akihabara
Akihabara ist natürlich für viele Anime- und Manga-Fans ein Must-See, aber trotzdem sollte man seinen Japan-Urlaub nicht nur antreten, um dort allein seine Zeit zu verbringen; © TheTokyo Times

An sich ist daran ja nichts verwerfliches – jeder hat seine Vorlieben, jeder mag etwas bestimmtes – aber wenn man in ein fremdes Land fliegt, das von unseren so weit entfernt liegt, sollte man zumindest ein bisschen über den Tellerrand hinausblicken. Japans Kultur ist zu spannend, um sie auf Otaku-Culture zu reduzieren. Und auch auf Tokyo – die Stadt mag zwar weltweit demonstrativ für Japan stehen, ist aber an sich nur ein kleiner Teil dieses Landes. Als Hauptstadt ist sie zwar das Zentrum des Landes, doch wer einmal das Umland oder auch andere, kleinere Städte in Japan besucht hat, weiß, dass Tokyo eben nicht viel mit dem Japan zu tun hat, das man überall sonst spüren kann.

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Die letzte Gruppe, denen man in Städten wie Tokyo sehr häufig begegnet, sind die Backpacker. Diese zieht es meistens in fremde Länder, um Menschen und auch Kultur kennenzulernen. Viele von ihnen leben diese Ideale auch – doch es gibt auch andere, die dann eine Woche in Tokyo feiern, die Nächte nur in Discotheken verbringen und tagsüber in ihrem Hostel liegen und schlafen.

Geschäftsleute lasse ich mal außen vor – die sind normal sowieso nur zum Arbeiten in Japan.

Japaner und Touristen

Doch genug vom Allgemeinen. Lasst uns mal direkt nach Japan blicken. Vor allem in Tokyo haben viele Japaner genug von den kreischenden Touris, die zum ersten Mal in Akihabara stehen und um die Wette quieken – dies zeigt sich (neben vielen Gesprächen mit japanischen Freunden aus der Region) vor allem am Verhalten der Bewohner der Megastadt an sich.
Natürlich gibt es in Tokyo viele Leute, die einem gerne helfen – doch sehr viele sind mittlerweile so weit, dass sie Touristen gezielt aus dem Weg gehen, diese zu ignorieren versuchen oder einfach so tun, als ob sie nicht merken würden, dass jemand sie angesprochen hat. Viele haben schon die Erfahrung gemacht, dass Japaner, wenn man sie auf Japanisch anspricht, mit einem „No English!“ das Gespräch sofort abwiegeln wollen – und im Nachhinein richtig erstaunt sind, wenn sie endlich kapieren, dass man sie auf japanisch angesprochen hat.
Bei einigen mag dies natürlich einfach nur die Angst vor dem Englischen sein; viele Japaner beherrschen die Sprache nun einmal nicht so gut und haben deshalb Angst, diese zu benutzen. Andererseits habe ich jetzt auch schon von einigen Japanern vor allem aus Tokyo gehört, dass sie bewusst Gesprächen mit Ausländern aus dem Weg gehen – gerade, weil sich viele Touristen in Japan wie die allerletzten Deppen verhalten und viele einfach keine Lust mehr darauf haben.

Warum kann man sich nicht einfach mal ein wenig zurückhalten?

Kommen wir nun also zu ein paar „Fallbeispielen“, die das Ganze ein wenig illustrieren sollen.
Als erstes wären da wohl die Fahrten in der Bahn oder im Bus, an denen man innerhalb einer Japan-Reise nicht vorbeikommen wird. Schaut man sich in einem japanischen Zug um, sieht man eigentlich jeden still dasitzen oder stehen – es wird nur wenig, und wenn dann ganz leise gesprochen. Viele spielen auf ihren Smartphones Spiele oder lesen Bücher. Und dann sieht man diese eine Gruppe – oftmals Amerikaner – die neben einer Tür stehen, sich laut unterhalten, lachen, Fotos knipsen, und dabei gar nicht merken, wie viele Leute genervt zu Boden schauen und krampfhaft versuchen, ihren Ärger über dieses unhöfliche Verhalten nicht zu zeigen.

Nächstes Beispiel – Tokyo, in einem kleinen Hostel. Oder besser: Vor dem Hostel. Dort hat sich eine Gruppe junger Backpacker versammelt, allesamt Bierflaschen in den Händen, laut grölend und am Vorglühen für die nächste Party in Roppongi, dem Party-Viertel Japans. Auch hier wechseln die meisten Japaner schon früh die Straßenseite – wer will schon von möglicherweise Betrunkenen auf dem Heimweg von der Arbeit oder nach dem Einkaufen blöd von der Seite angemacht werden? Ihr etwa? Übrigens ist es in Japan verpönt, auf offener Straße Alkohol zu trinken. Das kommt noch dazu.

Drittes Beispiel: Shopping in Akihabara. Und hier haben wir sie also, die „Durchschnittstouris“. Die U-Bahnstation wird verlassen, ein Grüppchen aus Nicht-Japanern stürmt zum Ausgang heraus und das Kreischen beginnt. AKIHABARA! DAS IST JAPAN! WOOHOO!
Ich selbst bin von Akihabara und seinen vielen Game Centern und Geschäften auch begeistert – aber dass man jeden, aber auch wirklich jeden, krampfhaft an seiner Begeisterung teilhaben lässt, muss wirklich nicht sein. Denn auch, wenn es in Japan Leute gibt, die genau so ticken, werden diese dort nicht unbedingt als positiv wahrgenommen. Außerdem ist es ebenfalls verpönt, auf den Straßen laut zu sein und herumzubrüllen.

Viele Japaner in Tokyo sind von Touristen genervt – doch wie sieht es auf dem Land aus?

Abseits der Metropole gibt es vor allem kulturell sehr viel zu entdecken und zu erleben. Neben kleineren Tempeln, vielen lokalen Sehenswürdigkeiten und auch toller Natur sind es aber am meisten die Kontakte zu den normalen Menschen, die einem dort viel einfacher ermöglicht werden. Im Gegensatz zu Tokyo sind die Menschen auf dem Land nämlich zumeist viel kontaktfreudiger. Manchmal einfach nur aus Neugier vor dem Fremden, der dort plötzlich in der hinterletzten Pampa aus dem Zug steigt. Oftmals aber auch, weil sie die vielen Touristen der Großstädte nicht gewöhnt sind und sich deshalb selbst ein Bild von Ihnen machen wollen. Und jetzt seien wir mal ganz ehrlich – was wäre euch lieber: Reisende, die sich für euer Land, die Menschen, die Kultur und auch die Popkultur des Landes interessieren? Oder Reisende, die nur zum Party machen oder für einen kleinen Teil eures Landes dorthin kommen?

 

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