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Glück oder einfach nur Versäumnisse?

Japan und sein Glück inmitten der Coronavirus-Pandemie

Japan hat erstaunlich wenig Coronavirus-Infektionen gemeldet, es scheint als hätte das Land inmitten der Pandemie großes Glück gehabt, oder etwa doch nicht?

Menschen sollen zu Hause bleiben und nur herausgehen, wenn es wirklich wichtig ist, lautet die Parole in dieser Zeit. Daher wurden auch viele Veranstaltungen abgesagt, doch in Japan blühen die Kirschblüten, ein Ereignis, dass sich viele Menschen nicht entgehen lassen wollen.

Keine Notwendigkeit für soziale Distanzierung gesehen

Bis vor Kurzem hatten die japanischen Behörden keine Notwendigkeit darin gesehen in Tokyo, wo fast 14 Millionen Menschen leben, auf die soziale Distanzierung zu bestehen.

Erst am Mittwoch forderte die Gouverneurin der Metropole die Menschen dazu auf, am Wochenende zu Hause zu bleiben und verwies darauf, dass sich Tokyo in einer wichtigen Phase zur Verhinderung eines explosionsartigen Anstiegs der Coronavirus-Infektionen befindet.

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Eine wichtige Botschaft, rechnen Experten und auch die japanische Regierung damit, dass sich das Coronavirus in Japan viel stärker ausbreiten wird. Leider halten sich nicht sehr viele Menschen daran.

Einige Botschaften haben dafür sehr deutlich einfacher durchgesetzt: Hände wachen, Masken tragen und den Kontakt vermeiden mit älteren Menschen und Menschen, die zur Risikogruppe gehören.

Mittlerweile hat der japanische Landtag Premierminister Shinzo Abe die Befugnis erteilt, den Ausnahmezustand über Japan zu verhängen, wenn sich die Situation verschlechtert. Eine Maßnahme, die bereits vorbereitet wird, ob sie kommt, ist aktuell aber schwer einzuschätzen.

Verglichen mit den Maßnahmen in China und Europa, wo die Bewegungsfreiheit eingeschränkt wurde, um ein Leben inmitten der Pandemie zu führen, scheinen die Menschen in Japan eher leichtfertig mit dem Coronavirus umzugehen.

Japans Regierung hat die Gefahr heruntergespielt

Das liegt allerdings weniger an Unwissenheit oder Naivität, sondern daran, dass die japanische Regierung lange Zeit die Gefahr heruntergespielt hat.

Im Gegensatz zu einigen Ländern auf der Welt, hat Japan die Schließung nicht notwendiger Geschäfte wie Restaurants, Cafés oder Friseursalons noch nicht angeordnet. Nicht wesentliche Aktivitäten und Reisen wurden ebenfalls nicht eingeschränkt.

Die Gouverneure von Osaka und Hyogo haben die Menschen gebeten, nicht zwischen den Präfekturen zu reisen und Hokkaido, eines der am stärksten vom Virus betroffenen Gebiete, hat einen vorübergehenden Ausnahmezustand verhängt, der nun aufgehoben wird.

Bemerkenswerterweise ist in Japan die Zahl der Coronavirus-Fälle im Vergleich zu anderen Ländern wie Italien, Spanien und den Vereinigten Staaten, deren Fälle exponentiell gewachsen sind, langsam gestiegen.

Bis Sonntag hatte Japan 2.603 Infektionen, inklusive 700 vom Kreuzfahrtschiff Diamond Princess, und 66 Todesfälle, während Italien beispielsweise mehr als 90.000 Menschen infiziert sind und über 10.000 Menschen bereits an den Folgen der Coronavirus-Infektion gestorben sind.

Doch hatte Japan bisher Glück oder wieso sind die Zahlen so niedrig?

Viele schieben die niedrige Infektionsrate auf die Tatsache, dass es zur Etikette gehört, dass die Menschen Atemmasken tragen. Weltweit sind sich Experten allerdings sicher, dass nicht genügend Tests durchgeführt wurden, um ein vollständiges Bild der Pandemie in Japan zu malen. Die Dunkelziffer dürfte also um einiges höher sein.

Trotz der Bitte soziale Distanzierung zu üben, haben bisher viele Menschen Hanami gefeiert. Sie haben sich in Parks getroffen und gemeinsam getrunken und gegessen.

Tokyo zahlt im Moment die Quittung für diese Leichtfertigkeit, denn die Infektionen steigen Tag für Tag an.

Sollte sich das Coronavirus in Japan weiter ausbreiten oder, wie von Experten befürchtet, explosionsartig verbreiten, ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis sich die Einschränkungen, die wir in Deutschland mittlerweile gewohnt sind, auch in Japan durchsetzen.

Stay at Home wird dann auch in Japan die Parole der Stunde sein, um das Coronavirus zu bekämpfen.

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