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Initiative des Ministeriums verlief im Sand

Japan versagt bei der Verhinderung von Datenfälschungen bei Bauverträgen

Das Infrastrukturministerium hat es sich in der letzten Zeit leicht gemacht und statt offiziellen Mitteilungen nur noch Mails mit Sicherheitsanweisungen zur Verhinderung von Datenverfälschungen an die Präfekturregierungen geschickt. Ein fehlerhaftes System, das nun für immer mehr Probleme sorgt.

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In diesen Mails wurden die lokalen Ämter dazu angewiesen, ihre Arbeitsmethoden zu ändern und die Fälschung von Daten über Bauverträge, die für Wirtschaftsstatistiken verwendet werden, umgehend einzustellen. Allerdings gab man inzwischen aufseiten der Ämter zu, dass solche Mails häufiger auch mal übersehen oder auch gelöscht würden. Ein äußerst lückenhaftes Kommunikationssystem also.

Die Folge: Doppelzählungen und ungenaue Statistiken

Eigentlich ging es dem Ministerium um die Verhinderung weiterer Doppelzählungen von Bauverträgen, da diese die offiziellen Statistiken verfälschen.

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Da die Mails mit den entsprechenden Anweisungen von den lokalen Ämtern aber nun oft übersehen und somit nicht registriert wurden, kam es über die letzten Monate einfach zu immer neuen Doppelzählungen.

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Die Mails enthielten klare Anweisungen für die Erstellung der monatlichen Bauvertragszahlen. Diese werden als „Grundlagenstatistik“ definiert und dienen zur Berechnung weiterer wichtiger Daten, wie zum Beispiel des Bruttoinlandsprodukts.

Die für die Bauauftragszahlen zuständigen Fachkräfte in den Ämtern sollten den Anweisungen zufolge niemals eine Null für ein Unternehmen melden, das seinen Bericht möglicherweise zu spät eingereicht hat.

Da die Ämter vor Ort nun aber nur mangelhaft informiert waren, verwendeten sie anstelle der Nullen häufig einfach weiter den Durchschnitt der Unternehmen, die Berichte eingereicht haben.

Als das betreffende Unternehmen später eine Meldung mit den fehlenden Zahlen vorlegte, wurde die bisherige Statistik nicht angepasst, was wieder zu einer Doppelzählung der tatsächlichen Bauauftragszahlen führte.

Bereits 2019 wusste das Ministerium um die Datenfälschungen

Ein Prüfungsausschuss hatte schon im Jahre 2019 das Ministerium auf die Missstände bei der Datenverarbeitung hingewiesen. Die bisher angewandten Methoden zur Statistikerstellung waren enorm fehleranfällig und das Ministerium beschloss, die Präfekturregierungen darüber entsprechend zu informieren.

Die Informationsmail, die daraufhin am 8. Januar an die zuständigen Stellen verschickt worden war, war alles andere als umfangreich gewesen. Sie hatte gerade mal etwa zehn Zeilen umfasst.

Diese Kurzmail ging vielerorts einfach unter oder wurde bald darauf schon wieder gelöscht. Viele der Verantwortlichen gaben an, sich gar nicht mehr an den Inhalt der Mail erinnern zu können. Die Initiative des Ministeriums verlief im Sand.

Hätte ein handfestes Dokument hier eher den Zweck erfüllt?

Andere Stellen verwiesen darauf, dass eine offizielle Mitteilung in Form eines formellen Dokuments sicherlich mehr aufgefallen und daraufhin entsprechend auch bearbeitet worden wäre.

„Es wäre ein großes Problem, wenn das Infrastrukturministerium eine wichtige Angelegenheit nur per E-Mail behandeln würde und ohne zu bestätigen, ob alle Präfekturregierungen die Anweisungen befolgen“, sagte ein lokaler Beamter in einer Präfektur im Osten Japans. „Dies könnte zu einem Vertrauensverlust bei den Unternehmen führen, die die monatlichen Berichte vorlegen.“

Das Ministerium will retten, was noch zu retten ist

In einer im Dezember einberufenen Parlamentssitzung bezog man aufseiten des Infrastrukturministeriums Stellung und sagte, dass Beamte die Berichte zwischen Januar 2020 und März 2021 nach der Verschickung der Anweisungen per E-Mail an die Regierungsbeamten der Präfektur weiter umschreiben würden.

Sie fügten des Weiteren hinzu, dass bereits eine ordnungsgemäße Zusammenstellung von Bauverträgen durchgeführt worden sei und diese Zahlen auch zur Überarbeitungen vergangener Statistiken verwendet worden wären.

Daraufhin trat auch die Regierung auf den Plan. Dort äußerte man sich, dass dies alles keine Auswirkungen auf den Nachtragshaushalt nach sich ziehen würde, über den man sich bei der außerordentlichen Landtagssitzung weiter beraten würde.

Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Maßnahmen zur Überarbeitung der Statistiken nur sehr bedingt von Erfolg gekrönt sein werden.

Immerhin haben bisher längst nicht alle Präfekturregierungen den Anweisungen des Ministeriums Folge geleistet.

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