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In Japan ist ein Mundschutz mittlerweile Mangelware und in Läden rationiert

Japaner werden aufgrund mangelnder Atemmasken kreativ beim Schutz vor Covid-19

In Japan breitet sich der Covid-19 immer weiter aus und die Sorge vor einer Ansteckung wächst bei den Menschen. Aus diesem Grund sind Atemmasken schon seit Wochen Mangelware und Desinfektionsmittel ist ebenfalls so gefragt wie noch nie. Die Nachfrage ist dabei so groß, dass es bereits zu einem Diebstahl von Atemmasken in einem Krankenhaus in Kobe kam. 6.000 Stück sind einfach aus dem Lager der Einrichtung verschwunden.

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Große Mengen hingegen auf legalem Weg zu bekommen, scheint aktuell unmöglich. Händler rationieren die wenige Ware und erlauben nur ein bis zwei Packungen pro Kunde. Nur online sind noch viele Masken zu finden, dafür jedoch zu enormen Preisen. Da die Engpässe wohl weiter anhalten werden, versucht sich die Bevölkerung deswegen mit kreativen Alternativen zu helfen.

Nähanleitung für Mundschutz wird zum Hit

Auf sozialen Medien tauchen vermehrt Anleitungen für selbstgemachte Masken auf. Das verwendete Material ist dabei unterschiedlich und reicht von Taschentüchern und Schals bis hin zu sogar Kaffeefiltern. Mithilfe von Gummibändern und einigen Handgriffen verwandeln sie sich in kurzer Zeit zu Atemmasken.

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Das Handwerksmagazin Cotton Time von Shufu To Seikatsu Sha Co. veröffentlichte kürzlich eine Schritt-für-Schritt-Nähanleitung für einen Mundschutz. Mithilfe eines kostenlosen Schnittmusters, was sich online herunterladen lässt, sollen Menschen sich schützen können. Tatsächlich schoss die Aufrufzahl der Seite enorm in die Höhe.

Chefredakteurin Yumi Ishida erklärt dazu, dass das Magazin eigentlich alle zwei Monate erscheint. Sie wollten jedoch nicht so lange mit der Anleitung warten und beschlossen, sie sofort auf der Webseite zu veröffentlichen. In solchen Zeiten sei es einfach richtig zu helfen, so Ishida.

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Sie bestätigt dabei, dass sie einen zehnmal höheren Traffic auf der Seite haben als üblich. Der Unterschied von ihrer Anleitung zu den anderen in den sozialen Medien ist, dass es sich um ein 3D-Muster handelt. Es braucht keine Nähmaschine und selbst blutige Anfänger sind in der Lage es zu verstehen.

Experten warnen vor wiederverwendbaren Masken

Die Webseite der Präfektur Oita informiert ebenfalls über selbstgebastelte Masken sowie allgemein über den Virus und das sogar auf Englisch, Koranisch und Chinesisch. Doch nicht nur Anleitungen für einen Mundschutz nehmen zu, ebenfalls werden immer mehr selbstgemachte Exemplare über soziale Medien verkauft. Gleichzeitig suchen Menschen vermehrt nach hilfreichen Informationen.

Die Bloggerin Yuki Inomata berichtet von ihren Erfahrungen mit dem SARS-Ausbruch zwischen 2002 und 2003. Sie erwartete, dass wegen des Covid-19 mehr Menschen auf ihren Blog zugreifen, um sich zu informieren. Die Aufrufzahlen stiegen tatsächlich von 500 pro Tag auf 4.000 pro Tag.

Inomata sah es dabei als ihre Pflicht an, mit ihren Fähigkeiten zu helfen. Sie selbst weiß nicht, ob ein Mundschutz hilfreich ist, zumindest würde er jedoch vor dem Verteilen von Speichel beim Husten und Niesen schützen. Es sei dazu dank sozialen Medien viel einfacher, seine eigenen Masken zu nähen.

Experten warnen in der Zwischenzeit vor dem skurrilen Trend und der Panik. Die Mehrheit der herkömmlichen Masken ist an sich schon nicht besonders effizient. Dementsprechend bieten die selbstgemachten noch weniger Schutz. Vor wiederverwendbaren Masken wird sogar gewarnt, da sie gesundheitsschädlich sein können. Viel effektiver gegen den Virus ist hingegen gründliches Händewaschen und Desinfektionsmittel auf Alkoholbasis.

Japan und der Mundschutz

Ganz nutzlos sind die Masken jedoch nicht. Besonders ältere Menschen, die durch den Virus stark gefährdet sind, sollten sich lieber ausreichend schützen. Dazu gibt der Mundschutz vielen Menschen ein Gefühl von Sicherheit. Die Katastrophenabteilung der Polizei Tokyo selbst twitterte auf Twitter eine Anleitung zum richtigen Tragen und Entsorgen von Masken.

Die Japan Hygiene Products Industry Association gibt an, dass 2018 mehr als 5,5 Milliarden Einwegmasken produziert wurden. Davon wurden 4,3 Milliarden alleine von Privatpersonen verwendet. Immer mehr benutzen jedoch ebenfalls Masken als Modeaccessoire und die Gesundheit sowie Hygiene werden ausgeblendet. Wer sich demnach mit einem Mundschutz schützen will, sollte sich genau informieren, welches Produkt wirklich hilfreich ist und vor allem nicht komplett der Maske die eigene Gesundheit anvertrauen.

Kyodo

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