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HomeNachrichten aus JapanJapanische Paukschule entfernt aus Textbuch Details zum Nanking-Massaker

Textstelle zu Takeshima Inseln wurde auch entfernt

Japanische Paukschule entfernt aus Textbuch Details zum Nanking-Massaker

Japan ist in Bezug auf seine Kriegsverbrechen während des Pazifikkriegs sehr empfindlich und redet nicht gerne darüber. Eine Paukschule sorgt nun für Diskussionen, weil sie aus einem ihrer Textbücher Details zum Nanking Massaker entfernt hat.

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Die Sundai Yobigakko ist eine private Einrichtung und bereitet Schüler auf die Hochschulzugangsprüfung vor. Da es keine staatliche Einrichtung ist, benutzt die Schule eigene Lehrbücher und suchte dafür auch die Inhalte aus. Doch nicht immer ist man mit dem Lehrstoff einverstanden.

Zwei Textstellen sorgen auf Twitter für Ärger

Wie bekannt wurde, wurden zwei kontroverse Textstellen Ende August aus zwei Textbüchern zur modernen japanischen Geschichte von der Paukschule entfernt, weil es in den sozialen Medien zu heftiger Kritik kam und sich sogar ein Abgeordneter der LDP zu Wort gemeldet hatte.

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Es wurde dabei der Verweis gestrichen, dass 1937 während des Massakers von Nanking um die 100.000 Chinesen durch die japanische Armee ermordet wurden. Überwiegend handelte es sich um Zivilisten, kapitulierte Soldaten und Kriegsgefangene.

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Die Todeszahlen werden in Japan noch heute heftig diskutiert. Einige behaupten, dass es nur 20.000 Tote gab. Andere gehen hingegen von 200.000 Opfern oder mehr aus.

Die zweite entfernte Stelle bezog sich auf die Takeshima Inseln, die von Japan während des russisch-japanischen Krieges eingegliedert wurden und ursprünglich Dokdo-Inseln hießen. Dokdo ist der koreanische Name und zurzeit befindet sich das Gebiet auch unter der Kontrolle von Südkorea. Japan beansprucht allerdings die Insel für sich.

Am 29. August wurde die Textstelle zu den Inseln auf Twitter veröffentlicht. Das führt anschließend zu heftiger Kritik gegen den Betreiber Surugadai Gakuen. Es folgte ein weiterer Tweet zu den Massaker-Zahlen. Zwei Tage später meldete sich zusätzlich der LDP-Oberhausabgeordnete Hiroshi Yamada bei dem Betreiber der Paukschule und wollte wissen, ob die Bilder echt sind.

Paukschule gibt dem Druck nach

Als Reaktion entschied Surugadai Gakuen die beiden Textstellen aus den Büchern zu streichen und forderte alle seine Zweigstellen auf, es ebenfalls zu tun. Es wurde dabei betont, dass sie damit keiner Forderung von Yamada nachkommen, sondern nur auf die heftige Kritik reagieren.

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Yamadas Büro selbst sagte, dass die Insel-Stelle problematisch war, weil sie gegen die Haltung der Regierung sprach. Beim Nanking-Massaker hatte man hingegen das Problem, dass die anderen geschätzten Zahlen nicht erwähnt wurden.

Experten sind wegen des Vorfalls besorgt. Die Streichungen werfen Bedenken hinsichtlich zukünftiger Bedrohungen der Meinungsfreiheit auf. Teruyuki Hirota, Professor für Bildungssoziologie an der Nihon University, sieht nur ein weiteres Beispiel dafür, dass sich ein Unternehmen dem Druck von außen beugen muss.

Laut ihm sollte es kein Problem sein, dass die Paukschule über Themen unterrichtet, die nicht im Lehrplan oder geprüften Schulbüchern stehen, da sie sich außerhalb des öffentlichen Bildungswesens bewegen. Dass diese Freiheit durch die breite Masse eingeschränkt wird, sei gefährlich.

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