Anzeige
HomeNachrichten aus JapanJapanische Roboter könnten Altenpflege unterstützen

Japanische Roboter könnten Altenpflege unterstützen

Immer mehr Roboter könnten in Zukunft in der Altenpflege im Altenheim Verwendung finden, um den Arbeitskräftemangel auszugleichen.

Anzeige

In Tokyos Shin-tomi-Pflegeheim wurden bereits 20 verschiedene Modelle eingeführt, die für die Bewohner sorgen. Unter anderem trifft man dort auf Paro, die pelzige Robbe, auf den menschlich wirkenden Pepper und auf einen Baum, der Menschen mit Behinderung durch das Pflegeheim führt und ihnen mit einer sanften weiblichen Stimme sagt, wie sie sich fortbewegen müssen.

Da in Shin-tomi viele verschiedene Roboter mit den älteren Menschen arbeiten, hofft die japanische Regierung, dass dies ein Modell ist, das das Robotik-Know-how des Landes erweitern wird. Immerhin altert die japanische Bevölkerung weiterhin und der Arbeitskräftemangel kann kaum aufgehalten werden. Doch auch wenn es im Westen eher kritisch betrachtet werden könnte, dass Maschinen die Arbeit von Menschen übernehmen, finden viele Japaner diese Entwicklung positiv, vor allem da die Roboter in den populären Medien als freundlich und hilfsbereit dargestellt werden.

Pepper beispielsweise, der von SoftBank Robotics Corp. entwickelt wird, kann gescriptete Dialoge fortsetzen, was den allein lebenden Menschen helfen kann, da sie so wieder einen Gesprächspartner haben. So wird ihnen auch etwas Lebensfreude wiedergegeben. Allerdings gibt es noch einige Hindernisse, die eine schnelle Verbreitung der Pflegeroboter behindern könnten. Immerhin kostet die Anschaffung der Maschinen viel Geld. Auch Sicherheitsprobleme und Zweifel, wie nützlich und benutzerfreundlich die Roboter wirklich sein werden, stehen bei vielen Menschen an erster Stelle.

Anzeige

Dennoch finanziert die Regierung die Entwicklung der Pflegeroboter, um einen prognostizierten Mangel von 380.000 Fachkräften bis 2025 auszugleichen. Auch wenn die japanische Regierung ausländische Arbeiter aufnimmt, bestehen weiterhin Hindernisse für die Beschäftigung in diesem Sektor, wie beispielsweise die Prüfungen auf Japanisch. Aus diesem Grund gab es Ende 2017 nur noch 18 Ausländer, die ein Pflegevisum hatten, ein Visum, das erst 2016 erschaffen wurde. Doch sowohl die Behörden als auch die Unternehmen selbst hoffen, dass sie die Roboter auch lukrativ in andere Länder wie Deutschland, China und Italien exportieren können. Denn es gibt einige Länder, die zukünftig mit einer alternden Bevölkerung zu kämpfen haben.

Bereits letztes Jahr wurde Shin-tomi von mehr als 100 ausländischen Gruppen besucht, die mehr über den Einsatz der Pflegeroboter wissen wollten. Doch andere Produkte, wie das Roboterbett von Panasonic Corp., sind bereits im Export angekommen. Das Bett kann sich in einen Rollstuhl verwandeln und wird nach Taiwan geliefert. Und auch Paro, die Robbe, wird als „Therapietier“ in rund 400 dänischen Seniorenheimen eingesetzt.

Laut Angaben der International Federation of Robotics war der weltweite Markt für Pflege- und Behindertenroboter im Jahr 2016 bei 2 Milliarden Yen (etwa 15.258.000 Euro). Doch es wird geschätzt, dass bis 2035 allein die heimische Industrie auf 400 Milliarden Yen (etwa 3,05 Milliarden Euro) ansteigen wird. Dann wird erwartet, dass rund ein Drittel der japanischen Bevölkerung 65 Jahre oder älter sein wird. Um die Industrie zu fördern, verfolgt die Regierung einen zweigleisigen Ansatz. Das Ministerium für Wirtschaft, Handel und Industrie (METI) fördert die Entwicklung und stellt seit 2015 4,7 Milliarden Yen (etwa 35.856.300 Euro) an Subventionen zur Verfügung.

Das Arbeitsministerium führt wiederum die Verbreitung von Robotern an und gab 5,2 Milliarden Yen aus, um die Roboter im vergangenen März in 5.000 Einrichtungen landesweit einzuführen. Allerdings gibt es keine Regierungsdaten darüber, wie viele Pflegeeinrichtungen wirklich Roboter einsetzen. Doch um misstrauischen Menschen die Angst zu nehmen, betonte ein Regierungsmitarbeiter, dass Roboter die Menschen nur betreuen und nicht ersetzen werden.

Die Roboter können mit Energie, Mobilität und Überwachung helfen, auch wenn sie die Menschen nicht ersetzen können. Dafür sparen sie Zeit und Arbeit, sodass die Arbeiter mehr Zeit haben, um andere Aufgaben zu erledigen. Außerdem sehen viele der Maschinen nicht wie populäre Roboter aus, die nach einer Definition der Regierung die drei Komponenten Sensoren, Prozessor und einen Motor oder Apparat besitzen. Beispielsweise hat Cyberdyn Inc. das HAL (Hybrid Assistive Limb – Lumbal Typ) entwickelt, das eine angetriebene Rückenstütze ist, die dem Pflegepersonal hilft, Menschen anzuheben. Auch wenn einige Arbeiter mitteilten, dass Pepper, der menschliche Roboter, schwierig einzurichten sei, sagte ein Manager bei SoftBank Robotics, dass Pepper bald sogar auf Sprachbefehle reagieren und sich selbstständig bewegen soll.

Und auch andere Roboter wie Paro reagieren auf die Bewohner der Seniorenheime. Paro reagiert beispielsweise auf Berührung, Sprache und Licht, indem er seinen Kopf bewegt, mit den Augen blinzelt und Aufnahmen von kanadischen Robbenschreien abspielt. Doch die Robbe benötigte 10 Jahre, um entwickelt zu werden und erhielt etwa 20 Millionen Dollar an staatlicher Unterstützung, wie sein Erfinder, Takanori Shibata, leitender Forschungswissenschaftler am National Institute of Advanced Industrial Science and Technology, mitteilte. Weltweit sind rund 5.000 Paro-Roboter im Einsatz, allein 3.000 in Japan. Doch Paro ist nicht günstig.

Die Robbe kostet in Japan 400.000 Yen (etwa 3.051 Euro), das Bett von Panasonic kostet sogar 900.000 Yen und Cyberdynes HAL-Lumbal-Exoskelett kostet 100.000 Yen Miete pro Monat. So benötigten die meisten Einrichtungen staatliche Subventionen, um die Kosten zu decken. Auch Einzelpersonen können die Pflegeversicherung nutzen, um zugelassene Produkte abzudecken, doch die Versicherungen zahlen nur wenig. Bisher wurden durch die Roboter weder die Personalkosten, noch die Arbeitszeit in Shin-tomi reduziert. Dafür haben sie laut dem CEO der Silverwing Social Welfare Corp., die Shin-tomi leitet, zumindest die Moral der Mitarbeiter und Bewohner gestärkt, sodass sich die Mitarbeiter beruhigten und sich die Bewohner unterstützt fühlen.

Anzeige
Anzeige
Anzeige

Neuste Artikel