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Japanische Verfassung verbietet Frauen nicht, den Chrysanthementhron zu besteigen

Frauen sollten auch in der kaiserlichen Familie die gleichen Rechte haben

Seit Mai hat Japan einen neuen Kaiser. Zum ersten Mal seit 200 Jahren kam er allerdings durch die Abdankung auf den Thron und nicht durch den Tod seines Vorgängers. Japan brach damit erneut mit einer der Traditionen des Kaiserhauses. Doch an einer halten sie nach wie vor steif fest. Den Thron darf weiterhin nur ein Mann besteigen, obwohl viele nichts gegen eine Frau als Oberhaupt hätten. Zusätzlich ist es nach der Verfassung nicht einmal verboten.

Eher ist laut dem Experten Koichi Yokota genau das Gegenteil der Fall. Es ist vielmehr verfassungswidrig, keiner Frau die Nachfolge auf den Thron zu ermöglichen. Im japanischen Grundgesetz steht nämlich in Artikel 14, dass Männer und Frauen ein Recht auf Gleichberechtigung haben, das schließt die japanische Kaiserfamilie mit ein.

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Die kaiserliche Haushaltsbehörde sieht das jedoch anders. Nach ihren Vorschriften darf nur der Sohn des amtierenden Kaisers auf den Thron. Die Ehefrau oder die Tochter haben dazu kein Recht. Nach den hauseigenen kaiserlichen Gesetzen darf seit 1947 nur ein Mann den Thron besteigen und weibliche Nachkommen sind ausgeschlossen. Eine wirklich offizielle staatliche Reglung gibt es dazu jedoch nicht und in den Anfängen Japans gab es sogar Frauen, die als Kaiserin über das Land herrschten.

Die Argumentation hinter der Reglung ist von der Haushaltsbehörde ziemlich plump. Der Kaiser sei einfach aufgrund seiner einzigartigen Position ein besonderes Symbol des Staates mit einem Sonderstatus. Einige Punkte der Verfassung treffen deswegen nicht auf ihn zu.

Das ist soweit korrekt, jedoch gelten die Ausnahmen nur für ganz bestimmte Fälle, die minimal zu halten sind. Die Grundsätze sollen hingegen für den Kaiser und alle Mitglieder der kaiserlichen Familie gelten, Gleichberechtigung eingeschlossen.

Es gab bereits Frauen auf dem Thron

Neben der Verweigerung von Gleichberechtigung kommt noch der unterschwellige Sexismus dazu, dass Frauen nicht für die Politik gemacht sind oder von ihren Männern beeinflusst werden. Einige begründen die Entscheidung hingegen mit der langen Tradition der Familie, die immer ein männliches Oberhaupt besaß.

Dass der Verlauf der 126 Generationen dabei nicht ganz sauber und mit Mythen bestickt ist, vergessen viele. Der 33. Tenno war nämlich eine Frau mit dem Namen Suiko, die von 554 bis 628 regierte. Tenno Koken war sogar gleich zweimal als Frau an der Macht. Von einer durchgehenden Tradition lässt sich also nicht sprechen.

Die neue japanische Verfassung von 1947 war ein Bruch mit der Vergangenheit und sollte Japan sowie dem Kaiser einen Neuanfang bescheren. Ein neues System, neue Tradition und Brüche mit der Vergangenheit gab es tatsächlich im Laufe der Zeit. Das gegenwärtige imperiale System der letzten 126 Generationen gibt es schon lange nicht mehr. Koichi Yokota ist sich deswegen sicher, dass es kein starkes Argument gibt, Frauen den Thron zu verweigern.

Weibliche Thronfolge wirft neue Probleme und Fragen auf

Der einzige wichtige Punkt ist, dass nur Erben auf den Thron dürfen. Was für ein Geschlecht sie haben, ist dabei nicht festgelegt und genauso wenig relevant. Lediglich das kaiserliche Haushaltsgesetz steht im Weg, das allerdings in der Vergangenheit viele Veränderungen erfuhr und überarbeitet werden kann.

Sollten Frauen jedoch auf den Thron dürfen, gibt es damit ein weiteres Problem, das es schon zu lange gibt. Frauen, die einen Bürgerlichen heiraten, fallen aus der Familie und verlieren alle ihre Titel. Etwas, das viele in der Vergangenheit mehrmals kritisierten, da es für die Männer der Familie nicht gilt. Ebenfalls müssten sie die Erbfolge anpassen. Soll der auf den Thron folgen, der ein Junge ist oder geht es nach dem erstgeborenen Kind? Viele Fragen müssen noch beantwortet werden, bevor eine Frau auf den Thron kann. Zeit für die Änderung ist es jedoch allemal.

Ein Bruch mit einer veralteten Tradition

Yokota sagt deswegen, dass das Thema komplex ist und viel Nachdenken erfordert. Möglichkeiten und Probleme müssen vorab diskutiert werden, um ein gerechtes Nachfolgesystem zu erstellen. Allgemein ist er jedoch der Ansicht, dass ein Bruch des traditionellen Bildes in der Öffentlichkeit nötig ist. Ein imperiales System, das sich nicht nach den Regeln der Verfassung richtet, ist ein fragwürdiges.

Zusätzlich ist bei der aktuellen Lage der Kaiserfamilie eine Frau als Nachfolgerin bald sehr wahrscheinlich, da es an männlichen Nachfolgen in der Vergangenheit deutlich mangelt, was die Debatte überhaupt neu aufflammen ließ.

Quelle: Koichi Yokota, JT

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