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Betroffene fordern Nachbesserungen

Japanisches Gesetz will erstmals vertrauliche Geburten regeln

Ende September hat die japanische Regierung eine Reihe von Richtlinien veröffentlicht, die die „vertrauliche Geburt“ regeln sollen. Nach diesen können Frauen mit ungewollten Schwangerschaften in Krankenhäusern entbinden, wenn sie zuvor lediglich dem Klinikpersonal ihre Identität offengelegt haben.

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Die Leitlinien setzen fest, wie die Informationen über die Identität der Frauen aufbewahrt wird. Auch das Erstellen von Familienregistern für Kinder, die vertraulich geboren wurden, wird geregelt. Dennoch besteht eine Reihe von ungelösten Problemen.

Neue nationale Regelungen für Geburten

Jedoch liegt es allein im Ermessen des medizinischen Personals, wann und wie die Identität der Mutter offengelegt wird. Denn jedes Kind hat in Japan ein Recht auf die Kenntnis seiner Herkunft.

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Die Richtlinien treffen keine Aussage darüber, wie Informationen über die Mutter an andere medizinische Einrichtungen weitergegeben werden sollen, falls das Leben von Mutter und Kind in Gefahr geraten sollte.

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In Japan gab es bis jetzt noch keine Regeln zur vertraulichen Geburt. Doch ein Krankenhaus in Kumamoto hat seit 2019 ein eigenes System genutzt. Das Jikei-Krankenhaus hat seinen vertraulichen Geburtsdienst eingeführt, um zu verhindern, dass Mütter ihre Neugeborenen aussetzen oder sich sogar umbringen.

Belastende Lebenssituationen für viele Betroffene

Denn oft leben diese Frauen in prekären Verhältnissen und werden von der Gesellschaft ausgeschlossen. Für sie ist es besonders wichtig, in einem sicheren und geschützten Umfeld zu gebären.

Die neuen nationalen Richtlinien sind an das System der Klinik angelehnt und entwickeln so die Bemühungen aus Kumamoto weiter. Damit wurde noch mehr medizinischen Einrichtungen ermöglicht, diese Praxis auch bei sich zu etablieren.

Die Regierung betont in den neuen Richtlinien, dass es nicht das Ziel sei, vertrauliche Geburten zu fördern. Außerdem lägen die Einzelheiten in den Händen der jeweiligen Klinik.

Deutsche Gesetze als Vorbild

Noch ist das System der vertraulichen Geburt in Japans Krankenhäusern jedoch nicht flächendeckend akzeptiert. Dies macht es im Moment noch schwer, verzweifelten Müttern und ihren Kindern die Hilfe anzubieten, die sie benötigen.

Die japanische Regierung war stets der Auffassung, dass es keine Gesetze für vertrauliche Geburten brauche, sondern diese im Rahmen der bereits bestehenden Gesetze ablaufen könnten. Daher hat sie gezögert, entsprechende Richtlinien zu veröffentlichen.

Yasunori Kashiwagi ist Professor am Chiba Keizai College und kennt die deutschen Gesetze zum Thema. Auf diese beruft sich auch das Jikei-Krankenhaus. Der Professor weist darauf hin, dass in den Richtlinien keine klare Verantwortung der Regierung deutlich werde. Es brauche eine fortlaufende Diskussion zum Thema Datenspeicherung über die Mütter, auch um neue Gesetze zu beschließen.

Sowohl betroffene Mütter als auch Kinder, die etwas über ihre eigene Herkunft erfahren wollen, fordern Verbesserungen des Systems. Die Regierung wird dazu aufgefordert, bessere institutionelle Regelungen zu schaffen und die Stimmen der Betroffenen zu hören. Auch Mitarbeiter der betroffenen Einrichtungen und Beamte der Kommunalverwaltungen sollten in die Gesetzgebungsprozesse eingebunden werden. Das wäre zielführender, als sich auf die bloße Formulierung von Leitlinien zu beschränken.

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