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Krankenhaus betreut einzige Babyklappe Japans

Japanisches Krankenhaus kämpft für anonyme Geburten

In Japan gibt es weiterhin viele Hürden für Personen, die ungewollt schwanger geworden sind und das Kind nicht behalten wollen. So müssen Geburtshelfer weiterhin dafür kämpfen, dass es vertrauliche Geburten gibt, damit auch ungewollte Kinder in Sicherheit auf die Welt kommen.

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Das Jikei Hospital in Kumamoto ist das einzige Krankenhaus in Japan, das offiziell anonyme Geburten anbietet. Seit Dezember 2019 ist es möglich, dass Schwangere ihre Kinder vertraulich gebären können. Krankenhausdirektor Takeshi Hasuda musste sich seitdem gegen den starken Widerstand von den Behörden und Anfeindungen aus der Gesellschaft wehren.

Behörden sind mit der Rechtslage überfordert

Bereits zweimal haben ihm Behörden mitgeteilt, dass sie nicht wissen, ob ihr Angebot in Japan überhaupt erlaubt ist. Die Stadtregierung wies darauf hin, dass sie nicht wissen, ob man ein Kind mit einer anonymen Mutter überhaupt registrieren kann, da es an Präzedenzfällen und verwandten Gesetzen fehlt. Das Ironische daran ist, dass es bisher noch überhaupt keine anonymen Geburten in dem Krankenhaus gab.

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Nach offiziellen Angaben habe es zwar Interesse gegeben, nach einer Rücksprache mit der hauseigenen Schwangerschaftsberatung änderten die Schwangeren jedoch ihre Meinung. Das Krankenhaus ist dazu nicht das erste Mal ins Fadenkreuz der Behörden geraten.

Schon 2007 sorgten sie mit der ersten Babyklappe in Japan, die bis heute übrigens auch die einzige ist, für großes Aufsehen. Durchgesetzt wurde sie damals von Hasudas Vater, Taiji Hasuda. Das Projekt sorgte für so großes Aufsehen, dass selbst der damalige Premierminister Shinzo Abe sich dazu äußerte und sie hinterfragte.

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Aller Kontroverse zum Trotz, hielt Jikei an der Klappe fest und schaffte es so in den letzten 13 Jahren insgesamt 155 Babys und Kleinkindern ein sicheres Zuhause zu geben. Wie wichtig die Babyklappe und Schwangerschaftsberatung ist, zeigte zuletzt die Pandemie. Die ungewollten Schwangerschaften sind im letzten Jahr nach oben geschossen und das Jikei Krankenhaus wurde regelrecht mit Anfragen überrannt.

Babyklappe führt zu dem anonymen Geburtenangebot

Tatsächlich ist die Klappe auch der Grund, warum das Krankenhaus nun anonyme Geburten anbietet. Es wurde nämlich immer kritisiert, dass die Klappe die Zahl von gefährlichen Hausgeburten erhöhen könnte, da die Schwangeren aufgrund des Registrierungssystems die Krankenhäuser meiden.

Als direktes Vorbild für das neue System diente Hasuda das deutsche System von 2014. Nach ihm ist es erlaubt einer Schwangeren aus den verschiedensten Gründen zu helfen, wenn sie ihr Baby nicht versorgen will oder kann.

In deutschen Krankenhäusern dürfen deswegen Schwangere anonym Kinder bekommen, solange sie nur einem Berater außerhalb der medizinischen Einrichtung ihre Identität gesagt haben. Wenn die Kinder 16 Jahre alt werden, erhalten sie dann die hinterlegten Daten ihrer Mutter. Das gleiche System will auch Hasuda durchsetzen.

Tatsächlich wird in Deutschland auch von den konservativen Parteien das System unterstützt, die damit die Babyklappen im ganzen Land ersetzen wollen. Die anonymen Geburten seien nämlich für Kind und Eltern deutlich sicherer.

Japans Politik hängt in der Vergangenheit fest

Während sich Hasuda’s Idee weiterentwickelt, steckt Japans Geburtensystem immer noch in der Vergangenheit fest. Nachdem er in Deutschland, Südafrika und Südkorea sich Babyklappen angeguckt hatte, erklärte Hasuda, dass in der japanischen Gesellschaft echte Apathie bei dem Thema herrscht.

Hasuda zeigte sich dabei auch enttäuscht, dass sich die Stadtregierung bei dem Thema zurückhält und lieber schweigt. Die Zurückhaltung der Zentralregierung lässt sich hingegen mit dem verstaubten traditionellen Familienbild der regierenden LDP erklären.

Dazu kommt, dass das japanische Parlament von Männern dominiert wird, die sich nicht wirklich für die Probleme der Frauen interessieren. Damit ist es kaum möglich das Thema in der Politik anständig zu diskutieren. Erst wenn wirklich was passiert, wird langsam Betroffenen geholfen, so Hasuda.

Situation für anonyme Kinder bleibt schwierig

Zusammen mit dem Experten Yasunori Kashiwagi ist er deswegen sehr besorgt über den Mangel an angemessenen Schwangerschaftsberatungsdiensten in Japan, die anonym und einfach zu nutzen sind. Hasuda will deswegen alles Mögliche tun, um Schwangere über ihr Angebot zu informieren. Er denkt darüber nach, die Webseite des Krankenhauses auf Platz eins bei Suchmaschinen setzen zu lassen, wenn nach ungewollten Babys gesucht wird.

Aber nicht nur die Geburten an sich sind ein Problem, auch die Unterbringung der Kinder ist weiterhin schwierig. Bis Ende März lebten nur 20,5 Prozent von 45.000 Kindern ohne Eltern bei Pflegefamilien. Die anderen lebten in staatlichen Waisenhäusern. Obwohl das für Japan eine Verbesserung ist, zählt der Prozentsatz weiterhin zu den niedrigsten unter Industrieländern. Auch in der Hinsicht muss die Regierung ihre Bemühungen deutlich verstärken.

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