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Japans farbenfrohe Abwasserkanaldeckel werden immer beliebter

In Japan werden die Abwasserkanaldeckel, die mit bestimmten Designs bedruckt sind, immer beliebter und ziehen sogenannte „Manholer“ an.

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Was nach einer kriminellen Organisation klingt, sind Menschen, die sich für die vielen unterschiedlichen Designs der Kanaldeckel begeistern. Manholer teilen ihre Begeisterung gern mit anderen Menschen und schießen Fotos von ihren neuesten Funden. Für Japans Kanalisationsindustrie waren die Designs nur ein kleiner Schritt, um ihr schmutziges und stinkendes Image zu bereinigen und aufzuwerten.

Aus diesem Grund gibt es mittlerweile 12.000 lokale Varianten der aufwendig und farbenfroh gestalteten Kanaldeckel in ganz Japan. Und natürlich darf auch ein Hello Kitty Kanaldeckel nicht fehlen. Letzterer befindet sich in Tama City und soll neben dem Themenpark der Stadt ein weiterer Touristenmagnet für Fans der japanischen Ikone der Firma Sanrio sein. Die Designs in den 1.700 Städten und Dörfern haben einen regelrechten Sammelwahn ausgelöst und dienen als Hinweis auf den jeweiligen Standort, dessen Geschichte, Folklore oder Spezialitäten sie abbilden. Beispielsweise gibt es in einer Stadt am Fuße des Fuji einen Designkanaldeckel, auf dem der Fuji betrachtet werden kann.

Laut dem Veteran Spotter Shiji Morimoto begann die Sammelwut und Leidenschaft, nachdem bekannt wurde, dass die Innenstadt von Fukui zwei Phönixe auf ihren Schächten trägt. Auch die beiden legendären Vögel haben eine Bedeutung, denn die Stadt ist nach einem verheerenden US-Luftangriff von 1945 und einem tödlichen Erbeben drei Jahre später erneut auferstanden. Morimoto recherchiert gern, warum sich die Städte für die besonderen Designs entschieden haben, so der AFP. Er vergleicht die Suche nach den Kanaldeckeln mit einer Schatzsuche für Erwachsene und liegt damit vielleicht gar nicht so falsch.

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Da sich Kanaldeckel nicht so leicht sammeln lassen wie etwa Briefmarken oder Münzen, kam das privat-öffentliche GKP-Netzwerk dem Wunsch der Sammler nach und hat 1,4 Millionen Karten mit 293 verschiedenen Designcovern herausgegeben. Die Karten sind kostenlos erhältlich, können aber nur in den örtlichen Ämtern abgeholt werden. So wirken sie wie schon die Kanaldeckel als ein Touristenmagnet. Die Designs auf den Karten sind in chronologischer Reihenfolge nummeriert und weisen auch die exakten GPS-Daten auf, um den Deckel zu finden. Im Oktober veranstaltete die Stadt Maebashi eine Versteigerung, bei der 10 gebrauchte Kanaldeckel ersteigert werden konnten.

Die 40 Kilo schweren Eisendeckel wurden mit mehr als 190 Geboten regelrecht überflutet. Ein normaler Kanaldeckel kostet neu etwa 65.000 Yen (etwa 480 Euro). Doch ein farbenfroh gestalteter Deckel kann, je nachdem wie viele Farben und Details enthalten sind, schnell das Doppelte kosten. Außerdem müssen sie aus jeder Richtung für Menschen, Autos und Tiere rutschfest sein. Die Manholer veröffentlichen immer wieder neue Informationen zu den Deckeln unter dem Hashtag #manhotalk und auf der Japan Society of Manhole Covers Homepage.

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