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Es mangelt an Personal und Schutz für Mitarbeiter

Japans Hilfshotlines für psychische Probleme müssen sich wegen Coronavirus einschränken

Zurzeit sind in Japan Hilfshotlines für Menschen mit psychischen Problemen so wichtig wie noch nie. In den letzten Wochen ist die Zahl der Anrufe massiv gestiegen. Auch wenn viele gerne weiter helfen wollen, sind sie gezwungen wegen des Virus die Arbeitszeiten zu verkürzen oder gar ganz zu schließen.

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Die Federation of Inochi no Denwa betreibt regulär 50 Callcenters in ganz Japan. 13 mussten aufgrund des Virus nun geschlossen werden. Grund dafür ist unter anderem der landesweite Ausnahmezustand, bei dem die Menschen aufgefordert sind zu Hause zu bleiben. Es fehlen deswegen in einem Center freiwillige Mitarbeiter.

Zu hohe Ansteckungsgefahr

Ein anderes Problem ist die Ansteckungsgefahr, weswegen ebenfalls Zentren schlossen, um die Mitarbeiter zu schützen. Berater aus der Einrichtung im Chiyoda Bezirk in Tokyo bekamen die Nachricht, dass sie nicht kommen müssen, da es im Callcenter eine hohe Ansteckungsgefahr gibt. Etwa die Hälfte der 250 Mitarbeiter sind deswegen nun beurlaubt. Die Einrichtung selbst ist nun zum ersten Mal seit 48 Jahren nicht mehr rund um die Uhr erreichbar.

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Aus Datenschutzgründen ist es nicht möglich den Job von Zuhause aus zu machen, weswegen Telearbeit als Alternative nicht möglich ist. Ein Sekretär von einem der geschlossenen Einrichtungen entschuldigte sich bei den Menschen, die versuchen sie zu erreichen. Da Personen weiterhin Hilfe suchen, kommen einige Mitarbeiter trotzdem zur Arbeit.

Besonders Menschen im mittleren Alter suchen Hilfe

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Eine 67 Jahre alte Frau erklärte, wieso sie weiterhin als Beraterin tätig ist. Sie halte sich damit zwar nicht an die Aufforderung der Regierung, sie könnte die Menschen, die anrufen, aber nicht alleine lassen. Tatsächlich stiegen die Anruferzahlen von Tag zu Tag immer mehr. Seit April gibt es stetig eine Zunahme und in vielen Fällen sind die Person wegen der Pandemie besorgt.

Im März befassten sich zehn bis 20 Prozent der Anrufe und E-Mails mit dem Thema. Für April lag die Zahl dann schon bei fast 50 Prozent. Besonders erhält die Organisation mehr E-Mails von Menschen in den 40ern, die als sozial aktivste Bevölkerungsgruppe gelten. Viele von ihnen sind besorgt, dass sie ihren Arbeitsplatz verlieren oder sich die Beziehung zur Familie verschlechter, da nun von Zuhause gearbeitet wird und die Kinder nicht in der Schule sind.

Tokyo Inochi no Denwa versteht die Ängste und glaubt, dass die Anfragen noch zunehmen werden, wenn sie die wirklichen wirtschaftlichen Auswirkungen zeigen. Auch wenn sie gerade nur eingeschränkt arbeiten, versichert das Sekretariat, dass sie auf so viele Anfragen reagieren, wie sie können, um den Menschen ein wenig die Unsicherheit zu nehmen.

MS

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