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HomeNachrichten aus JapanJapans Medien müssen sich mit eigenem Sexismus-Problem auseinandersetzen

Männlich dominierte Branche muss sich ändern

Japans Medien müssen sich mit eigenem Sexismus-Problem auseinandersetzen

Der Sexismus-Skandal rund um den ehemaligen Chef des Olympischen Organisationskomitees von Tokyo ist in Japan noch lange nicht vergessen. Besonders in der Medienbranche wurde deutlich, dass man nicht gerne über das Thema Sexismus und männliche Dominanz sprechen will, auch nicht in den eigenen Reihen.

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Am Wochenende fand ein Online-Symposium statt, das von der Japan Mass Media Culture Information Workers‘ Union Conference und weiteren Gruppen organisiert wurde. Im Mittelpunkt stand die Frage nach Geschlechtergleichheit im Mediensektor und wie die derzeitige Lage in der Branche ist.

Massenmedien haben ihrer eigenen Probleme

Zu den Teilnehmern gehörte neben Mitarbeitern auch einfache Bürger, Journalisten und Experten für Massenmedien. Auch die Japan Federation of Newspaper Workers‘ Unions war vertreten, die sich aktiv für mehr Frauen in Führungspositionen einsetzt.

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Fünf Studenten hielten einen Vortrag über Dinge in den japanischen Medien, die sie als unangemessen betrachten. So erklärten sie, dass oft nur Männer als Autoren auf der Meinungsseiten von Zeitung auftauchen. Das würde jedoch nicht die Realität der Gesellschaft widerspiegeln.

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Auch die Behandlung von weiblichen Moderatoren bei japanischen Fernsehprogrammen prangerten sie an. Junge Frauen haben bei Varieté Shows und Nachrichtensendung stets älteren Männern zuzuhören. Dazu werden weibliche Nachrichtensprecher oft mehr als Idols angesehen als wirkliche Sprecher.

Medien müssen sich auch im eigenen Interesse ändern

Dass das Bild der Medien negativ geprägt ist, bestätigten Forscher. Der gezeigte Sexismus und die Geschlechterstereotypen, seien auf die männliche Dominanz in Führungspositionen und Mitarbeitern auf Managementebene bei Medienunternehmen zurückzuführen.

Kaori Hayashi, Professorin an der University of Tokyo’s Graduate School, erklärte, dass Entscheidungen von Oben kommen. Da jedoch Führungspostionen überwiegend von Männern besetzt sind, zeigen sich deren Ansichten überall in den Medien.

2019 waren nur 7,7 Prozent der Führungspositionen bei 38 Zeitungen und Nachrichtenagenturen von Frauen belegt. Bis letzten Dezember waren dazu bei sechs kommerziellen Sendern in Tokyo die Top-Angestellten alle Männer. Bei den Vorständen der vier Branchenverbänden gab es hingegen bei 159 Personen nur drei Frauen.

Beim Symposium waren sich deswegen viele einige, dass sich die Medienbranche dringend ändern muss. Sie könnten den Vorfall nicht verurteilen und selbst nicht besser sein. Es geht dabei auch darum den Kontakt zur Gesellschaft nicht zu verlieren. Hayashi sagte, dass wenn Medien weiterhin nur die Welt des Mannes und seine Werte zeigt, sich die Kluft zu den einfachen Menschen verstärkt.

Sexismus-Skandal sorgt langsam für Veränderungen

Dass die japanische Gesellschaft teilweise weiter ist, als ihr Umfeld, zeigte der Sexismus-Skandal. Der Druck auf den ehemaligen Chef Yoshiro Mori wurde durch die nationalen und internationalen Reaktion so groß, dass er gezwungen war, im Februar 2021 zurückzutreten. Sein Kommentar zu Frauen hatte dabei in Japan große Empörung verursacht und den Ruf nach mehr weiblichen Führungskräften verstärkt.

Zumindest bei den Spielen hat sich was getan. Nun sitzt mit Seiko Hashimoto eine Frau an oberster Stelle, die auch etwas von Geschlechtergleichstellung versteht. Sie hat bereits angekündigt für mehr Gleichberechtigung zu Sorgen und die Einstellung von mehreren hochqualifizierten Frauen angekündigt. Reichen tut das für Japans Sportwelt jedoch noch lange nicht.

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