Stats

Anzeige
Home News Japans Nuklear-Dorf leidet weiterhin unter der nuklearen Katastrophe

Geplantes Kernkraftwerk wird nie fertig

Japans Nuklear-Dorf leidet weiterhin unter der nuklearen Katastrophe

Neun Jahre ist es her, dass es in Fukushima zur nuklearen Katastrophe kam. Der Vorfall hatte auf viele Gebiete massive Auswirkungen und raubte Gemeinden die komplette Existenz. Auch Städte, die weit entfernt von dem Unglück waren, spüren weiterhin die Folgen. Eine Gemeinde von ihnen ist Higashidori, das Nuklear-Dorf.

Higashidori befindet sich 430 Kilometer von Fukushima Daiichi entfernt in der Präfektur Aomori. Trotzdem frisst die Katastrophe langsam die Gemeinde auf, die in großen Schwierigkeiten steckt. Grund dafür ist die Politik des Dorfes, die sich auf Kernkraft konzentriert hatte und nun dafür den Preis zahlen muss.

Kernkraft als zerplatzter Zukunftsplan

Vor etwa zehn Jahren begann die Gemeinde in eine Wirtschaftskrise zu stürzen. Den Anstoß gab Tokyo Electric Power Co. mit der plötzlichen Einstellung des Baus eines Kernkraftwerks. Januar 2011 wurde mit dem Bau der neuen Anlage begonnen, von dem sich Higashidori viel versprach und die März 2017 den Betrieb aufnehmen sollte. Doch nur zwei Monate später wurde alles gestoppt, Fukushima Daiichi war zerstört und das Unternehmen konnte den Bau im Dorf nicht fortführen.

LESEN SIE AUCH:  Japan plant keine neuen Kernkraftwerke

Dazu kam, dass Tohoku Electric Power Co. das bereits existierende Kernkraftwerk wegen der Katastrophe stilllegte. 2014 wurde zwar ein Antrag auf Sicherheitsfreigabe für die Wiederinbetriebnahme eingereicht, das Verfahren dauert aber Jahre und bisher gibt es keine Freigabe. Damit steht also auch hier weiterhin alles still und somit auch die Einnahmen der lokalen Regierung.

Vor der Atomkatastrophe hatte die Gemeinde noch ein Jahresbudget von 10 Milliarden Yen. Ab 2012 lag es dann bereits bei nur noch sechs bis acht Milliarden Yen. Im Geschäftsjahr 2017 waren 100 Millionen Yen zu wenig vorhanden und das Dorf droht in die Schulden zu rutschen.

Das Nuklear-Dorf kämpft mit drohenden Schulden

Es war nicht mehr möglich Geld über das Higashidori Kernkraftwerk zu bekommen, um so Rückzahlungen zu begleichen. Eigentlich war geplant, dass durch das Kernkraftwerk im Geschäftsjahr 2018 um die 5 Milliarden Yen an Vermögenssteuern verfügbar sind. Daraus ist jedoch nichts geworden.

Das Dorf versuchte sich aus der finanziellen Notlage zu retten und verkauft ein Grundstück an Tohoku Electric für 100 Millionen Yen. Das Geld reichte gerade so, um nicht in ein Defizit zu rutschen, mehr aber auch nicht.

Aomori bestätigte, dass es dem Dorf nicht gut geht. 2016 lag das Bruttoprodukt nur bei 60,2 Prozent im Vergleich zu 2010. Aus Verzweiflung wandte sich die Gemeinde an Pro-Kernkraft-Gruppen in der Regierung, Industrie und Forschung, womit sie den Namen Nuklear-Dorf erhielten. Denn auch nach 2017 verbesserte sich die Lage nicht. Aus diesem Grund versuchten die beiden Betreiber der Werke direkt zu helfen und spendeten 2018 und 2019 über das Steuersystem jeweils um die 400 Millionen Yen.

Ein Baustopp, der angeblich keiner ist

Ab 2019 gab es dann Hoffnung. Bis zum Geschäftsjahr 2021 will die Zentralregierung Subventionen von etwa 1 Milliarde Yen zahlen, die allgemein an Gebiete mit Kernkraftwerken gehen. Allerdings ist das Geld eigentlich für Regionen gedacht, die eine Anlage wieder in Betrieb genommen haben. Aus diesem Grund stellt Higashidori einen besonderen Fall dar.

Tokyo Electric gibt zwar an, dass sie weiterhin ein gemeinsames Projekt anstreben und dementierte einen endgültigen Baustopp. Dafür würde auch bereits versucht Mitarbeiter für das gestoppte Werk zu finden, anstatt es wie geplant selbst zu bauen. Es ist jedoch unwahrscheinlich, dass der Bau demnächst weitergeführt wird. Dazu kommt, dass Tohoku Electric und Tokyo Electric sich eigentlich die Kosten für die neue Anlage teilen wollten. Seit 2016 sind die Unternehmen aber Konkurrenten, was die Angelegenheit noch schwieriger macht.

Auch andere Gemeinden in der Region, die Verbindungen zur Atomkraft haben, leiden unter den Nachwirkungen der Katastrophe, wenn auch nicht so schlimm wie Higashidori. Dort haben die meisten schon die Hoffnung aufgegeben und viele Geschäfte sind bereits verschwunden. Wer noch da ist, klammert sich daran fest, dass die Kernkraft bald wieder fließt. In der Zwischenzeit wird versucht irgendwie zu überleben.

Anzeige
Anzeige