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Kohleausstieg, der keiner ist

Japans Plan, Kohlekraftwerke stillzulegen, ist nicht mehr als eine Mogelpackung

Die japanische Regierung kündigte am 3. Juli an, bis 2030 100 Kohlekraftwerke stillzulegen. Ein Schritt, der dringend notwendig ist, um den Klimawandel zu bekämpfen, wenn auch der Termin zu weit in der Zukunft liegt und eigentlich handelt es sich mehr um eine Mogelpackung.

Für Japan ist es das erste Mal, dass die Regierung eine konkrete Zahl und ein Termin für die Stillung von Kohlekraftwerke festlegt.

Kohle ist in Japan ein wichtiges Mittel um Energie zu gewinnen

In Japan nutzt man schon lange Kohle für die Energiegewinnung, 1868 wurde Kohle für den industriellen Fortschritt im Land genutzt. Kohle war die Energiequelle für Dampfschiffe, Züge und Fabriken, die Nachfrage nach Kohle stieg enorm an. Davor wurde es nur in kleinen Mengen für den Hausgebrauch genutzt.

Historische Aufzeichnungen zeigen, dass 1877 etwa 500.000 Tonnen Kohle gefördert wurde, 1907 waren es bereits 13,9 Millionen Tonnen.

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Kohle war in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts die wichtigste Energiequelle, ab Mitte der 1950er-Jahre führten einige Entschlüsse von der japanischen Regierung allerdings dazu, dass viele Kohleminen geschlossen wurden.

Laut eines Artikels von Professor Naoko Shimazaki im Japan Labour Review wurden bis 2002 fast 1.000 Minen geschlossen und mehr als 200.000 Arbeiter verloren ihren Job.

In den 1960-Jahren überschwemmten importiere Kohle und Öl den japanischen Markt, beides deutlich günstiger als in Japan geförderte Kohle. 1966 nahm das erste kommerzielle Kernkraftwerk in Japan seinen Betrieb auf, 1973 gehörten Atomkraftwerke zu der nationalen Strategie nach der Ölkriese von 1973.

Trotzdem ist Japan immer noch auf Energie aus Kohlekraftwerken angewiesen.

Kohlekraftwerke gehören zu Japans Energieplan

Im März 2011 führte eine Katastrophe zu einer dreifachen Kernschmelze in einem Kraftwerk von Tepco. Die Regierung ließ daraufhin alle Kernkraftwerke im ganzen Land abschalten.

Damals wurden neue Pläne ausgearbeitet, um mehr Energie durch Kohle zu produzieren und neue Kohlekraftwerke zu bauen. Bereits damals gab es Kritik aus dem In- und Ausland hinsichtlich der Treibhausgasemissionen.

Dann wurden erneuerbare Energiequellen immer populärer, da sie viel Energie liefern und die Umwelt nicht belasten.

Viele Politiker in Japan zeigten ihre Unterstützung für erneuerbare Energien und sahen darin einen Schlüssel, um Japans Energiehunger zu befriedigen.

Allerdings stellten sich Energieversorger und die Schwerindustrie gegen diese Art der Energiegewinnung und argumentierten, dass Kohle sicherer und stabiler für die Energiegewinnung ist. Außerdem war ein Argument, dass Kohle weitaus günstiger als Solarenergie oder Windkraft ist.

In ihrem Energieplan 2014 hat die Regierung von Premierminister Shinzo Abe als wichtige Energiequellen Atomkraft und Kohle genannt. Die nationale und internationale Besorgnis und Kritik über den Kohleverbrauch des Landes und seine Umweltauswirkungen wurde allerdings stärker.

Bereits 2018 kündigte die japanische Regierung an, ältere, ineffiziente Kohlekraftwerke abzuschalten, aber bis zur Ankündigung Anfang Juli gab es keine weiteren Details dazu.

Was beutet die Entscheidung für den Kohleverbrauch Japans?

Man darf nicht zu viel erwarten, denn der Energieplan der japanischen Regierung sieht vor, dass Kohle auch 2030 26 Prozent des Stroms liefert. 2019 war der Anteil 33 Prozent.

Von den 100 Kraftwerken, die stillgelegt werden sollen, sind viele kleinere und ältere Anlagen, neuere Anlagen mit größerer Kapazität, werden weiterhin in Betrieb sein.

Um die Ziele des Pariser Übereinkommens zur Reduzierung der Treibhausgasemissionen zu erreichen, sagen die Vereinten Nationen und Umweltexperten, dass die Industrieländer den Kohleverbrauch bis 2030 vollständig abschaffen müssen.

Nachdem Deutschland erst vor wenigen Tagen ein Gesetz zum Kohleausstieg beschlossen hat, dass Umweltschützer entsetzte hat auch Japan eher eine Mogelpackung verkündet.

Zwar wird etwas weniger Kohle verbraucht, aber nur 7 Prozent weniger, was bei Weitem nicht ausreicht, um Klimaziele zu erreichen. Eine breite Förderung von erneuerbaren Energien sieht die japanische Regierung nicht vor, insbesondere, da es zu viel Widerstand aus der Wirtschaft gibt.

Ein kleiner Wermutstropfen ist daher, dass Energieunternehmen langsam ihre Strategie umbauen, so kündigte Tepco an, mehr auf erneuerbare Energien zu setzten, doch wie dies wird ohne dem Mitwirken der japanischen Regierung nicht ausreichen.

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