Stats

Anzeige
Home News Japans Premierminister will Ausnahmezustand "light", braucht aber dringend einen Plan B

Japans Premierminister will Ausnahmezustand „light“, braucht aber dringend einen Plan B

Japans Premierminister Yoshihide Suga kündigte am Montag an, dass er den Ausnahmezustand über Tokyo und drei weitere Präfekturen verhängen will, nachdem die Gouverneure darum gebeten hatten.

Dabei sagte er, dass der Ausnahmezustand allerdings die wirtschaftlichen Aktivitäten nicht einschränken wird. Nur Restaurants und Bars sollen noch früher schließen und die Menschen ab 20 Uhr zu Hause bleiben. Einen Ausnahmezustand „light“ sozusagen.

Ausnahmezustand für Präfekturen, deren Gesundheitssystem überlastet ist

Die Situation in Tokyo und auch anderen Präfekturen, darunter Kanagawa, Saitama und Chiba, die um den Ausnahmezustand gebeten haben, um mehr rechtliche Möglichkeiten zu bekommen, auf die Coronavirus-Pandemie zu reagieren, sieht so aus, dass die Infektionszahlen steigen, immer mehr Menschen in die Krankenhäuser eingeliefert werden müssen und die Todesfälle steigen.

Mehr zum Thema:  Ausnahmezustand für Tokyo kommt diese Woche

Tokyo bestätigte am Dienstag mehr als 1.200 Neuinfizierte und damit den Löwenanteil aller gemeldeten Infektionen in Japan.

Das hört sich für Japan extrem wenig an, man sollte aber erwähnen, dass das Land sehr wenig testet und immer mehr Menschen den offiziellen Zahlen kein Vertrauen schenken. Bei Nachrichten, wie dass private Testzentren in Japan eine Infektion nicht den Behörden melden müssen, ist das auch kein Wunder.

Trotz der, im Vergleich mit Deutschland, niedrigen Infektionsrate, steht das Gesundheitssystem allerdings unter immer stärker werdendem Druck und einige Krankenhäuser haben bereits Probleme Patienten zu versorgen.

Bisher kam von der Regierung und auch von den Gouverneuren eher die Haltung „abwarten und das Beste hoffen“. Was das gebracht hat, ist in Japan aktuell zu sehen, vom weltweiten Musterschüler ist das Land mittlerweile ein Sorgenkind geworden.

Es besteht also kein Zweifel, dass die japanische Regierung handeln muss.

Auf den Rücken der Restaurantbetreiber

Das Problem dabei ist allerdings, dass Suga wieder versucht, der Wirtschaft keinen Schaden zuzufügen und damit auf vernünftige Maßnahmen verzichtet.

Denn die Restaurants und Bars haben bereits die Öffnungszeiten verkürzt, ob zwei Stunden mehr etwas bringen wird, kann man bezweifeln, wie Tokyo zeigt.

Dazu kommt, dass immer mehr Restaurantbetreiber sich alleingelassen fühlen durch die Bitte, die Öffnungszeiten zu kürzen, ignorieren oder aufgeben.

Es bringt aber nichts zu sagen: „Es kann alles so weitergehen, das wird dann schon“, denn die Realität sieht anders aus. Die Infektionszahlen steigen und immer größer wird die Kritik an Suga und seine Reaktion auf die Infektionszahlen.

Wenn „light“ nicht funktioniert, was dann?

Natürlich ist es für Japan wichtig, die Wirtschaft aufzubauen, aber es fällt auf, dass Suga der Wirtschaft zu große Wichtigkeit beimisst und keinen Plan B hat, wenn der Ausnahmezustand „light“ nicht den gewünschten Erfolg bringt.

Die Prognosen sind für die Wirtschaft nicht sehr gut, auch mit einem Ausnahmezustand „light“ nicht, nur im Frühjahr hat es auch funktioniert.

Das Problem, was Suga anscheinend übersieht, ist die Tatsache, dass die Pandemie den Handel insgesamt stört. Die Menschen werden vorsichtiger mit Geldausgaben, fatal für ein Land, in dem der Inlandsmarkt der wichtigste Bereich der Wirtschaft ist. Export usw. funktioniert auch nur, wenn der Rest der Welt mitspielt.

Sollte der Ausnahmezustand ausgerufen werden und die „light“-Version nicht funktionieren, müssten doch drastischere Einschnitte kommen, die dann der Wirtschaft noch mehr Schaden zufügen würden, da sich das Ganze weiter in die Länge zieht.

Von den Auswirkungen auf das Gesundheitssystem ganz zu schweigen.

Suga bleibt also seiner Linie im Moment treu, einen Schlingerkurs zu fahren.

Anzeige
Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren