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Expertengruppe soll Gesetzeslage überprüfen

Japans Regierung will ansteigenden Konsum von Marihuana untersuchen

In den letzten Jahren wurde festgestellt, dass der Konsum von Marihuana in Japan vor allem unter Jugendlichen zugenommen hat. Das japanische Gesundheitsministerium ist deswegen sehr besorgt und überlegt, die Drogengesetze weiter verstärken.

Am Mittwoch rief das Ministerium eine neue Expertengruppe zu dem Thema zusammen. Sie sollen nun diskutieren, ob das aktuelle Cannabis-Kontrollgesetz überarbeitet werden soll. Grund dafür ist die Zunahme an Festnahmen aufgrund von Marihuana.

Wie schädlich ist Marihuana eigentlich?

2019 wurde in Japan mit 4.570 Festnahmen ein neues Rekordhoch erreicht. Es war gleichzeitig das sechste Jahr in Folge, dass es zu einem Anstieg kam. Mit fast 60 Prozent machten Menschen unter 30 Jahren den größten Teil der festgenommenen Personen aus.

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Es scheinen sich demnach immer mehr junge Menschen zu Drogen hingezogen zu fühlen, was das Ministerium besorgt. Sie glauben die Ursache dafür sind Berichte im Internet, laut denen Marihuana weniger schädlich und süchtig macht, als Zigaretten und Alkohol.

Die Gruppe diskutierte in einer ersten Sitzung darüber, wie schädlich der Stoff wirklich ist. Es wurde dabei vor allem betont, dass Cannabis den Einstieg zu härteren Drogen ermöglichen würde. Das Ministerium warnt selbst davor, dass THC das Gedächtnis beeinflussen kann. Gerade weil es in Japan so wenig Fälle gibt, lässt sich aber nicht viel zu den Schäden und der Suchtgefahr sagen.

Medizinische Nutzung wird zum großen Thema

Ein teilnehmender Psychiater gab dazu an, dass er kaum Fälle kennt, wo die Droge Auslöser von psychischen Erkrankungen waren. Dass es dazu so gut wie keine Suchtfälle gibt, bestätigt ein Vertreter eines Rehabilitationszentrums. Es wurde deswegen betont, dass datenbasierte Argumente in dem Bereich benötigt werden, um junge Menschen vom Marihuana-Konsum abzubringen.

Es ist möglich, dass das Gremium über die Nutzung von Marihuana in der Medizin spricht. Aus Übersee gibt es immer mehr Arzneimittel mit Cannabis, die unter anderen bei der Behandlung von epileptischen Anfällen helfen. Japan kann sie allerdings wegen des Gesetzes nicht nutzen. Das Ministerium ist sich des Problems mittlerweile bewusst und sie wollen nun angemessen reagieren.

Eine Umfrage der Nationalpolizei ergab 2018, dass von 716 Jugendlichen 76,3 Prozent die Droge nahmen, da sie neugierig waren oder sie nur zum Spaß probieren wollten. 76,1 Prozent gaben dazu an, dass sie nur wenig oder gar kein Bewusstsein zu den Wirkungen des Konsums haben.

Konsum von Marihuana könnte ganz verboten werden

Ein weiterer Grund für die Zunahme könnte der Rückgang an legalen Designerdrogen sein. Sogenannte Kiken wurde eigentlich als Alternative zum Marihuana gesehen. Allerdings geht die Polizei auch gegen die Stoffe intensiver vor, was vermutlich dazu führt, dass die Jugendlichen wieder Cannabis konsumieren.

Aus dem Grund könnte das neue Gremium überlegen, ob das Rauchen von Cannabis allgemein verboten sein soll. Einen ersten Bericht wird es vermutlich erst im Juli geben. Japan hat eins der strengsten Drogengesetze der Welt. Import, Export, Anbau und Besitz von Teilen der Cannabispflanze mit THC ist absolut verboten und wird hart bestraft.

Der Konsum selbst steht zurzeit nicht unter Strafe. Grund dafür ist ein angepasstes Gesetz aus der Nachkriegszeit. Um Hanffarmer vor Strafen zu schützen, wenn sie bei der Ernte versehentlich psychoaktive Substanzen einatmeten, wurde der Konsum selbst erlaubt.

Niedriger Konsum, aber hohe Stigmatisierung

Heutzutage führt die Regierung eine sehr aggressive Anti-Drogen-Kampagne, bei welcher der Slogan „Auf keinen Fall“ im Mittelpunkt steht. Das führt dazu, dass es von der Bevölkerung selbst eine starke Stigmatisierung gibt, sodass schon die Idee von Cannabis als Heilmittel auf Widerstand trifft. Es gibt aber auch Stimmen, die sich für eine Legalisierung einsetzen. Stars, die mit der Droge in Kontakt gebracht werden, erleben oft ein sofortiges Karriereende. Sogar die Hanfpflanze selbst kämpft mit vielen Vorurteilen, obwohl sie eine lange Tradition in Japan hat und wichtig für den Shintoismus ist.

Allerdings haben die Bemühungen im Kampf gegen die Droge Erfolge gebracht. In der Gruppe der Sieben hat Japan im Vergleich die niedrigsten Zahlen beim Marihuana-Konsum. 2019 hatten gerade mal 1,8 Prozent der japanischen Bevölkerung in ihrem Leben mindestens einmal Marihuana geraucht. Im Vergleich lag die Zahl in Kanada 2010 bei 41,5 Prozent und in Deutschland 2013 bei 33,1 Prozent.

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