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Schutzprogramm leidet unter menschlichen Versagen

Japans Regierungsbehörden geben öfter Daten von Opfern von häuslicher Gewalt an Täter weiter

In Japan hat in den letzten Monaten die Zahl der Fälle an häuslicher Gewalt deutlich zugenommen. Behörden versuchen dabei so gut es geht Opfern zu helfen. Jedoch gab es zuletzt immer wieder Fälle, bei denen Daten eines Opfers an den Täter weitergeben wurden.

Eine Frau aus Tokyo, die im Unterstützungsprogramm für Opfer von häuslicher Gewalt war, war in eine neue Wohnung gezogen, um vor ihrem Ex-Mann sicher zu sein. Sie hoffte nun endlich zusammen mit ihrem Kind in Frieden zu leben. Eines Tages stand jedoch mitten in der Nacht ihr Ex-Mann vor der Tür. Er versetze die Frau in Panik und alarmierte mit seinem Geschrei die Nachbarschaft, welche die Polizei rief.

Kein Einzellfall

Eintreffende Beamte teilten ihr dann mit, dass es für sie nicht mehr sicher ist. Wenn sie bleiben will, dürfe sie nicht mehr zur Arbeit und Schule. Die Polizei bat sie deswegen, zu gehen. Am nächsten Tag flüchtete sie zu einem Bekannten, in der Hoffnung, dort sicher zu sein. Es stellte sich später heraus, dass das zuständige Büro ihren neuen Wohnort versehentlich an den Mann weitergegeben hatte.

Mehr zum Thema:  Japan will hilfesuchende Menschen besser in unbesetzten Police Boxen schützen

An sich ist es streng verboten, die Informationen zum neuen Wohnort an Täter herauszugeben, um die Opfer vor erneuter Gewalt zu schützen. Derartige Fälle haben sich allerdings in den letzten Jahren gehäuft und das nicht nur in Tokyo. Seit dem Geschäftsjahr 2011 gab es mindestens 63 ähnliche Fälle in ganz Japan. In einem Fall kostete der Fehler der Behörden eine Frau sogar das Leben. 2019 gab es ein Rekordhoch mit 18 Fällen.

Die Gesamtzahl ist vermutlich viel höher. Zurzeit gibt es nämlich kein System, das Datenlecks bei anderen Abteilungen abdeckt, wie bei dem Steuerbüro und dem Familienregister. Es lässt sich demnach nicht sagen, wie viele wirklich betroffen sind.

Geheimhaltung soll vor weiterer Gewalt schützen

Das Ministerium für innere Angelegenheiten ist sich des Problems bewusst und hat 2014 alle lokale Regierungen aufgefordert, Informationen vertraulich zu behandeln. Trotzdem gibt es weiterhin Datenlecks. Dabei ist es vor allem die Unwissenheit der Mitarbeiter, welche die Fehler verursachen, da sie die Regelungen nicht genau kennen.

Das Unterstützungsprogramm dürfen an sich alle beantragen, die Opfer von häuslicher Gewalt, Kindesmisshandlung, Stalking und ähnlichen Verbrechen geworden sind. Über die Kommunalverwaltung wird dann versucht, ihnen einen neuen Wohnort zu verschaffen, der vor den Tätern geheim gehalten wird, um weitere Fälle von Gewalt zu verhindern.

Wenn Täter oder ihre Anwälte versuchen, Informationen über den Wohnort über die Register zu finden, erhalten sie eine Warnung und ihr Zugriff auf die Daten wird eingeschränkt. Im Fall der Frau aus Tokyo kam es jedoch beim Meguro Bezirk zu einem Fehler.

Mutter und Kind leiden unter dem Vorfall sehr

Ein Beamter der Steuerbehörde hatte ein Dokument zu Rückzahlungen an den Mann geschickt. Auf ihm stand jedoch die neue Adresse der Frau. Es wurde einfach vergessen zu überprüfen, ob die Frau in dem Unterstützungssystem ist. Zu Recht war das Opfer darüber sehr wütend, vor allem weil es Monate dauerte, bis der Fall bekannt wurde. Der Vorfall selbst wurde nicht in der aktuellen Statistik erfasst.

Die kleine Familie musste aufgrund des Vorfalls in einem Hotel leben, das der Bezirk bezahlte. Alles, was sie hatten, passte in einen Koffer und eine Tüte. Nichtmal Spielzeug für die Tochter gab es. Erst nach zwei Monaten durfte die Frau zurück zur Wohnung, wobei aufgrund von Schimmel- und Insektenbefall nicht viel zu retten war. Das Kind der Frau zeigt hingegen mittlerweile ein sehr angstvolles und schreckhaftes Verhalten. Die Frau leidet selbst an gesundheitlichen Problemen und benötigt Medikamente.

Als Reaktion auf den Fall hat die Steuerabteilung des Bezirks Adressenangaben aus den Formularen gestrichen und den Arbeitsstil angepasst. Eine wichtige Entscheidung, denn immer mehr Menschen nehmen das Programm aufgrund von Gewalt in Anspruch. 2019 gab es insgesamt 137.796 Anmeldungen. Aufgrund der Pandemie könnten es für 2020 noch mehr werden.

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