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Theorie von Charles Darwin wird verdreht

Japans Regierungspartei macht sich mit Manga zum Gespött

Die regierende Liberaldemokratische Partei (LDP) in Japan versucht schon lange eine Verfassungsänderung zum pazifischtischen Artikel zu erwirken. Doch so recht einverstanden damit sind weder die anderen Parteien noch die Bevölkerung. Die LDP versuchte deswegen nun mit einem Manga zu überzeugen, der allerdings für große Lacher sorgte.

Der Manga mit dem Namen Oshiete! Moyawin hat je nur vier Panels und soll den Hintergrund der Verfassungsänderung rechtfertigen. Als Hauptfigur tritt ein Mann mit dem Namen Moyawin auf, der sehr stark an Charles Darwin erinnert. Moyawin erklärt, dass angeblich nicht der stärkste oder cleverste überlebt, sondern derjenige, der sich ändern kann.

Darwin wird falsch zitiert

Weiter heißt es dann, dass Japan sich auch noch weiter entwickeln muss und deswegen die Verfassungsänderung notwendig ist. Drei der Manga Strips wurden am 19. Juni von dem PR-Account des LDPs veröffentlicht und der Manga ist als fortlaufende Reihe gedacht. Ob das jedoch so bleiben wird, bleibt fraglich, da der Manga für viel Spott sorgte.

Auf Twitter löste der Manga schnell viel Aufmerksamkeit aus. Die Behauptungen in dem Text wurden nämlich nie von Darwin im Rahmen seiner Evolutionstheorie getätigt. Stattdessen stammen sie von einer Interpretation von US-Ökonomen in einem Artikel aus den 60er. Die Ansichten werden dabei jedoch noch heute als Missbrauch von Darwins Ideen angesehen.

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Zahlreiche Nutzer wiesen darauf hin, dass die Theorie von Darwin komplett falsch verwendet wird. Es wird der LDP vorgeworfen, dass sie das mit Absicht getan haben, um ihren Standpunkt zu vertreten. Allgemein fanden viele die Verbindung zu der Evolutionstheorie und der Verfassungsänderung für unangemessen.

Verbindung mit Politik ist gefährlich

Kritik gibt es auch von Experten wie der Psychiaterin Rika Kayama. Laut ihr wurde im 19. und 20. Jahrhundert die Evolutionstheorie zum Sozialdarwinismus umgewandelt. Vor allem die Nazis haben den Gedanken vom „Überleben des Stärkeren“ dazu verwendet, um ihren Rassismus und die Eugenik zu rechtfertigen. Kayama betont deswegen, dass diese vereinfachte Form in der Politik sehr gefährlich sein kann. Sie fragt sich dabei, ob die LDP den Manga mit Absicht so verfasst hat oder ob es ein Versehen war.

Auch Professor Satoshi Chiba von der Tohoku University Graduate School of Life Sciences zeigt sich sehr kritisch. Evoltuion verändert sich ohne eine Richtung und der Wandel kann weder als gut noch schlecht bezeichnet werden. Es ist eine Veränderung der Gruppeneigenschaft und ein Resultat der natürlichen Selektion sowie anderen Phänomenen. Zur LDP spottet er, dass die PR-Abteilung ziemlich schlecht sei, wenn sie bei dem Thema so etwas schreiben, obwohl selbst Kinder schon in der Schule die Theorie korrekt lernen.

Nicht der erste Fehltritt

Für die LDP ist der Manga jedoch gleich doppelt peinlich. Es ist nämlich nicht das erste Mal, dass sie Darwins Theorie für ihre Zwecke verwenden. 2001 sprach der damalige Premierminister Junichiro Koizumi im Parlament über die Theorie im Zusammenhang mit einer Strukturreform. Er sprach dabei davon, dass Lebewesen, die sich an Veränderungen anpassen, auch überleben, wobei er jedoch von Menschen sprach.

Auch diese Aussage sorgte für massive Kritik und Chiba erklärte, dass auch dies eine falsche Erklärung sei. Allgemein findet er, dass es ein ernsthaftes und gefährliches Problem ist, Biologie in die Politik zu bringen. Die LDP reagiert bis jetzt nicht auf die massive Kritik und gab keine Erklärung zu dem Manga ab.

MS

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