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Projekte sollen Felder retten

Japans Reisterrassen werden immer mehr dem Verfall überlassen

Ein typisches Bild im Landschaftsbild von Japan sind die Reisterrassen, die sogenannten Tanada, die an den Bergen emporsteigen. Diese nostalgischen Anbauflächen werden jedoch immer mehr aufgegeben und dem Verfall überlassen.

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Die Reisterrassen werden in Japan seit Jahrhunderten für den Anbau genutzt. Ihre Bauart sorgt dafür, dass sich die stufenartigen Felder zwischen April und Mai einfach mit Wasser befüllen lassen, in dem dann die Setzlinge gesetzt werden.

Zahl der Reisterrassen hat sich halbiert

Neben seines landwirtschaftlichen Nutzens gelten die Felder auch als ein malerischer Teil der Natur, weswegen auch die Rede von „Senmaida“ ist, die „tausend Reisfelder“. Tausende gibt es von ihnen allerdings schon lange nicht mehr.

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Die Mainichi Shimbun führte eine Umfrage unter 107 Gemeinden mit insgesamt 134 Reisfeldern durch, die 1999 zu den 100 schönsten des Landes gehörten. Sie wurden von dem Landwirtschaftsministerium ausgewählt, um den Erhalt und die Pflege von dieser Art von Feldern zu fördern.

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Viel gebracht hat es jedoch nicht. Auf die Umfrage von Mainichi hatten 101 Gemeinden mit 127 Feldern geantwortet. Bei 37,8 Prozent der Gemeinden ist die Gesamtfläche der Felder geschrumpft. Sechs Reiseterrassen wurden hingegen komplett aufgegeben.

Nur bei 48 Prozent gab es keine Veränderungen seit der Zertifizierung. Minehiro Nakashima von der Waseda University ist Berater der Rice Terrace Research Association. 2019 schätze er, dass es um die 150.000 Hektar an Reisterrassen in Japan gibt. Das sind sechs Prozent der Gesamtfläche an Reisfeldern im Land.

Nakashima geht dabei davon aus, dass sich seit 1970 die Zahl der Reisterrassen halbiert hat. Grund dafür ist die Regierung, die in dem Jahr mit seiner Politik zur Reduzierung von Reisanbauflächen begonnen hatte. Bauern fingen an, andere Pflanzen anzubauen oder sie gaben die Flächen ganz auf.

Bauern finden keine Nachfolger mehr

Da die Bevölkerung immer älter wird, nimmt der Mangel an Arbeitskräften zu, was den schnellen Rückgang nur noch verstärkt. Die Pandemie hat die Situation in der Landwirtschaft verschlimmert. Reisterrassen trifft dabei zuerst, da sie schwierig in der Pflege und Bewirtschaftung sind.

Ihr Vorteil ist, dass der Reis aufgrund der Anbauart als besonders hochwertig gilt und sich dementsprechend teurer verkaufen lässt. Zusätzlich erfüllen die Terrassen noch eine sehr wichtige Aufgabe bei der Vorbeugung von Überschwemmungen und Erdrutschen, da sie das von Bergen herabfließende Wasser speichern.

Einheimischen geht es meistens jedoch um den Verlust eines besonderen Teils der Landschaft. Kunimi no Tanada in Nasukarasuyama, Tochigi gehört zu den sechs aufgegebenen Feldern. Früher waren die Felder sehr beliebt und wurden sogar für Filmkulissen genommen.

Laut dem Ministerium war die Anbaufläche 2,1 Hektar groß und wurde von 50 Farmern aus zehn Haushalten bewirtschaftet. Heute ist nur noch Unkraut und Gestrüpp zusehen, was Anwohner traurig macht. Nur noch auf fünf Feldern wird Reis angebaut, zur Selbstversorgung der Farmer. Aber auch sie werden wohl in den kommenden Jahren aufgeben, da sie keine Nachfolger haben.

So sieht es auch bei den anderen Feldern aus. Während Schilder noch darauf hinweisen, dass die Reisterrassen zu den 100 schönsten in Japan gehören, sind sie überwuchert und verlassen. Bei Nishiyama Tanada in Kurihara, Miyagi kommen manchmal noch Touristen vorbei, die dann enttäuscht vom Anblick sind. Die Gemeinde denkt deswegen über eine Entfernung des Schildes nach.

Verschiedene Systeme sollen die Reisfelder retten

Es gibt aber auch gute Nachrichten. Kanayama Tanada in Ichinoseki, Iwate, steht zwar nicht auf der offiziellen Liste, gilt aber als besonders schöne Reisterrasse. 2019 wurden alle Felder aufgegeben, als der Farmer in Rente ging. Vier Freiwillige gründeten jedoch Play Farm und retteten unter Anleitung des Bauers die Felder. Den Reis gibt es mittlerweile als Steuergeschenk der Stadt.

Das System könnte dabei helfen, dass die Felder langzeitig gerettet werden. Eine andere Idee ist, dass Stadtbewohner die Felder übernehmen und einen Mitgliedsbeitrag bezahlen, der an lokale Farmer geht, die sich um die Fläche kümmern. Die Besitzer helfen selbst bei verschiedenen Arbeitsschritten mit, wie beim Pflanzen und können sich sonst zurücklehnen. Das System gibt es bereits in 90 Regionen in Japan.

Zusätzlich wurde von der Regierung 2019 ein Gesetz zur Förderung der Reisterrassen verabschiedet. Bauern, die ausgewiesene Terrassen nutzen, bekommen einfacher Subventionen und Vorschläge, wie sie die Fläche am besten nutzen können. Bis zum 15. April 2021 gab es im ganzen Land 642 registrierte Gebiete.

Nach Angaben des Kabinetts gab es deutlich mehr Anträge als erwartet. Da jedoch ganze Gemeinden durch das Gesetz unterstützt werden, wollen sie, dass die Menschen aktiv die Felder nutzen und sie über Generationen weiter erhalten.

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