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Menschen sollen Hotline anrufen und nicht alleine mit ihren Problemen bleiben

Japans Selbstmordprävention-Hotlines verzeichnen starken Anstieg

In Japan herrscht weiterhin der Ausnahmezustand. Für die Menschen bedeutet das, dass sie weiterhin Zuhause bleiben sollen. Diese Selbstisolierungen und andere Probleme im Zusammenhang mit der Krise setzen den Menschen jedoch stark zu. Aus diesem Grund steigt die Zahl der Anrufe bei Selbstmordprävention-Hotlines.

Gruppen, die Hilfe bei Selbstmordgedanken anbieten, bestätigten, dass sie regelrecht von Anrufen überflutet werden. Viele der Anrufer können aufgrund von Lohnkürzungen nicht den Monat überstehen. Andere fühlen sich alleine, da sie nicht mehr die Möglichkeiten haben sich mit anderen zu treffen.

Gruppen motivieren zum Anrufen

Der Betreiber der Yorisoi-Hotline, von der gemeinnützigen Organisation Lifelink, meldete einen starken Anstieg an Anrufen. Im Februar kamen sie bei der Hotline zur Selbstmordprävention nur zu sechs Anrufen in Bezug zu Covid-19. Im April lag die Zahl bereits bei 156 Konsultationen. Unter anderem sind die Anrufer wegen der Ausbreitung des Virus, dass sie ihren Lebensunterhalt nicht verdienen können und der verschlechternden Familienbeziehungen besorgt.

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Der Leiter von Lifelink, Yasuyuki Shimizu, erklärt, dass sie bei den Gesprächen besonders behutsam vorgehen. Sie wollen eine Situation wie 1998 zur Wirtschaftskrise vermeiden, wo sich mehr als 30.000 Menschen das Leben nahmen. Hirotsugu Sanpei von Fukushima Inochi no Denwa gab ab, dass Menschen an Selbstmord denken, wenn sie die Lage beunruhigt und sie ihre Probleme deutlich sehen. Ähnlich sei es beim Erdbeben 2011 gewesen.

Der Vertreter von einer Gruppe hinter einer der Hotlines warnt deswegen vor den Folgen des weiteren Ausnahmezustands. Wachsende Sorgen können weiter zunehmen, zusammen mit den Selbstmordgedanken. Die Gruppe motiviert deswegen die Menschen bei ihnen anzurufen, damit sie ihre Probleme nicht alleine tragen müssen. Sanpei ruft ebenfalls dazu auf bei ihnen anzurufen, da nur eine kleine Gruppe an Betroffenen sich wirklich meldet. Er verspricht, dass sie jedem aufmerksam zuhören und sie ruhig über ihre Sorgen sprechen sollen, damit es für sie einen Hoffnungsschimmer gibt.

Geldsorgen machen krank

Tatsächlich denken immer Menschen darüber nach, sich das Leben zu nehmen. Eine Frau in den 40ern aus Tokyo gab an, dass sie nachdachte sich und ihre Kinder umzubringen. Schon Ende März bekam sie Selbstmordgedanken, als der Umsatz ihres Unternehmens fast komplett auf null fiel. Sie musste Kredite in einer Höhe von 34.100 Euro aufnehmen, um ihre rund 20 Mitarbeiter zu bezahlen.

Im April musste sie anfangen das Gehalt ihres Mannes und ihre eigenen Ersparnisse zu verwenden, um das Unternehmen am Leben zu erhalten. Mittlerweile hat sie kaum noch Geld übrig. Es reichte gerade noch, um die Angestellten für Mai zu bezahlen. Neben den großen finanziellen Schwierigkeiten hat sich nämlich ebenfalls ihr Gesundheitszustand verschlechtert und sie leidet unter einer Anpassungsstörung.

Selbstisolierung setzt den Menschen zu

Aufgrund ihrer starken Selbstmordgedanken hat sie bereits für ihren Tod vorgesorgt. Ihren letzten Willen hat sie digital auf den PC gespeichert, in dem sie um keine Beerdigung bittet und erklärt, wo die Versicherungspapiere sind. Ihren Hund, den sie sieben Jahre hatte, hat sie einer Wohlfahrtsorganisation überlassen. Die Frau erklärte am Telefon, dass ihr der Selbstmord nicht leicht fallen würde, da sie ihre Kinder zurücklassen muss. Das Geld aus der Versicherung könnte ihrer Familie jedoch helfen.

Mit diesen Sorgen, der Verzweiflung und Selbstmordgedanken kämpfen zahlreiche andere Menschen. Besonders Frauen scheinen dabei ihren Tod als letzten Ausweg zu sehen. Eine 31 Jahre alte arbeitslose Frau aus Chiba gab an, dass sie sich wegen der Selbstisolierung mental nicht gut fühlt. Wegen einer psychischen Störung besucht sie bereits regelmäßig einen Arzt.

Zurzeit besucht sie die Einrichtung jedoch immer seltener, ihre Ängste verstärken sich durch die Einsamkeit und mit Freunden hat sie sich seit Beginn des Ausnahmezustandes nicht mehr getroffen. Noch könne sie lachen, aber wenn sie darüber nachdenkt, dass die Lage noch lange anhalten kann, fühle es sich an wie zu sterben.

Wenn ihr Sorgen, Probleme oder Selbstmordgedanken habt, wendet euch an die folgende Nummer oder besucht die Webseite der Telefonseelsorge.

Sorgentelefon Deutschland: 0800 1110111

MS

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