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Mio Sugita erhält den ersten Platz

Japans sexistischster Kommentar des Jahres geht an Abgeordnete

Japans Politiker sind dafür bekannt, dass sie gerne mal mit Aussagen zum Thema Gleichberechtigung für Empörung sorgen. Zum internationalen Frauentag würde deswegen wieder mal Japans sexistischer Kommentar des Jahres gewählt.

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Über eine Online-Umfrage konnte zu acht verschiedenen Aussagen von japanischen Politikern abgestimmt werden. Organisiert wurde der Preis zum vierten Mal von der Gruppe NOASEPS, die aus Universitätsprofessoren und weiteren Personen besteht, die sich gegen Diskriminierung einsetzten.

Sexistischer Kommentar kommt von Mio Sugita

Insgesamt gab es 6.031 Stimmen, die von 3.044 Personen abgeben würden. Etwas überraschend erhielt dabei eine Aussage der Abgeordneten Mio Sugita die meisten Stimmen, womit es der „sexistischer Kommentar 2020“ ist.

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Die 53-Jährige ist Unterhausmitglied der regierenden Liberaldemokratischen Partei (LDP) und hatte letzten September für Empörung gesorgt. In einer geschlossenen Sitzung zur Anpassung des Gesetzes für Sexualverbrechen hatte sie sich abfällig über Opfer von sexueller Gewalt geäußert.

„Frauen würden so viel herum lügen wie sie wollen“, so Sugita. Indirekt sagte sie damit, dass Frauen bei den Übergriffen eigentlich alle lügen würden und das Gesetz für ihre Zwecke missbrauchen. Sugita hätte zuerst den Kommentar abgestritten. Nachdem der öffentliche Druck jedoch gewachsen war, gab sie ihn doch zu und entschuldigte sich.

Ein herzloser Kommentar zu Opfern von sexueller Gewalt

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Vergessen haben vielen den Vorfall jedoch nicht und mit 1.995 Stimmen, was 33,1 Prozent Stimmen sind, würde Sugita dieses Jahr zur Siegern gewählt. Bei der Abstimmung hatte eine Person angeben, dass schrecklich herzlos sei so etwas über die Opfer zu sagen, die sich sehr gequält haben, um das Verbrechen zu melden.

Sugita fällt nicht zum ersten Mal negativ auf. Die Abgeordnete hatte schon in der Vergangenheit mit anderen sexistischen und homophoben Kommentaren für Empörung gesorgt. Dafür erhielt sie unter anderen 2019 den zweiten Platz beim sexistischen Kommentar des Jahres.

Trotzdem waren einige Personen von den Ergebnissen überrascht. Viele hatten erwartet, dass der ehemalige Chef des Paralympischen und Olympischen Organisationskomitees von Tokyo den ersten Platz macht.

Ehemaliger Chef des Olympischen Organisationskomitees auf Platz 2

Yoshio Mori landete jedoch mit 1.216 Stimmen nur auf dem zweiten Platz. Der 85-Jährige hatte international für große Proteste gesorgt, nachdem er sich bei einem Treffen sexistisch zu Frauen in Führungspositionen geäußert hatte.

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Sie würden angeblich wegen ihres Konkurrenzdenkens zu viel reden und dadurch Meetings in die Länge ziehen Mori versuchte so zu erklären, warum so wenig Frauen in den Vorständen sitzen. Mori musste im Februar wegen des Skandals zurücktreten.

Professorin Masumi Minagawa, Mitglied der Gruppe, wies darauf hin, dass sie zwar nur acht Kommentare nominiert haben, es aber öffentlich viele problematische Aussagen gibt. Der Vorfall mit Mori hatte allerdings auch was Gutes.

Positive Entwicklungen als Hoffnungsschimmer

Er habe mit seinem Rücktritt Verantwortung übernommen, was selten vorkommt. Das zeige, dass starke Kritik wirklich etwas bewegen kann und zu Veränderungen führt. Moris Platz wurde nämlich erstmals von einer Frau übernommen.

Trotzdem gibt noch viel zu tun, da Sugita trotz all ihrer Lappalien weiterhin für die LDP im Parlament sitzt. Konsequenz hatten ihre Aussagen nicht wirklich, was viele immer noch wütend macht. Auch andere Politiker kommen in den meisten Fällen mit einer Entschuldigung davon.

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