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Japans Skigebiete leiden unter dem schlimmsten Winter seit Jahrzehnten

Enttäuschung bei Skifans

Japans Skigebiete leiden unter dem schlimmsten Winter seit Jahrzehnten, denn es gibt viel zu wenig Schnee. Einheimische sehen mittlerweile den Ruf einiger Regionen als Skigebiet gefährdet.

In Hokkaido im Norden, wo Gebiete wie Niseko für zuverlässigen, frischen Pulverschnee bekannt sind, fiel kein Schnee im Dezember und ist auch im neuen Jahr spärlich. In Sapporo wurden die Ski-Wettbewerbe abgesagt und die Stadt lässt für das jährliche Schneefest Schnee anliefern. Der Schneefall im Dezember war der niedrigste seit Beginn der Aufzeichnung durch das Wetteramt im Jahr 1961.

In einigen Skigebieten ist Skifahren nicht mehr möglich

In den weiter südlich gelegenen Gebieten sind die Bedingungen schlechter. In Nagano, wo 1998 die Olympischen Winterspiele stattfanden, ist mittlerweile kein Skifahren mehr möglich. Im Erholungsgebiet Zao in der Präfektur Yamagata, das bekannt für seine Schneemonster ist, sind in diesem Jahr nur wenige Monster zu sehen. Die Präfektur Niigata, Schauplatz des klassischen Romans Schneeland, hat in diesem Jahr nur ein Viertel der üblichen Schneemenge.

In vielen Skigebieten gibt es immer noch genügend Schnee, aber Japan hat seinen internationalen Ruf als Skidestination auf die Zuverlässigkeit seiner jährlichen Schneefälle gestützt. Die chinesischen Neujahrsfeiertage, die Ende dieses Monats beginnen, werden einen massiven Zustrom von Skifahrern aus Hongkong, Taiwan und China mit sich bringen, die schwer enttäuscht sein dürften.

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Für ein Land, für das der Tourismus wichtig ist und für eine Branche, die wegen der Auswirkungen des Klimawandels bereits nervös ist, ist dieser Winter ein bedrohliches Zeichen.

Kein Schnee im Garten

Andrew Lea, Gründer der Website Snow Japan, lebt seit 29 Jahren in Niigata. Bis Mitte Januar liegt normalerweise mindestens ein paar Meter Schnee vor seinem Haus, aber dieses Jahr war sein Garten noch zu sehen.

„Leute, die seit 60 oder 70 Jahren hier sind, können sich an nichts dergleichen erinnern“, so Lea, dessen Website eine unabhängige Quelle für Skibedingungen in 500 Resorts in Japan ist, die die täglichen Schneefälle aufzeichnet. „Einheimische bekommen ein bisschen Angst. Wenn wir nicht bald Schnee bekommen, müssen die Unternehmen anfangen zu schließen. “

Die meisten japanischen Skigebiete liegen an der Westküste Japans. Von einigen Gipfeln aus können Skifahrer das Japanische Meer sehen.

Niedrigster Stand seit fast 60 Jahren

Die Meteorological Agency, die das Wetter an Hunderten von Stationen im ganzen Land verfolgt, warnte Anfang Januar, dass der Schneefall in der Region den niedrigsten Stand seit fast 60 Jahren erreicht habe.

An seiner Station in Yuzawa, Präfektur Niigata, hat die Agentur am vergangenen Donnerstag eine Schneehöhe von 8 Zentimetern gemessen, verglichen mit einem 30-jährigen Jahresdurchschnitt von 106 cm.

In der Stadt Yamagata bei Zao betrug die Schneemenge 1 cm, verglichen mit einem Durchschnitt von 20 cm und Hakuba, Präfektur Nagano, verzeichnete die Agentur keinen Schnee, verglichen mit einem Durchschnitt von 47 cm.

Dieser Winter war ungewöhnlich warm und trocken, was der Wetterforscher Hiroaki Kawase als Folge der natürlichen Variabilität beschrieb. Dennoch sagte er: „Die globale Erwärmung verwandelt Schneefall in Regen.“

Kawases Klimamodelle sagen voraus, dass Japans Mittelgebirge bis zur Mitte dieses Jahrhunderts aufgrund des Klimawandels 10 bis 20 Prozent weniger Schnee haben wird. Bis zum Ende des Jahrhunderts rechnen seine Modelle mit einem Rückgang von 20 bis 40 Prozent.

Japan ist mit diesem Problem nicht allein. Der Klimawandel wirkt sich bereits auf den Schneefall in den europäischen Alpen aus und gefährdet den Tourismus in Ländern wie Österreich und Frankreich. Viele südkoreanische Resorts haben auch in diesem Winter wenig Schnee.

Die japanische Skiindustrie erlebte in den Boomjahren der 1980er Jahre einen Aufschwung. Bis 1998 wuchs die Zahl der aktiven Skifahrer und Snowboarder auf 18 Millionen. Der wirtschaftliche Abschwung und die immer älter werdende Bevölkerung forderten jedoch ihren Tribut. 2016 zählte die Branche 5,8 Millionen Skifahrer und Snowboarder weniger, als es noch 1982 der Fall war.

Die Anlagen und der Schnee blieben jedoch erhalten. In jüngerer Zeit hat sich die Skiindustrie zu einer tragenden Säule Japans entwickelt, um mehr Touristen aus dem Ausland anzuziehen.

Insbesondere Niseko wurde aufgrund seines zuverlässigen Schneefalls zu einem internationalen Reiseziel. Berichte über mehr Schnee und weniger Menschenmassen brachten Skifahrer aus den USA, Kanada, Frankreich und Deutschland.

Tourismusbranche leidet unter dem wenigen Schnee

Von Hotels und Restaurants bis hin zu Skilehrern und -führern sind Unternehmen von der Schneeknappheit betroffen. Clayton Kernaghan, Gründer der Black Diamond Lodge und des Hokkaido Backcountry Clubs in Niseko, beginnt normalerweise am 1. Januar mit Touren in den Bergen rund um das Resort. Er musste Kunden anrufen, um alle Reisen in dieser Saison bis zum 20. Januar abzusagen.

„Unsere Kunden sind nicht zufrieden. Das schadet definitiv dem Geschäft“, so Kernaghan, ein Kanadier, der vor zwei Jahrzehnten nach Japan gezogen war. „Wenn Sie das Geschäft um den Pulverschnee aufbauen und dann keinen Pulverschnee finden, ist das eine Katastrophe.“

Hackworth, ein Australier, der Resorts in seinem Heimatland betrieb, gehörte zu einer Gruppe von Investoren, die im Jahr 2004 Hanazomo von Niseko, erwarb. Drei Jahre später kaufte der Hongkonger Milliardär Richard Li Pacific Century Group Hackworth und seine Partner auf, übergab ihm jedoch die Verantwortung für den Betrieb, als der Immobilienkonglomerat begann, in die Verbesserung der Einrichtungen zu investieren. Heute gibt es neue Restaurants und Lifte. Ein Park Hyatt Hotel wird noch in diesem Monat eröffnet.

Beschneiungsanlagen gehörten nicht zu den Investitionen. Niseko macht wie mehr als zwei Drittel der japanischen Resorts keinen Schnee. Sie haben es nie gebraucht. Aber mit mehr Winter wie diesem, sagt Hackworth, ist es nicht ausgeschlossen. „Wenn dies zu einem dauerhaften Zustand wird, würden wir es prüfen“, sagte er. „Wir würden überlegen, Schnee zu machen.“

Skifahrer werden immer auf natürlichen Schnee hoffen und der Winter ist noch nicht vorbei. Am Morgen des 17. Januar meldete Snow Japan in Niseko 31 cm Neuschnee und prognostizierte in den kommenden Tagen soll es erneut schneien.

TJT

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