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Menge des Abfalls steigt an

Japans Versuch den Plastikabfall zu reduzieren scheitert an der Umsetzung

Japan hat sich zum Ziel gesetzt, den Plastikabfall zu reduzieren. Eine der Maßnahmen ist, dass Einzelhändler ihren Kunden nun Plastiktüten berechnen müssen.

Für die japanische Regierung ist dieser Schritt eine wichtige Maßnahme, um die Menge an Einwegkunststoffen zu reduzieren.

Da die Tüten, die man beim Einkaufen bekommt, gerne als Mülltüten verwendet werden, ist der Verkauf von Müllsäcken allerdings gestiegen, was die Maßnahme negiert. Zudem stockt der Plan der Regierung durch die Pandemie.

Japans Regierung will die das Empfinden für Plastikmüll in der Bevölkerung steigern

In einem Artikel, der am 1. Juli bei Diamond Online erschien, schrieb Tatsuya Kakita, eine Forscherin für Verbraucherangelegenheiten, dass die Regierung weiß, dass das neue Gesetz wahrscheinlich nicht zu einer Verringerung des Plastikmülls führen wird und auch nicht behauptet, dass dies der Fall sein wird. Wenn dies das eigentliche Ziel wäre, dann würde es nur die Plastikeinkaufstaschen verbieten.

Mehr zum Thema:  Zahlreiche Flüsse und Häfen in Japan weisen Mikroplastik auf

Das Handelsministerium sagt, das Ziel des Gesetzes sei es, die Verbraucher dazu zu bringen, sich mit dem Problem des Plastikabfalls auseinanderzusetzen.

Die Einzelhändler können ihre eigenen Preise für Einkaufstaschen festlegen, die je nach Größe und Geschäft zwischen 1 und 5 Yen pro Stück liegen.

Einem Artikel in der Abema Times zufolge berechnen viele Zentralen von Lebensmittelgeschäften ihren Franchisenehmern für Plastikeinkaufstaschen einen Aufpreis, der als Gewinn ans Unternehmen geht. In den meisten Fällen bedeutet das, dass einzelne Geschäfte in der Vergangenheit Einkaufstaschen mit Verlust ausgegeben haben. Diese Regelung gilt auch weiterhin, obwohl die Kunden nun für die Taschen bezahlen müssen.

Eine Ausnahme bilden Tragetaschen, deren materieller Inhalt zu mindestens 25 Prozent aus Biomasse besteht, die von den Einzelhändlern kostenlos abgegeben werden können, obwohl laut NHK die meisten Convenience-Stores planen, auch dafür Gebühren zu erheben.

Biomasse wird aus tierischen und pflanzlichen Quellen gewonnen. Laut einem Interview mit Haruo Nozaki, Präsident der Household Japan Co., in der Abema Times, werden fast alle in Japan verwendeten Biomassetüten in Brasilien hergestellt, sodass es derzeit aufgrund der Coronavirus-Krise einen Mangel an solchen Tüten gibt.

Biomasse verschiebt das Problem nur

Kakita sagt, dass eine 25-prozentige Mindestschwelle für Biomasse keinen großen Unterschied machen wird. Der Zweck der Umstellung auf Biomasse hat weniger mit Abfall zu tun als mit der Abkehr von fossilen Brennstoffen, dem Rohstoff für Kunststoffe, die zur globalen Erwärmung beitragen. Indem sie den Verbrauch von mehr Biomasse-Material fördern, scheinen die Behörden eher dem Klimawandel als dem Abfallproblem zu begegnen.

Obwohl die Menge der Plastikeinkaufstaschen ein Problem darstellt, hat ihre Reduzierung oder sogar ihr Verbot in erster Linie symbolischen Charakter.

In einem Artikel in der Ausgabe vom 16. Juli des Wochenmagazins Shukan Shincho sagt ein Vertreter des Plastic Waste Management Institute, dass Taschen nur 2 Prozent der 8,91 Millionen Tonnen Plastik ausmachen, die jedes Jahr in Japan weggeworfen werden.

Laut Professor Hideshige Takada von der Tokyo University of Agriculture and Technology ist der in Taschen verwendete Kunststoff jedoch schädlicher als andere Plastikprodukte.

Kunststoffverpackungen sind ein größeres Abfallproblem, insbesondere inmitten einer Pandemie, die die Menschen dazu zwingt, die meiste Zeit zu Hause zu verbringen.

Menge an Plastikabfall in vielen Regionen gestiegen

Die Autorin eines Artikels vom 29. Mai in der Asahi Shimbun berichtet, dass sie seit dem Beginn der Pandemie bemerkt hat, dass der Haufen recycelbaren Plastikmülls in ihrem Haus deutlich größer geworden ist.

Die von der Stadt im April gesammelte Menge an Plastikabfall war fast 17 Prozent höher als im April 2019. Insgesamt gesehen betrug die Zunahme des Volumens des gesamten Haushaltsmülls jedoch nur 5 Prozent, während die Menge des Gewerbeabfalls um etwa 25 Prozent zurückgegangen war, was die Tatsache widerspiegelt, dass viele Unternehmen aufgrund der Pandemie den Betrieb eingestellt haben. Lediglich der Verbrauch von Kunststoffen ist auffällig gestiegen.

Die Verbraucher mögen sich solche Nachrichten zu Herzen nehmen, denn der Fachbegriff lautet hier „wiederverwertbarer Kunststoff“, und laut dem Institut für Kunststoffabfallwirtschaft werden 82 Prozent der wiederverwertbaren Kunststoffabfälle „verarbeitet“, aber nur 17 Prozent werden tatsächlich wieder in Kunststoffmaterialien umgewandelt.

Der größte Teil des Rests wird verbrannt, ein Prozess, der in Japan als Recycling gilt, in anderen Ländern jedoch nicht, sodass der Kunststoffabfall zwar nicht unbedingt als Kunststoff in die Umwelt gelangt, aber zur globalen Erwärmung beiträgt.

Der Professor Sadao Harada von der Osaka University of Commerce sagte gegenüber NHK, dass die meisten Japaner Japan aufgrund seiner Technologie für ökologisch fortschrittlich halten. Japanische Produkte verbrauchen weniger Strom und die Autos sind kraftstoffeffizienter.

Bei Trinkwasser findet ein Umdenken statt

Die einzige Branche, in dem sich das Bewusstsein zu verbessern scheint, ist die Trinkwasserproduktion, doch auch hier macht sich die Pandemie bemerkbar.

Mit der zunehmenden Beliebtheit von Wasser, das in Einweg-PET-Flaschen verkauft wird, ist der einst übliche öffentliche Trinkbrunnen in den letzten Jahrzehnten verschwunden.

NHK berichtet, dass es in den U-Bahn-Stationen der Tokyoter Metro im Januar 2015 198 Trinkbrunnen gab. Im Mai 2018 gab es keine mehr.

Alle Toei-U-Bahnstationen verfügen jedoch noch immer über Trinkbrunnen, an denen die Menschen ihre wiederverwendbaren Wasserflaschen nachfüllen können und nun bieten mehr Restaurants und Einzelhändler kostenlose Wasserstationen zum Nachfüllen an, ohne die Verpflichtung, etwas zu kaufen.

Es gibt sogar eine Smartphone-App, die den Benutzern nahe gelegene Trinkbrunnen oder Wasserstationen in Tokyo anzeigt.

Aber auch hier hat die Pandemie alles verändert. Die Menschen sind abgeneigt, Wassernachfüllstationen zu benutzen und Plastik ist eines der billigsten und effektivsten Materialien, um die Ausbreitung des Virus zu verhindern.

Atemmasken und Schutzschilde, medizinische Schutzausrüstung – sie alle enthalten zumindest etwas Plastik. Plastikabfall zu reduzieren, steht im Moment ganz unten auf der Liste der Menschen, denn die meisten haben durch die Pandemie etwas anders im Kopf.

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