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Viele wollen, bekommen aber keinen Termin

Junge Menschen in Japan sind Impfungen nicht so abgeneigt, wie Politiker glauben

Wenn es um die Impfung geht, hört man von vielen Politikern in Japan immer den gleichen Tenor: „Junge Menschen wollen sich nicht impfen lassen“.

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Tatsächlich zeigen Statistiken, dass die Skepsis gegenüber der Corona-Impfung gerade unter der jüngeren Bevölkerung sehr groß ist.

Viele junge Menschen möchten sich impfen lassen, können es nur nicht

Allerdings ist dies nur eine Seite der Medaille, denn viele junge Menschen wollen sich eigentlich gerne impfen lassen, wenn man es ihnen anbietet.

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Ein Beispiel dafür ist ein Impfzentrum für junge Menschen in Shibuya. Als es eröffnet wurde, bildete sich schnell eine 1 Km lange Schlange von Impfwilligen.

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Am zweiten Tag war der Andrang sogar noch größer, sodass man eine Lotterie für Termine einführte, um einen Menschenandrang zu vermeiden. Kleiner Harken, man muss zuerst physisch anwesend sein, um überhaupt an der Terminlotterie teilnehmen zu können.

Dies führte wiederum dazu, dass noch mehr Menschen in einer Schlange vor dem Impfzentrum warteten, um zu sehen, ob ihre Nummer gezogen wurde.

Mittlerweile soll das Lotteriesystem auf eine eigene Webseite ausgelagert werden.

Politiker ohne klare Sicht auf die Situation

Die Gouverneurin von Tokyo, Yuriko Koike, verschärfte die absurde Situation noch, indem sie sich darüber beschwerte, dass die Menschen, die sich für die Impfungen anstellten, gegen die sozialen Distanzierung verstießen.

Dass das Zentrum förmlich überrannt wird, konnte natürlich niemand aus der Stadtverwaltung ahnen, denn man nahm an, dass sich junge Menschen sowieso nicht impfen lassen wollen würden. Die Annahme stimmt aber nur insoweit, wenn man sie mit anderen Bevölkerungsgruppen vergleicht.

Eine Umfrage vom 26. August zeigt, dass 19 Prozent der 20- bis 30-jährigen in Japan nicht vorhaben, sich nicht impfen zu lassen. In den anderen Altersgruppen ist der Anteil ähnlich hoch.

Die Annahme, dass die Impfverweigerer bei den jungen Menschen in Japan besonders weitverbreitet sind, passt zu einem immer wiederkehrenden Vorurteil, das bei jeder Infektionswelle immer wieder von Politikern aufgegriffen wurde: „Junge Menschen interessieren sich nicht für Maßnahmen.“

Bei der letzten Welle wurde das besonders deutlich, als Tokyos Gouverneurin die jungen Menschen dazu aufforderte, lieber zu lernen, als sich mit Freunden zu treffen.

Realität zeichnet ein anderes Bild, als Politiker annehmen

Schaut man wieder in die Realität, zeigt sich ein anderes Bild. Ein Bericht des Asahi Shimbun über das Impfzentrum in Shibuya zeigt junge Japaner, die darum kämpfen, einen Termin zu bekommen.

Dabei geht es ihnen nicht nur bei der besonderen Impfstelle so, im ganzen Land haben es junge Menschen schwer, einen Termin für die Corona-Impfung zu bekommen. Dabei sind sie durch die Delta-Variante besonders gefährdet.

Solange die Politik ihnen aber die Schuld für die Infektionswellen zuschiebt, wird sich an der aktuellen Situation nicht viel ändern. Anstelle einen Schuldigen für die Infektionswellen zu suchen, sollte die Regierung lieber Maßnahmen ergreifen.

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