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Mechanische Puppen prägten die Edo-Zeit

Karakuri ningyō: Japans erste Roboter

Die japanische Regierung und einige ihrer größten Unternehmen sehen das 21. Jahrhundert als ein Jahrhundert der „menschlichen Koexistenz mit Robotern“ und geben Milliarden für die Erforschung der Robotik aus.

Roboter haben in Japan eine lange Geschichte. Sie wurden schon immer etwas anders gesehen als im Westen, wo die Menschen dazu neigen, eher Angst vor den Robotern zu haben. Immer in der Sorge, dass sich die Roboter früher oder später zusammenschließen und versuchen werden, die Menschheit auszulöschen.

Liebe zur Robotik

Die Japaner hingegen haben nur Liebe und Zuneigung für ihre Roboter. Sie sehen sie als Freunde. Vielleicht weil der Shintoismus lehrt, dass nicht nur Menschen und Tiere, sondern auch Pflanzen und sogar leblose Objekte wie Felsen und Flüsse Geister haben. Dieser Gedanke galt auch Maschinen und Robotern.

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Die japanische Liebe zu Robotern hat ihre Wurzeln im Puppenspiel, das seit Jahrhunderten populär ist. Marionetten haben lange Zeit Szenen aus traditionellen Mythen und Legenden während Matsuri oder Festen aufgeführt. Der siebte Tokugawa daimyō Muneharu war ein großer Liebhaber dieser Karakuri, die unter seiner Schirmherrschaft während der Edo-Zeit aufblühten.

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Eigentlich verbot Muneharu Erfindungen und Mechanisierung, aber er machte eine Ausnahme für Puppen und Marionetten, die für Matsuri bestimmt waren. Infolgedessen wandte eine Generation von Erfindern und Wissenschaftlern ihre Fähigkeiten der Entwicklung von Karakuri ningyō oder auch „mechanischen Puppen“ zu.

Entwicklung in der späten Edo-Zeit

Die Kunst und Wissenschaft der Herstellung von Karakuri ningyō wird in dem dreibändigen Buch Karakuri ausführlich beschrieben: eine illustrierte Anthologie, die 1796 veröffentlicht wurde. Die Anthologie erklärt die Funktionsweise von neun Arten mechanischer Puppen, wobei jede Erklärung von präzisen Diagrammen begleitet wird.

Die berühmtesten Karakuri wurden in der späten Edo-Periode hergestellt, als westliche Uhrwerkmechanismen in Japan eingeführt wurden. Sie wurden zu den Archetypen dessen, was Intellektuelle der Edo-Ära gerne als wakon yōsai oder auch „Japanischer Geist, westliches Lernen“ bezeichneten.

Der Respekt, der mechanischen Puppen entgegengebracht wurde, war so groß, dass bis zum Ende des 19. Jahrhunderts ausgediente Puppen nicht weggeworfen oder recycelt, sondern auf speziellen „Puppenfriedhöfen“ begraben wurden.

Japans Karakuri
Die „Teepuppe“ wird unteranderem in dem Karakuri Memorial Museum in Kanazawa ausgestellt. Quelle: Karakuri Memorial Museum

Die berühmteste Karakuri der Edo-Ära ist die chahakobi ningyō oder auch „Teepuppe“. Der Gastgeber stellte eine Teetasse auf das kleine Teetablett der Uhrwerkspuppe und diese trug die Tasse zu seinem Gast. Wenn der Gast den Tee vom Tablett nahm, blieb die Puppe stehen und wartete, bis er ihn getrunken hatte. Wenn der Gast die Tasse wieder auf das Tablett stellte, drehte sie sich um und ging zurück zu ihrem „Meister“.

Geheimnisse der westlichen Technologie

Ein weiterer genialer Roboter-Vorläufer ist der Yumihiki dōji oder auch „Bogenschützenpuppe“ genannt, der einen Pfeil aufnimmt und ihn auf ein Ziel schießt. Die Puppe verfehlt das Ziel sogar absichtlich in einem von zehn Fällen, nur um das Publikum in Spannung zu halten.

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Ihr Schöpfer, Hisashige Tanaka, hatte in Kyoto ein Geschäft namens „The Hall of Automata“. Er war der erste Karakuri-Meister, der begann, seine Fähigkeiten in praktischere Anwendungen umzusetzen. Am Ende der Edo-Ära mussten sich Japans Herrscher mit der Notwendigkeit abfinden, mit den technischen Innovationen des Westens Schritt zu halten, und Tanaka wurde vom Daimyo gebeten, ihn bei der Modernisierung zu beraten.

Er machte sich bald an die Arbeit und versuchte, die Geheimnisse der westlichen Technologie zu entschlüsseln. Innerhalb eines Jahres hatte er das erste funktionierende Modell einer Dampflokomotive in Japan gebaut, eine beachtliche Leistung, wenn man bedenkt, dass er noch nie eine echte Lokomotive gesehen hatte und sich bei seiner Arbeit völlig auf ein niederländisches Nachschlagewerk stützte.

Japanischer Edison

Hisashige Tanaka trug direkt zur modernen Industrialisierung Japans bei. Er war der Gründer eines Unternehmens, das einige der ersten Glühbirnen, Telefone, Dampfmaschinen und Eisenbrücken des Landes herstellte, aus dem später die Toshiba Corporation hervorging. Er wurde oft auch als „japanischer Thomas Edison“ bezeichnet.

Wer mehr über die Geschichte der Karakuri und ihre Rolle als Vorläufer der heutigen Roboter erfahren möchte, der findet weitere Informationen zum Beispiel im japanischen Volkspuppenmuseum von Kyoto in Sagano, dort sind mehrere Karakuri ningyō  ausgestellt.

Man findet auch im Karakuri Memorial Museum in Kanazawa derartige Ausstellungsstücke. Auch auf Festivals kann man die Karakuri ningyō entdecken, wie zum Beispiel dem Gion-Festival in Kyoto, das Mitte Juli stattfindet.

Wenn man an den neuesten Entwicklungen der Robotik interessiert ist, dann sollte man die Robodex nicht verpassen. Es ist die größte Robotermesse der Welt, die jährlich in Tokyo stattfindet.

GP

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