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HomeNachrichten aus JapanKatholisches Bischofsforum findet in Japan mehrere Fälle von Kindesmissbrauch

Einige Fälle wurden erstmals durch die Untersuchung bekannt

Katholisches Bischofsforum findet in Japan mehrere Fälle von Kindesmissbrauch

Letztes Jahr wurde die katholische Kirche erneut von einer Welle an Kindesmissbrauchsfällen erschüttert. Da es wohl ebenfalls Vorwürfe in Japan gab, untersuchte die katholische Bischofskonferenz von Japan die Angelegenheit genauer. Am Dienstag bestätigten sie, dass es mehrere Missbrauchsfälle in den letzten Jahren gab.

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Zwischen 1950 und den 2010er Jahren soll es insgesamt 16 Fälle an sexuellem Missbrauch von Minderjährigen gegeben haben. Bei den Opfern handelt es sich um Jungen und Mädchen im Grundschulalter, sowie ein Kind unter sechs Jahren. Die Übergriffe fanden in Priesterzimmern, Kirchengebäuden oder anderen Einrichtungen der Kirche statt, wie Pflegeheimen.

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Zu dem Ergebnis kam die Organisation auf Tokyo nach der Untersuchung aller 16 Diözese und anderen Klöstern in Japan. Ebenfalls forderten sie Menschen auf, die Übergriffe zu melden, egal wie lange sie schon her sind. Einige Fälle wurden dabei zum ersten Mal seit 70 Jahren bekannt. Andere lagen sogar so weit zurück, dass genauere Details sich nicht prüfen ließen.

Auf der anderen Seite wurde gleichermaßen bekannt, dass einige Vorfälle bekannt waren, die Täter jedoch nicht wirklich bestraft wurden. Manche Täter, welche die Übergriffe leugneten, mussten sich lediglich bei einem Vorgesetzten entschuldigen. Es kam deswegen die Frage des Verschuldens der Kirche auf, die sich jahrelang passiv verhielt und das Problem ignorierte. Nur wenige der Täter verloren ihre Machtposition oder wurden ganz aus der Kirche ausgewiesen.

Schon zwischen 2002 und 2012 untersuchte die Bischofskonferenz alle Diözese mit einem Fragebogen. Es wurden dabei fünf Berichte von sexuellem Missbrauch erstellt. Auf die Einzelheiten wurde jedoch nicht eingegangen. Die kompletten Ergebnisse der aktuellen Untersuchung will die Organisation demnächst veröffentlichen.

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Eines der Opfer, der 63-jährige Katsumi Takenaka, sprach mit Kyodo News über den Übergriff. Er wurde in den 60ern als Grundschüler der vierten Klasse nach der Messe von dem deutschen Priester ins Vorzimmer gerufen, wo er ihn im unteren Körperbereich berühren sollte. Der Missbrauch fand regelmäßig statt und Takenaka sagte aufgrund der Drohungen des Priesters niemandem etwas von den Übergriffen.

Zu dem Zeitpunkt lebte er in einer katholischen Einrichtung für Kinder. Als eine Art Schweigegeld bekam Takenaka von dem Mann Süßigkeiten und Briefmarken aus dem Ausland. Etwa ein Jahr lang hielt der Missbrauch an, bis der Priester in eine andere Einrichtung verlegt wurde. Takenaka erklärte, dass er über Selbstmord nachdachte. Er verdrängte die Erinnerungen lange, als er jedoch heiratete und Vater wurde, kamen sie wieder und quälten ihn erneut.

Er selbst hatte erst 2018 den Missbrauch gemeldet, nachdem er jahrelang unter Flashbacks und anderen Problem gelitten hatte. Takenaka wollte so verhindern, dass andere ähnliche Qualen durchlaufen und auf das Problem aufmerksam machen. Der Priester, der ihn missbrauchte, ist mittlerweile verstorben und wurde nie wirklich zur Rechenschaft gezogen.

Es ist fragwürdig, ob die derzeitige Untersuchung wirklich alle Fälle erfasste. Es wird angenommen, dass mehrere Tausend Menschen in den letzten Jahrzehnten weltweit durch die katholische Kirche missbraucht wurden. Die Kirche steht deswegen scharf in der Kritik das Problem zu ignorieren, zu vertuschen und nicht ausreichend zu handeln. Papst Franziskus bezeichnete bei einer Konferenz letztes Jahr den Missbrauch als ein weitverbreitetes Phänomen in der Kirche und forderte stärkere Maßnahmen, um ihn zu verhindern.

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In Japan soll so eine Konsultationshotline eingeführt werden. Viele bezweifeln jedoch die Wirksamkeit, da bei den Fällen eine Untersuchung durch die Geistlichen selbst stattfindet, die sich untereinander decken können.

Hilfetelefon für Opfer sexuellen Missbrauchs: 0800 22 55 530

Kyodo

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