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Deutlicher Anstieg an Missbrauchsfällen

Kindesmissbrauch in Japan seit Januar auf über 20 Prozent gestiegen

Als die Menschen in Japan gebeten wurden, zu Hause zu bleiben, warnten Experten davor, dass der Kindesmissbrauch ansteigen wird. Eine Warnung, die man hätte ernst nehmen sollen, denn seit Januar ist die Zahl der Fälle deutlich gestiegen.

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Laut aktuellen Daten des Sozialministeriums wurden im Januar 14.974 Fälle von Kindesmissbrauch gemeldet. Ein Anstieg von 22 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Im Februar wurden insgesamt 14.997 Fälle gemeldet, ein Anstieg von 11 Prozent gegenüber dem Vorjahr und im März stieg die Zahl auf 22.503 Fälle.

Warnung vor Kindesmissbrauch wegen geschlossenen Schulen und Probleme der Eltern

Die Daten decken Fälle von Kindesmissbrauch im ganzen Land ab, in denen Mitarbeiter des Kinderberatungszentrums verpflichtet waren, Kinder in Schutzhaft zu nehmen.

Viele Schulen in Japan wurden seit dem 2. März geschlossen, um die Ausbreitung des neuen Coronavirus zu verhindern.

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Obwohl die Zahl von Kindesmissbrauch zwischen Januar und März gestiegen sind, ist es noch unklar, ob die Auswirkungen der Pandemie allein verantwortlich dafür sind, da Fälle in Japan jedes Jahr steigen, hieß es aus dem Ministerium.

Kinderschutzbeauftragte haben starke Bedenken geäußert, dass Fälle von Kindesmissbrauch aufgrund der geschlossenen Schulen und Einkommensverlusten der Eltern zunehmen könnten, da viele Menschen gezwungen sind, während der Pandemie zu Hause zu bleiben.

Das Sapporo-Kinderberatungszentrum gab an, im März 146 Berichte über Kindesmissbrauch von Polizisten und Anwohnern erhalten zu haben, die in der Nähe von Familien mit Kindern leben. Dies entspricht etwa dem 1,5-fachen der Zahl, die im gleichen Zeitraum des Vorjahres verzeichnet wurde.

Psychischer Missbrauch stark gestiegen

Das Zentrum sagte, dass Fälle von psychischem Missbrauch, bei denen Kinder durch Streitigkeiten ihrer Eltern traumatisiert werden, unter den gemeldeten Fällen hoch waren.

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Das Zentrum beriet auch deutlich mehr Eltern, darunter einige, die durch die geschlossenen Schulen gezwungen sind zu Hause zu bleiben und Eltern die einfach nur gestresst sind.

„Finanzielle Schwierigkeiten ist einer der Faktoren, die Kindesmissbrauch auslösen können und die Umwelt der Kinder verschlechtert sich“, so Tetsuro Tsuzaki, Direktor der Vereinigung zur Verhütung von Kindesmissbrauch und Vernachlässigung, einer gemeinnützigen Organisation in Osaka.

„Kinder können nicht selbst Hilfe suchen, daher dauert es einige Zeit, bis der Missbrauch ans Licht kommt“,  fügte Tsuzaki hinzu. „Wir müssen überprüfen, wie es ihnen zu Hause geht, indem wir beispielsweise gedruckte Lehrmaterialien nach Hause liefern.“

MA

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