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Kampf gegen den Klimawandel in Japan

Klimaaktivisten in Japan – in der Unterzahl, aber sehr laut

Durch die Pandemie ist ein Thema fast völlig aus den Medien verschwunden: Der Klimawandel. Gestoppt ist er natürlich nicht, auch wenn die Pandemie dazu führt, dass die Luftverschmutzung deutlich nachgelassen hat.

Trotzdem achten wir immer noch nicht genug auf den Zustand unserer Umwelt und da die Wirtschaft aktuell am Boden liegt, wird es wohl weiterhin Jahre dauern, bis sich die Politik endlich vernünftig auf den Klimaschutz einlässt, auch wenn man die aktuelle Situation hätte nutzen können, um endlich einen Wandel zu vollziehen.

Auch in Japan setzten sich Klimaaktivisten für den Kampf gegen den Klimawandel ein

Das ist leider weltweit so und weltweit setzten sich Klimaaktivisten dafür ein, dass die Natur endlich wieder eine Rolle spielt und wir verantwortungsvoll mit unserem Planeten umgehen. Auch in Japan.

Es gibt ein japanisches Sprichwort: Es braucht ein Dorf, um ein Kind zu erziehen, aber manchmal kommt das Kind zurück und verändert das Dorf.

So ungefähr könnte man Mika Mashiko beschreiben, die vor acht Monaten in Natsu eine Umweltschutzgruppe gründete. Nasu ist eine Bauernstadt mit 25.000 Einwohnern in der Präfektur Tochigi.

Mehr zum Thema:  Investoren fordern Japan auf, die Klimaziele der UN zu stärken

Der Grund dafür, eine Umweltschutzgruppe zu gründen war ein geplantes Solarkraftwerk mit 350.000 Sonnenkollektoren. Eigentlich eine gute Sache doch dafür sollte ein großes Waldgebiet abgeholzt werden.

Der Plan geht trotz des Widerstands der Anwohner und sogar des Bürgermeisters weiter voran.

Mika Mashiko bei einer Demonstration in Nasu
Mika Mashiko bei einer Demonstration in Nasu. Bild: TJT

Und so gründete Mashiko im September 2019 Fridays for Future Nasu, die lokale Niederlassung einer internationalen Klimagruppe, die von der jugendlichen Aktivistin Greta Thunberg gegründet wurde.

Im Februar reichte Mashiko bei der Stadtversammlung in Nasu eine Petition ein, in der gefordert wurde, einen Klimanotfall zu erklären, entschlossen gegen den Klimawandel vorzugehen und den CO2-Fußabdruck der Stadt zu verringern.

Einen Monat später kündigte Nasu eine Klimanotstandserklärung an und setzte sich das Ziel, die CO2-Emissionen bis 2050 auf Null zu senken.

FFF Nasu die einzige Gruppe in Japan, die einen CED von einer örtlichen Gemeinde erhalten hat.

In ganz Japan kämpfen Klimaaktivisten gegen die Umweltverschmutzung

Doch das Land hat noch einen langen Weg vor sich, immerhin setzt es weiterhin auf Energie aus Kohle und es ist schwer in Japan jemanden zu überzeugen.

Aber die Zahl der Klimaaktivisten wächst und mithilfe von Wissenschaftlern, erfahrenen Umweltschützern und anderen Veteranen der alten Garde, die die jungen Aktivisten liebevoll als „die Erwachsenen“ bezeichnen, scheint die Zukunft vielversprechend. Die jüngsten Ereignisse deuten darauf hin, dass sich ihre Bemühungen auszahlen könnten.

Im April kündigten Sumitomo Mitsui Financial Group Inc. und Mizuho Financial Group Inc. an, keine Kredite mehr für den Bau neuer Kohlekraftwerke oder für Projekte mit Kohle zu vergeben. SMFG und Mizuho gehören zu den weltweit größten Kreditgebern für Kohlekraft.

Mizuho sagte, es werde seine Kredite in Höhe von 300 Milliarden Yen für Kohlekraftwerke bis 2030 halbieren und dann bis 2050 auf Null. Es sagte auch, dass es neue Investitionen und Kredite für Bauprojekte für Kohlekraftwerke mit hohen Kohlendioxidemissionen ab Juni abschaffen würde.

Während sich die großen Banken nicht mehr von früheren und laufenden Kohleprojekten trennten, sind die Ankündigungen ein Beweis dafür, dass die Wirtschaft in Japan durch die wachsende Nachfrage nach nachhaltiger Energie beeinflusst wird, so Takayoshi Yokoyama von der Organisation 350 Japan.

„Junge Klimaaktivisten haben heute eine globalere und kooperativere Denkweise als alle ihre Vorgänger“, sagt Yokoyama. „Diese Denkweise kann sich auf die Gesellschaft auswirken, wenn sie erwachsen werden und in die Welt von Politik und Wirtschaft eintreten.“

Klimaaktivisten auf der ganzen Welt kamen am 24. April zum jüngsten globalen Klimastreik zusammen. Die Veranstaltung fand, aufgrund der anhaltenden Coronavirus-Pandemie, im Internet statt, aber das schien der Begeisterung nicht im Wege zu stehen.

Ein langer Weg für die Klimaaktivisten in Japan

In Japan nahmen landesweit 60 Vertreter von 21 FFF-Gruppen an einem virtuellen Treffen teil, um Pläne zu besprechen. Ihr Hauptziel war diesmal, die japanische Regierung aufzufordern, ihre national festgelegten Beiträge zum Umweltschutz zu erhöhen. Darunter die beabsichtigte Reduzierung der Treibhausgase durch das Land gemäß dem Rahmenübereinkommen der Vereinten Nationen über Klimaänderungen.

Im Vorfeld der UN-Klimakonferenz 2019 (COP25) kündigte Japan an, die Treibhausgase bis 2030 gegenüber 2013 um 26 Prozent zu senken.

Im April demonstrierten die Klimaaktivisten in Japan online
Im April demonstrierten die Klimaaktivisten in Japan online. Bild: YouTube

Experten und Aktivisten sind skeptisch, dass die Regierung selbstständig handeln wird. Sie erwarten daher von der Öffentlichkeit, dass sie von Grund auf Druck ausübt und Veränderungen auslöst. Es scheint jedoch ein harter Kampf zu sein, die Menschen dazu zu bringen, die Schwere und Dringlichkeit der Klimakrise zu verstehen und dann auf diesen Impuls zu reagieren.

Seit der Gründung der FFF Tokyo im Februar 2019 wurden von gleichgesinnten Jugendlichen von Hokkaido bis Kagoshima lokale Niederlassungen gegründet.

„Während der Jugendklimaaktivismus in Japan im vergangenen Jahr zu reifen begonnen hat, stellen ein geringes öffentliches Bewusstsein und die Stigmatisierung von Demonstrationen im Land eine einzigartige Herausforderung dar“,  sagt Hanae Takahashi von der Klima-NGO Friends of the Earth Japan.

„Der Klimawandel ist immer noch zu politisch, als dass die Menschen die Bewegung auf individueller Ebene übernehmen könnten“, so Takahashi. „Deshalb bemühen sich Aktivisten so sehr, es für den Durchschnittsbürger zugänglich und unterhaltsam zu machen.“

Immer mehr Kämpfer gegen den Klimawandel

Während Proteste und Märsche im Ausland häufig die in Japan überschatten, steigt die Teilnahme an solchen Demonstrationen im Land und junge Aktivisten werden immer besser organisiert.

Knapp ein Dutzend Demonstranten versammelten sich zur ersten FFF Tokyo Demonstration, die im Februar 2019 vor dem Landtag stattfand. Einen Monat später erschienen fast 300 in Tokyo zum globalen Klimastreik. Fast 450 kamen einige Monate später in ihre Reihen.

Im September gingen in Japan mehr als 5.000 Demonstranten zum zweiten globalen Klimastreik auf die Straße, von denen sich 2.800 in Tokyo versammelten.

Im Februar versammelten sich dann Dutzende Vertreter von FFF-Gruppen aus ganz Japan in Tokyo zum ersten Jugendklimagipfel des Landes.

Auch in Japan könnte die Pandemie als Grund für einen Neuanfang genommen werden. Wenn sich die Wirtschaft des Landes wieder öffnet, muss die Regierung nur die Chance ergreifen, was allerdings zweifelhaft ist. Also werden die Klimaaktivisten in Japan weiter demonstrieren und es werden immer mehr.

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