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Zu schnell zurück zur Normalität

Kommentar: Japan ist zu selbstgefällig im Umgang mit dem Coronavirus

Japans Regierung hat bisher kein gutes Bild abgegeben, im Kampf gegen das Coronavirus.

Als die Pandemie begann, hatte es den Anschein, als würde die Regierung versuchen, die Olympischen Spiele zu retten, dann folgte ein halbherziger Ausnahmezustand und einige Tage später war alles wieder vorbei. Dabei haben sich im Juli mehr Menschen infiziert als von Januar bis Juni.

Pandemie ist vorbei, die Wirtschaft steht nun im Fokus

Nun versucht die japanische Regierung die Wirtschaft wieder in Gang zu bringen, fördert den Inlandstourismus mit einer Kampagne und tut viel, um den Schaden des Lockdowns zu minimieren.

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Doch das Coronavirus ist nicht weg, denn die Infektionszahlen steigen im Land wieder deutlich an. So deutlich, dass einige Präfekturen entweder wieder den Ausnahmezustand ausgerufen oder andere Maßnahmen ergriffen haben. Viele Gouverneure fordern mehr rechtliche Möglichkeiten, um Maßnahmen auch umzusetzen.

Die Regierung indes versucht zu beruhigen. „Man habe die Lage unter Kontrolle und beobachtet sie ganz genau“, heißt es aus Regierungskreisen. „Ein weiterer Ausnahmezustand ist nicht nötig, das Gesundheitssystem funktioniert.“

Das führt auch dazu, dass es unterschiedliche Aussagen von der Regierung und Präfekturverwaltung gibt, wie jüngst in Tokyo.

Beruhigen Sie sich, das Coronavirus ist besiegt

Beruhigend, oder? Das denken sich auch einige Menschen in Japan und leben ihr Leben so, als hätte es eine Pandemie nie gegeben. Klar wird versucht Abstand zu halten und, wie in Japan üblich, eine Maske wird getragen, aber dadurch, dass sich viele Menschen zurzeit oft durch einen Besuch in Bars oder Clubs anstecken, scheint es bei vielen nicht so weit her zu sein, mit den „3C´s“.

Auch Ärzte warnen mittlerweile davor, dass das Gesundheitssystem in einigen Städten, allen voran in Tokyo, bald zusammenbrechen wird.

Experten sind sich einig, dass Japans Fokus auf die Wirtschaft kein vernünftiger Weg ist. Klar, die Menschen müssen Geld verdienen, der Konsum muss laufen, allerdings: Was wird das kosten?

Zu schnell zurück zur Normalität

Japan könnte zu einer Warnung werden, was passiert, wenn ein Land zu schnell versucht wieder zur Normalität zurückzugehen.

„Die aktuelle Ausbreitung ist das Ergebnis der Regierung, die die Wirtschaftstätigkeit priorisiert, indem sie die Menschen dazu bringt, wieder ganz normal zu leben und die Vorsicht zu vergessen“, so Yoshihito Niki, Professor für Infektionskrankheiten an der School of Medicine der Showa University.

Länder im gesamten asiatisch-pazifischen Raum erleben zweite Wellen, viele – wie Hongkong, Australien und Vietnam – nachdem sie zum ersten Mal das Coronavirus erfolgreich eingedämmt hatten.

Laut Mitarbeitern des öffentlichen Gesundheitswesens haben eine Reihe von Faktoren zu einer erneuten Infektionswelle geführt.

Der Ausnahmezustand wurde zu früh aufgehoben, bevor sich die Infektionen ausreichend verlangsamt hatten. Die Angst, der Wirtschaft noch einmal Schaden zuzufügen, führte zu einer langsamen Reaktion, als Ende Juni neue Infektionsherde auftraten.

Sündenbock gefunden

Als immer mehr Infektionen gemeldet wurden, hieß es weiterhin, dass sie auf das Nachtleben zurückzuführen sind. Ein Sündenbock war also gefunden.

„Die Regierung hätte eine vernünftige Strategie verfolgen müssen, um die Übertragung so schnell wie möglich einzudämmen“, so Kenji Shibuya, Professor am King’s College London und ehemaliger Chef der Gesundheitspolitik bei der Weltgesundheitsorganisation. „Sowohl Hongkong als auch Australien haben sehr schnell gehandelt und versuchen, Infektionen so schnell wie möglich einzudämmen, mit erweiterten Tests und aggressiver sozialer Distanzierung, einschließlich lokaler Sperren. Japan macht die Sache noch schlimmer, indem es nur abwartet und zuschaut. “

Die Regierung argumentiert weiterhin, dass die Situation diesmal anders ist. Chefkabinettssekretär Yoshihide Suga wiederholte am Freitag, dass kein weiterer Ausnahmezustand erforderlich sei.  Auch das Gremium der Regierung, das bei Maßnahmen gegen die Pandemie beraten hatte, wurde entlassen und ein neues eingesetzt.

Die Sterblichkeitsrate bleibt niedrig und das medizinische System ist nicht überlastet.

Aber das wird das Virus nicht verschwinden lassen.

Wirtschaftswachstum ist wichtig, aber um jeden Preis?

Zudem fördert die „Go To Tavel“-Kampagne eine Ausbreitung. Die Folgen kann man zurzeit zwar nur abschätzen, aber da nun die Ferienzeit beginnt, befürchten viele Menschen, dass das Coronavirus auch in die einsamsten Ecken Japans gebracht wird.

Die Präfektur Iwate ist so ein Beispiel, denn dort wurde lange Zeit keine Infektion gemeldet, bis vergangene Woche gleich zwei Patienten im Krankenhaus behandelt werden mussten.

Japans Regierung muss mehr tun als nur zu beobachten, denn der Schaden für die Menschen und für die Wirtschaft wird erheblich sein, wenn man nur zuschaut.

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1 Kommentar

  1. Wie ich gehört habe, gibt es in Japan noch ein zusätzliches Problem. Wer sich infiziert, hat noch mit dem Problem des Mobbings und der systematischen sozialen Ausgrenzung zu tun (unabhängig von einer Quarantäne).

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