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"Verwandtenkontrollen" in der Kritik

Kontrollen bei Verwandten halten in Japan viele Menschen davon ab Sozialhilfe zu beantragen

Wer in Japan Sozialhilfe beantragt, der muss damit rechnen, dass die Behörden bei Verwandten anrufen, um zu prüfen, ob der Antragssteller wirklich auf staatliche Hilfe angewiesen ist und nicht ein Angehöriger finanziell helfen kann.

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Dieses System der „Verwandtenkontrollen“ hält allerdings viele Menschen davon ab, die Hilfe zu beantragen, da dies eine große psychologische Belastung darstellt.

Anrufe bei Verwandten ist für viele Menschen beschämend

In einer Umfrage, die von Tsukuroi Tokyo Fund durchgeführt wurde, gaben 54,2 Prozent der Befragten an, dass sie zögern, Sozialhilfe zu beantragen.

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Der Grund für dieses Zögern ist, dass sie nicht möchten, dass Verwandte von ihren Umständen erfahren, da sie den Umstand, Sozialhilfe beantragen zu müssen, als beschämend empfanden.

Wer in Japan Geld vom Staat beantragt, muss nachweisen, dass er versucht, einen Job zu finden und seine Ersparnisse aufgebraucht hat.

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Es ist allerdings keine Bedingung, dass Verwandte finanziell einspringen, zudem birgt das System auch einige Gefahren, wenn zum Beispiel Opfer von häuslicher Gewalt einen Antrag stellen und die Behörden beim Ehemann nachfragen.

Behörden ignorierten Anweisung vom Ministerium

Zwar hat das Ministerium für Gesundheit, Arbeit und Soziales die lokalen Behörden darüber informiert, dass es nicht notwendig ist, die Möglichkeit der finanziellen Unterstützung bei Tätern von häuslicher Gewalt oder Menschen über 70 Jahre zu prüfen, allerdings halten sich nicht alle Behörden an die Anweisung.

Tsuyoshi Inaba, stellvertretender Direktor des Tsukuroi Tokyo Fund, forderte die Behörden auf, das Überprüfungssystem nicht mehr ohne die Zustimmung der hilfesuchenden Person anzuwenden.

„Der größte Faktor, der die Inanspruchnahme der Hilfe zur Sicherung des Lebensunterhalts behindert, ist das Kontrollsystem. Es ist unnötig und schädlich, und ich möchte, dass es gestoppt wird.“

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