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Probleme erwartet, wenn die Patientenzahlen steigen

Krankenhäusern in Japan fehlt es an Mitteln, um schwere Fälle von Corona-Patienten zu behandeln

Eine Behandlung, die bei Patienten in Japan eingesetzt wird, die unter schweren Folgen einer Infizierung mit dem Coronavirus leiden, könnte schon bald nicht mehr angewendet werden.

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In Japan werden zurzeit 24 Patienten mit schweren Auswirkungen der Infektion mit der extrakorporalen Membranoxygenierung (ECMO) behandelt. Dabei handelt es sich um eine Maschine, die zur Behandlung schwerer Lungen- und Herzprobleme eingesetzt wird.

Landesweit gibt es zu wenig ECMO-Geräte

Japanese Society of Respiratory Care Medicine und der Japan Association of Clinical Engineers stehen in Japan ca. 1.300 ECMO-Geräte zur Verfügung.

Allerdings stehen davon nur 300 Geräte für die Behandlung von Patienten, die sich mit dem neuen Coronavirus infiziert haben zur Verfügung, so Satoru Hashimoto, der Direktor der Intensivmedizin am Krankenhaus der Präfekturuniversität für Medizin in Kyoto.

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„Wenn es schlimmer wird, haben wir nicht genug ECMO-Geräte und die Krankenhäuser sind bereits voll mit Patienten“, so Hashimoto. „Ich weiß nicht, was als Nächstes passiert.“

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Krankenhäuser könnten nicht alle ECMO-Geräte für die Behandlung benutzen, da diese Geräte bereits anderweitig im Einsatz sind. Laut Hashimoto, können selbst Krankenhäuser, die fünf dieser Geräte haben, keines davon für eine Behandlung von Patienten, die sich mit dem Coronavirus infiziert haben, entbehren.

Einige Krankenhäuser sind bereits stark überlastet

In einigen Fällen werden die Ressourcen der Krankenhäuser so stark beansprucht, dass die Ärzte die Patienten mit ihren eigenen Autos verlegen mussten, sagte Hashimoto. Gesundheitsdienstleister seien gezwungen, das Fehlen eines „ECMO-Zentrums“, das in anderen Industrieländern üblich ist, sowie die fehlende logistische Unterstützung durch die lokalen Regierungen auszugleichen, fügte er hinzu.

Im Februar schufen Hashimoto und ein Team von Fachleuten des Gesundheitswesens das ECMOnet, ein Register, das mit einer 24-Stunden-Hotline gekoppelt ist und es den mehr als 400 teilnehmenden Krankenhäusern ermöglicht, aktuelle Informationen auszutauschen, Ressourcen zu bündeln und in einigen Fällen Patienten in eine Einrichtung zu verlegen, in der ein ECMO-Gerät zur Verfügung steht.

Bei der Behandlung wird das Blut eines Patienten mit Atem- oder Herzinsuffizienz durch eine künstliche Lunge geleitet. Die Methode wurde während des Ausbruchs der Schweinegrippe im Jahr 2009 intensiv genutzt und hat sich mit einer 90-prozentigen Überlebensrate in Ländern wie England und Schweden als wirksam erwiesen. In Japan hingegen lag die Überlebensrate der mit ECMO behandelten Patienten bei etwa 30 Prozent, so Hashimoto.

Japan hinkt dem Rest der Welt hinterher

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Nachdem der Ausbruch abgeklungen war, reisten Dutzende japanischer Wissenschaftler nach Schweden, um die für die ordnungsgemäße Behandlung mit ECMO erforderliche Schulung zu erhalten.

„Wir hinkten dem Rest der Welt hinterher“, sagte Hashimoto. „Es ist an der Zeit, unsere Fortschritte zu zeigen, und bisher haben wir sehr gute Ergebnisse erzielt“.

Neun der 24 mit ECMO behandelten COVID-19-Patienten in Japan haben sich vollständig erholt oder wurden bereits erfolgreich auf konventionelle Behandlungsmethoden wie Sauerstoffflaschen oder mechanische Beatmungsgeräte umgestellt. Bislang ist in Japan kein mit ECMO behandelter Patient gestorben.

Experten warnen vor einem Anstieg von Patienten, die eine Intensivbehandlung brauchen

Aber während diese spezialisierte Behandlung vielversprechend sein mag, ist nach Ansicht anderer Experten die größere Frage, ob die Krankenhäuser in der Lage sein werden, den Anstieg von Patienten zu bewältigen, die eine Intensivbehandlung brauchen.

„Nach dem, was wir sehen, ist die ECMO immer noch ein kleiner, aber wichtiger Teil des Instrumentariums, das wir haben“, sagte Kiran Shekar, stellvertretender Leiter der Forschungsgruppe für Intensivmedizin am Prince Charles Hospital in Brisbane, Australien. „Die ECMO spielt bei einer Pandemie eine Rolle, aber nach dem, was wir bisher gesehen haben, handelt es sich glücklicherweise nicht um eine Pandemie, bei der wir sagen, dass die Behandlung der Wahl die ECMO ist“.

Etwa 80 Prozent der mit dem Coronavirus infizierten Patienten leiden unter leichten Symptomen, während etwa 15 Prozent eine stationäre Behandlung benötigen, so die Weltgesundheitsorganisation.

Die restlichen 5 Prozent benötigen eine Intensivpflege und nur eine kleine Anzahl davon benötigen die ECMO. Selbst dann wird die ECMO als letzter Ausweg betrachtet, wenn die konventionellen Methoden keine positiven Ergebnisse bringen.

Was mehr Sorgen bereitet, sagte Shekar, ist die Frage, ob die Krankenhäuser in der Lage sein werden, dem unvermeidlichen Ansturm der Patienten standzuhalten.

„Die größte Herausforderung, vor der die meisten Intensivstationen auf der ganzen Welt stehen, ist die Betreuung vieler kranker Patienten auf einmal“, so Shekar. „Die Bereitstellung einer qualitativ hochwertigen Intensivpflege für viele Menschen auf einmal ist eine große Herausforderung an sich, weil die Krankenhäuser jetzt aufgefordert werden, ihre Intensivpflegekapazität um das Zwei-, Dreifache zu erweitern, was man nicht von heute auf morgen tun kann“.

TJT

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