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HomeNachrichten aus JapanKrebserregende Stoffe im Wasser an US-Militärstützpunkt gefunden

Werte sind teilweise 37 Mal so hoch, als erlaubt

Krebserregende Stoffe im Wasser an US-Militärstützpunkt gefunden

Die US-Militärstützpunkte in Japan sind nicht unbedingt dafür bekannt, sich an Regeln zu halten und die Umwelt zu achten. Eine neue Studie zur Wasserqualität rund um die Basen schockiert nun trotzdem. An mehreren Wasserquellen wurden gefährliche Werte an krebserregenden Stoffen gefunden.

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Das Umweltministerium hatte die Studie an 171 Wasserquellen an Militärstützpunkten und Industriegebieten durchgeführt. Laut dem Ministerium ist es die erste landesweite Untersuchung dieser Art. Es wurde dabei explizit nach den Stoffen Perfluoroctansulfonsäure (PFOS) und Perfluoroctansäure (PFOA) gesucht. Sie gelten als krebserregend und können ab bestimmten Werten gefährlich werden. An 37 Standorten in 13 Präfekturen wurde eine Verseuchung mit den Stoffen festgestellt, darunter Tokyo, Osaka und Kyoto.

Chemikalien sind sehr hartnäckig

Im Wasser lag der durchschnittliche Wert bei bis zum 37-fachen des Erlaubten. Zulässig sind etwa 50 Nanogramm der beiden Stoffe auf einen Liter Leitungswasser. Das die Werte so hoch sind, ist für die Behörden sehr besorgniserregend. Das Ministerium hat die Werte für eine dauerhafte Überwachung eingestuft und arbeitet an regelmäßigen Informationen zu den Auswirkungen auf die Gesundheit.

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PFOS und PFOA sind beides sehr widerstandsfähige Stoffe. Sie weisen Wasser und Öl ab. Aus dem Grund werden sie besonders in Löschschaum, Halbleitern und Kochgeschirr verwendet. Bei der aktuellen Verseuchung wird deswegen davon ausgegangen, dass Löschschaum von den Militärstützpunkten und anderen Chemikalien von Fabriken oder anderen Einrichtungen verantwortlich sind. Besonders beim US-Militär wäre es nicht das erste Mal, das Löschschaum das Wasser und die Umwelt verseucht.

Zuletzt kam es im April zu einem Vorfall auf der Futenma Air Base. Große Mengen an Löschschaum mit PFOS waren auf dem Gelände ausgelaufen. Es wurden danach hohe Werte in den anliegenden Gewässern gemessen und viele Bewohner waren besorgt um ihre Gesundheit.

Militärstützpunkte weisen hohe Werte auf

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Tatsächlich kommen in Gewässer in der Nähe der Militäreinrichtungen auf besonders hohe Werte. Der Dakujaku Fluss in Okinawa in der Nähe der Kadena Air Base hatte einen 30-Mal so hohen Wert wie erlaubt und kam auf 1.508 Nanogramm pro Liter. Bei Quellen an drei Standorten in Ginowan in der Nähe der US-Marine Corps Air Station Futenma lag der Wert bei 1.303 Nanogramm pro Liter. Weitere Verschmutzungen deutlich über den Wert gibt es im Grundwasser von Tachikawa in der Nähe der Yokota Air US Base und im Yamato Fluss in Kanagawa in der Nähe der Atsugi Air Base.

Besonders starke Grundwasserverseuchungen gab es in Settsu in Osaka mit einem Wert von 1.855 Nanogramm, was der höchste Wert in der Studie war. Allgemein fiel auf, dass die Werte in Gebieten höher waren, wo es Chemiehersteller oder andere Fabriken gab. So gibt es auch zu hohe Werte im Großraum Tokyo und der Hanshin Region.

Herstellung und Einfuhr in Japan verboten

PFOS und PFOA sind eine Herausforderung für sie Regierung, da sie sich nicht einfach beseitigen lassen. Sie sind der natürlichen Zersetzung resistent und können mit speziellen Mitteln entsorgt werden. Im Körper können sie sich aufgrund ihrer Eigenschaften ansammeln und international werden die Stoffe als „vermutlich krebserregend“ eingestuft. Tierversuche belegen bereits die negativen gesundheitlichen Auswirkungen. Bei Menschen gibt es aufgrund mangelnder Daten jedoch noch keine eindeutigen Ergebnisse.

Trotzdem wird zumindest PFOS nach dem Stockholmer Abkommen als eingeschränkte Chemikalie verzeichnet. In Japan ist die Herstellung und Einfuhr seit 2018 komplett verboten. Seit 2019 wird PFOA auch als gefährlich angesehen und Japan diskutiert über ein ähnliches Verbot wie bei PFOS. Ob es viel bringen wird ist jedoch fraglich, denn das US-Militär gibt offen zu, dass sie sich an die Regelungen nicht halten.

MS

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