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HomeNachrichten aus JapanKriminalität & RechtAnwälte setzten sich gegen Handschellen und Fesseln in japanischen Gerichtssälen ein

Grundsatz der Unschuldsvermutung wird untergraben

Anwälte setzten sich gegen Handschellen und Fesseln in japanischen Gerichtssälen ein

Der japanische Verband der Anwälte will die Verwendung von Handschellen und Fesseln um die Hüfte der Angeklagten in Gerichtssälen stoppen.

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Dafür hat die Japan Federation of Bar Associations ein Video produziert, in dem Takeyoshi Ota, stellvertretender Vorsitzender des Ausschusses für den Schutz der Menschenrechte, die Rolle eines Richters spielt.

Handschellen und Seile untergraben die Unschuldsvermutung

In dem Video argumentieren die Anwälte, dass die seit Langem bestehende Tradition, Angeklagte zu fesseln, den Grundsatz der Unschuldsvermutung untergräbt.

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„Niemand möchte dem öffentlichen Spott ausgesetzt sein wie ein Verbrecher, und ihre Familien hoffen nicht, dass sie so an den Pranger gestellt werden“, so Ota. „Wir versuchen, auf leicht verständliche Weise zu zeigen, dass die seelischen Qualen der Angeklagten, die sich in einer solchen Situation befinden, beachtet werden sollten. „Wir fordern die Richter auf, ihre Fantasie spielen zu lassen und eine Alternative zu finden.“

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Angeklagter betritt grundsätzlich gefesselt einen Gerichtssaal

Es ist üblich, dass bei Gerichtsverhandlungen in Japan der Angeklagte Handschellen angelegt und ein Seil um die Hüfte gebunden bekommt, um ihn so an der Flucht zu hindern. Zwar müssen die Fesseln während der Verhandlung abgenommen werden, aber ein Angeklagter betritt und verlässt den Gerichtssaal grundsätzlich gefesselt.

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Im Jahr 2014 weigerte sich ein Angeklagter, vor dem Bezirksgericht Osaka zu erscheinen, weil er nicht in Handschellen und mit Seilen im Gerichtssaal gesehen werden wollte. Dieser Fall ist der Auslöser, wieso die Anwälte diese Praxis abschaffen.

Nach Angaben des Projektteams der Japan Federation of Bar Associations, stellen einige Gerichte Sichtblenden auf, damit Richter und Beobachter nicht sehen können, wie die Fesseln entfernt werden.

Andere Gerichte gestatten Beobachtern den Zutritt erst, nachdem die Fesseln entfernt worden sind. Nach Angaben des Projektteams sind solche Fälle jedoch noch selten.

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