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HomeNachrichten aus JapanKriminalität & RechtApotheker in Japan werden immer wieder Opfer von Stalking und Beleidigungen

Neue Richtlinien sollen sie schützen

Apotheker in Japan werden immer wieder Opfer von Stalking und Beleidigungen

In Japan gibt es ein Problem mit Apothekern: Sie werden immer öfter Opfer von Stalkern und Kundenbelästigung. Um gegenzusteuern, hat sich die Regierung einige Maßnahmen überlegt, etwa in Bezug auf das Namensschild.

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So kann es nun sein, dass die Apotheker nicht mehr ihren vollen Namen auf den Namensschildern tragen, da es sonst zu einfach werden könnte, sie online zu identifizieren.

Apothekerinnen und Apotheker werden verfolgt

Solche Fälle sind bereits vorgekommen und hatten weitreichende Folgen: „Jemand hat eine junge Mitarbeiterin in den sozialen Medien anhand des vollständigen Namens auf ihrem Namensschild ausfindig gemacht und begonnen, sie zu verfolgen“, sagte ein Manager einer großen Apothekenkette der Mainichi Shimbun. „Ein Kunde drohte auch damit, den Namen einer Mitarbeiterin im Internet zu veröffentlichen“, fügte er hinzu.

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Daher wurde nun eine Bitte des Büros für Arzneimittelsicherheit und Umweltgesundheit des Gesundheitsministeriums wieder außer Kraft gesetzt. Dieses hatte darum gebeten, dass Apotheker und Mitarbeiter Namensschilder mit ihrem Vor- und Nachnamen tragen.

Vor allem Corona führt zu Frust

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Allerdings stiegen die Fälle, in denen Apotheker von Kunden belästigt oder gestalkt wurden, um das Jahr 2020 herum dramatisch an, was die Mitarbeiter dazu veranlasste, Versetzungen zu beantragen oder sich aufgrund von Problemen mit ihrer körperlichen und geistigen Gesundheit beurlauben zu lassen.

Nach Angaben des Managers einer Drogeriekette in den Fünfzigern ließen zu Beginn der COVID-19-Pandemie in Japan viele gestresste Kunden, die mit dem Mangel an Masken und der Verwirrung über PCR-Tests unzufrieden waren, ihren Frust an den Mitarbeitern aus. Es gibt offenbar immer noch Kunden, die in die Läden stürmen und Fragen zu PCR-Tests stellen, die das Personal nicht beantworten kann.

Namensschildpflicht wird aufgehoben

Das Gesundheitsministerium änderte seine Richtlinien Ende Juni dieses Jahres, um Namensschilder zuzulassen, auf denen nur der Nachname oder ein Alias steht. Das wird in vielen Ketten bereits umgesetzt.

Eine 26-jährige Apothekerin, die für eine andere Kette in der Präfektur Aichi arbeitet, sagte, dass auch ihr Geschäft erwägt, die vollständigen Namen von den Namensschildern zu streichen, und dass sie glaubt, dass dies „die Arbeit nicht beeinträchtigen wird“.

Entscheidung trifft auf gemischte Gefühle

Es gibt aber auch Unsicherheit, so von einem 67-jährigen Apotheker, der eine Apotheke in der Stadt Izumisano in der Präfektur Osaka betreibt: „In der Regel tragen unsere Mitarbeiter Namensschilder mit ihrem vollen Namen. Können Apotheker ohne Namensschilder vertrauensvolle Beziehungen aufbauen und verantwortungsbewusst arbeiten ohne Namensschilder?“

Auch in der Gesellschaft werden Bedenken hinsichtlich der Anonymisierung geäußert. Professor Kenji Omata von der Surugadai-Universität in der Präfektur Saitama erklärte: „Es gibt Menschen, die nicht wissen, wie sie Stress und Frustration abbauen können, und wir leben in einer Zeit, in der wir nicht wissen, wer uns angreift oder von wo aus. Da es jedoch das Problem der gestörten Kommunikation (mit den Kunden) gibt, werden die Entscheidungen bezüglich der Namensschilder wahrscheinlich von Geschäft zu Geschäft unterschiedlich ausfallen. Wir müssen über den Zustand der Gesellschaft nach der Anonymisierung nachdenken.“

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