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HomeNewsKriminalität & RechtBetreiber von Niconico muss Video über geschütztes Stadtviertel entfernen

Erster Fall dieser Art

Betreiber von Niconico muss Video über geschütztes Stadtviertel entfernen

In Japan gibt es einige Stadtviertel, die unter sogenannte Antidiskriminierungsmaßnahmen fallen und unter einem besonderen Schutz stehen. Aus dem Grund musste die japanische Videoplattform Niconico auf gerichtliche Anweisung ein Video löschen.

Die Kaibara Zweigstelle des Bezirksgerichts Kobe entschied bereits im Februar, dass Dwango Co. ein Video auf seiner Online-Videoplattform Niconico löschen muss. In dem Video ist ein Stadtviertel in Tambasasayama in der Präfektur Hyogo zu sehen, das unter sogenannten Antidiskriminierungsmaßnahmen steht.

Stadtverwaltung und Gemeindeverband schreiten ein

Bei den Vierteln handelt es sich um Wohngebiete, in denen früher sogenannte Burakumin lebten. So wurden Japaner bezeichnet, die nach dem feudalen Klassensystem als unantastbar galten und wie Aussätzige behandelt wurden. Sie mussten in Ghettos oder separaten Dörfern leben, die Buraku genannt wurden.

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Auch wenn der Status schon lange nicht mehr existiert, werden Nachfahren bis heute noch diskriminiert, weswegen die ehemaligen Stadtviertel und auch die Betroffenen rechtlich geschützt werden, damit ihr ehemaliger Status geheim bleibt.

Das etwa 20 Minuten lange Video wurde zwischen September 2020 und November 2020 auf YouTube, Livedoor Blog und Niconico hochgeladen. Zu sehen ist eine Wohngegend in der Stadt. Kommentiert wurde die Nachbarschaft unter anderem damit, dass es ein Ghettobild von der Gegend gibt, jedes Haus aber anständig sei. Ebenfalls wurde der Namen des Viertels in dem Video verraten.

Gefordert hatten die Löschung die Stadtregierung und ein lokaler Gemeindeverband. Der Verband hatte sich nach Bekanntwerden des Videos mit der Stadtverwaltung getroffen. Zusammen baten sie das Gericht um eine vorläufige Anordnung an die Betreiber der Videoplattformen, damit das Video gelöscht wird.

Betreiber von Niconico weigert sich zuerst

Das Video würde ihrer Meinung nach eine diskriminierende Perspektive verbreiten und damit eindeutig die Ehren- und Persönlichkeitsrechte der Anwohner verletzten. Es war das erste Mal, dass eine lokale Regierung ein Gericht um die Löschung eines diskriminierenden Videos bat.

Google Japan und LINE löschten bereits Januar 2021 das Video selbstständig. Dwango weigert sich jedoch mit der Erklärung, dass sie das Video überprüft haben, es aber nicht freiwillig löschen werden.

Da das Gericht der Stadtregierung zustimmte, setzten sie die Anordnung durch und forderten Dwango zur sofortigen Löschung auf. Das Video wurde dann tatsächlich auf Niconico entfernt. Für den Betreiber war damit die Sache jedoch nicht erledigt und er will nun die genauen Fakten des Falls prüfen.

Verständnis hat Bürgermeister Takaaki Sakai für den Vorfall nicht. Auf einer Pressekonferenz am Montag erklärte er, dass das Video Diskriminierungen fördert und ihn verärgerte. Meinungsfreiheit gibt es zwar in Japan, aber sie erlaubt keine Diskriminierungen. Sakai möchte deswegen, dass Dwango in der Zukunft seine Videoinhalte auf Niconico überprüft und vollständig untersucht.

Derartige Videos sind laut der Buraku Liberation League ein großes Problem. Seit 2018 gab es Berichte von mindestens 100 ähnlichen Videos in ganz Japan. Sie erklärten dabei, dass nur selten den Löschungs-Aufforderungen von Einzelpersonen oder Einrichtungen nachgekommen wird.

Dass die lokale Regierung nun zum ersten Mal Erfolg hatte mit seiner Anfrage, sei für sie deswegen sehr wichtig und sie hoffen, dass mehr Gemeinden das Gleiche tun. Die Organisation versucht allgemein gegen die Diskriminierung der Burakumin-Nachfahren vorzugehen und will die Stigmatisierung beseitigen.

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