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Home News Kriminalität & Recht Broschüre macht auf zahlreiche Sexualverbrechen des US-Militärs in Japan aufmerksam

Bürgergruppe sammelt seit Jahren Berichte von Vorfällen

Broschüre macht auf zahlreiche Sexualverbrechen des US-Militärs in Japan aufmerksam

Während der Besetzung Japans durch die USA vergingen sich zahlreiche Soldaten an den Einwohnern. Heute wird darüber jedoch nur wenig gesprochen, weswegen eine Bürgergruppe seit Jahren sämtliche Sexualverbrechen des US-Militärs zusammenträgt und sie in Form einer Broschüre veröffentlicht.

Die 70 Jahre alte Harumi Miyagi hilft der Bürgergruppe Okinawa Women Act Against Military Violence aus Naha beim Erstellen der Broschüre Postwar U.S. Military Crimes Against Women in Okinawa. Sie hoffen dabei, dass sie nie wieder so eine Aufgabe übernehmen müssen. Die neueste und 12. Ausgabe wurde 2016 veröffentlicht, ist 28 Seiten lang und listet 350 Sexualverbrechen auf, wie die Asahi Shimbun schreibt.

Veröffentlichung von Daten ist schwierig

Die Fälle reichen dabei bis vor der Schlacht auf Okinawa Juni 1945 zurück. Auch Fälle nach Ende der Besatzung von Okinawa 1972 sind in der Broschüre zu finden. Viele der Opfer aus den Fällen hatten dabei nicht die Möglichkeit ein faires Verfahren zu bekommen, aufgrund der Besatzung durch das US-Militär. Deswegen befinden sich in der Broschüre auch Übergriffe, die nie strafrechtlich verfolgt wurden und bei denen sich Opfer erst später meldeten.

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Um die Fälle zusammenzutragen, durchsucht die Gruppe alle verfügbaren Aufzeichnungen. Offizielle Dokumente der US-Regierung und Aufzeichnungen der Ryukuyu Insel unter US-Militärherrschaft sind die ersten Anlaufstellen. Dann werden lokale Dokumente bis hin zu Büchern über Sexualverbrechen jeder Gemeinde durchsucht. Da es immer wieder zu neuen Vorfälle kommt, muss die Liste ständig aktualisiert werden.

Die Veröffentlichung der Informationen ist dabei ein zweischneidiges Schwert. Einerseits will die Gruppe das Bewusstsein der Öffentlichkeit zu dem Thema schärfen. Auf der anderen Seite befürchten sie aber, dass die Informationen aus dem Zusammenhang gerissen werden und Opfer erneut unter den Verbrechen leiden. Aus diesem Grund werden die Broschüren nur an einem Veranstaltungsort verkauft.

Gruppe bringt erste Broschüre 1996 heraus

Miyagi selbst befasst sich schon lange mit der Geschichte der Frauen von Okinawa. Seit 25 Jahren sammelt sie Aufzeichnungen zu den Sexualverbrechen des US-Militärs und ist immer wieder von dem Grauen erschüttert. Das jüngste Opfer auf der Liste ist gerade mal neun Monate alt und wurde September 1949 misshandelt, ein Fall den Miyagi nicht vergessen kann. Sie fand dabei erst vor zwei Jahren heraus, dass das Kleinkind kurz nach dem Vorfall verstarb.

Die Bürgergruppe versucht so viele Fälle wie möglich öffentlich zu machen, um der Öffentlichkeit das Problem der Sexualverbrechen durchs US-Militär zugänglich zu machen. Die Gruppe kam zustande, als 1995 eine Grundschülerin in Okinawa durch drei Soldaten vergewaltigt wurde. Der Vorfall sorgte für massive Proteste. Bei einer Kundgebung am 21. Oktober 1995 versammelten sich 85.000 Menschen im Ginowan Park und forderten Gerechtigkeit.

Co-Vorsitzende der Gruppe, Suzuyo Takazato, erklärte, wieso sie die Berichte sammeln. Sie will sie den Reportern in und außerhalb von Japan zeigen, die nach der Problematik fragen. Sie hat dabei die erste Broschüre Februar 1996 zu veröffentlichen. Die 80 Jahre alte Takazato arbeitet als eine Beraterin für Opfer und weiß, dass nur ein Bruchteil der eigentlichen Fälle entdeckt wurde. Viel Opfer schweigen lieber, aus Angst vor Stigmatisierungen.

Sexualverbrechen des US-Militärs sind noch heute ein Problem

Allerdings half die Broschüre dabei, dass sich die Opfer öffneten. Nachdem die erste mit nur sieben Seiten erschienen war, meldetet sich eine Frau, die von ihrem Übergriff berichtete, der dann in der nächsten Auflage hinzugefügt wurde.

Takazato und viele ihrer Kollegen glauben, dass es in Okinawa so viele Fälle wegen der großen Belastung durch das US-Militär gibt. Noch heute trägt die Präfektur mit 70 Prozent der militärischen Fläche der Amerikaner in Japan den größten Anteil an ihrer Stationierung. Takazato und Miyagi hoffen beide mit dem Projekt den Zusammenhang von Sexualverbrechen mit dem US-Militär bekannter zu machen.

Miyagi beton dabei, dass Gewalt gegen Frauen ein schwerwiegendes Problem im Sicherheitsabkommen zwischen Japan und den USA ist. Die Opfer schweigen jedoch oft aus Angst und Okinawa ist weit von der Hauptinsel des Landes entfernt. Es sei deswegen laut ihr schwer den Menschen die Auswirkung des Problems deutlich zu machen. Dabei ist sexuelle Gewalt allgemein ein Problem in Japan.

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