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HomeNachrichten aus JapanKriminalität & RechtDrei Japaner wegen Quasi-Betrugs festgenommen

Geistig eingeschränkte Menschen oft unter den Opfern

Drei Japaner wegen Quasi-Betrugs festgenommen

In Tokyo wurden drei Personen wegen „Quasi-Betrugs“ verhaftet. Die drei Personen, darunter der Leiter eines privaten Detektivbüros, sollen zwei geistig beeinträchtigte Personen ausgenutzt und ihnen zu Unrecht eine hohe Ermittlungsgebühr in Rechnung gestellt haben.

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Die Opfer, ein Mann und eine Frau, hatten sich an die Detektei im Tokyoter Stadtteil Shibuya gewandt und behauptet, sie seien durch elektromagnetische Wellen geschädigt worden.

Ermittlungsgebühren für zweifelhafte Untersuchung

Nach Angaben der Ermittlungsbehörden mussten die beiden zwischen Mai und November 2020 rund 800.000 Yen (5.508 Euro) an Gebühren für die Ermittlungen zahlen.

Das Metropolitan Police Department nannte den 49-Jährigen, der an der Leitung der Privatdetektei beteiligt ist, als einen der mutmaßlichen Betrüger.

Quasi-Betrug kann mit bis zu 10 Jahren Haft bestraft werden

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Quasi-Betrug ist laut japanischem Strafrecht eine Straftat, die begangen wird, wenn jemand Geld oder Waren erlangt, indem er Minderjährige oder Personen mit eingeschränkter geistiger Fähigkeit ausnutzt.

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Das Gesetz wird auch dann angewandt, wenn kein Täuschungsversuch vorliegt, der Täter aber die Absicht hatte, sich unrechtmäßig Vorteile zu verschaffen. Die Strafe kann bis zu 10 Jahre Haft betragen.

Menschen mit eingeschränkter geistiger Leistungsfähigkeit häufig Opfer von Betrug

Die Detektei hat auf ihrer Website damit geworben, dass es in dem Zeitraum, in dem die Straftat gegen die beiden Personen begangen worden sein soll, eine „Untersuchung zur Bekämpfung der Schäden durch elektromagnetische Wellen“ durchgeführt hat.

Die Japan Research Association, eine Gruppe, die die Privatdetektivbranche überwacht, um die Einhaltung angemessener Standards zu gewährleisten, sagte, dass unseriöse Agenturen bereits vor mehr als 20 Jahren damit begonnen haben, Menschen mit eingeschränkter geistiger Leistungsfähigkeit ins Visier zu nehmen.

Verband warnt vor Straftaten

Auf mehreren Websites wird eine „Lösung für die Schäden durch elektromagnetische Wellen“ angeboten, genau wie auf der Website von „Mapiotibu“, so der Verband.

Die Opfer solcher Straftaten sind oft isoliert, da ihre Familien oder andere Personen in ihrem Umfeld ihren Sorgen über elektromagnetische Strahlung wenig oder gar keine Beachtung schenken.

„Wenn in einer solchen Situation jemand mit ihnen sympathisiert und sagt: ‚Du hast Recht‘, oder ihre Ängste schürt, kann das zu einem starken Band des Vertrauens und der Abhängigkeit führen“, so ein Vertreter des Verbandes.

Zahl der Betrugsversuche wohl viel höher als gemeldete Fälle

Das Tokyo Metropolitan Comprehensive Consumer Center teilte mit, dass es seit dem Geschäftsjahr 2013 Berichte über acht Fälle erhalten hat, in denen Opfern von Privatdetekteien eine erpresserische Ermittlungsgebühr in Rechnung gestellt wurde. Aufgrund von Berichten ihrer Familien und anderer Quellen bestand der Verdacht, dass diese Opfer geistig beeinträchtigt waren.

Die Japan Research Association betrachtet diese Zahl nur als „die Spitze des Eisbergs“.

Straftaten, die an Menschen begangen werden, die nicht über komplett entwickelte geistige Fähigkeiten verfügen, bleiben oft im Verborgenen, da die Opfer meist gar nicht wissen, dass sie betrogen wurden.

Schutz vor elektromagnetischen Wellen als Verkaufsschlager

Verkaufsmethoden, die Lösungen für die Schäden durch elektromagnetische Wellen vermarkten, gibt es auch in anderen Branchen. Die Asahi Shimbun fand heraus, dass etwa Ringe oder Nahrungsergänzungsmittel online zu teuren Preisen versteigert werden.

Die Artikel werden vermarktet, indem damit geworben wird, dass sie in der Lage seien, „die Schäden elektromagnetischer Wellen zu bekämpfen“, „das Abhören Ihrer Gedanken zu verhindern“ oder „Sie vor 5G zu schützen.“

Eine dünne Unterlegscheibe mit einem Loch in der Mitte, die in einem Baumarkt für ein paar Yen verkauft wird, wurde auf einer entsprechenden Website für mehrere Tausend Yen versteigert. Der Preis wurde durch Werbeaussagen über ihre Fähigkeit, Schäden durch elektromagnetische Wellen abzuwehren, in die Höhe getrieben.

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